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Audi und Volvo haben bald Android an Bord

Benedikt Plass-Fleßenkämper 17.05.2017

Kurz vor der Google-Entwicklerkonferenz I/O haben Audi und Volvo ein Highlight der anstehenden Show enthüllt: Die beiden Autobauer setzen in ihren voll vernetzten Fahrzeugen künftig eine speziell angepasste Version des Google-Betriebssystems Android ein. Damit sollen sich unter anderem Apps wie Spotify nutzen und die Klimaanlage steuern lassen.

Google will in unsere Fahrzeuge: Mit Android Auto brachte der Suchmaschinenkonzern schon eine abgespeckte Fassung seines Betriebssystems auf den Markt, die Autohersteller wie Honda, Bentley und Chevrolet etwa für die Steuerung des Entertainment-Angebotes ihrer Modelle nutzen. Dass das Google nicht reicht, war ein offenes Geheimnis. Nun haben Audi und Volvo zeitgleich angekündigt, dass sie Android in Zukunft noch tiefer in ihre PKW integrieren werden.

Die beiden Hersteller wollen eine angepasste Version von Android Auto einsetzen, die deutlich mehr kann als bisher. Insassen sollen das Betriebssystem nicht zur Mediensteuerung nutzen, sondern auch für echte Connected-Car-Funktionen. Dazu zählen zum Beispiel die Steuerung der Klimaanlage, der Fensterheber oder der elektrisch verstellbaren Sitze über die Mittelkonsolen-Displays. Wie auf ersten Pressebildern zu sehen ist, wird das neue „Auto-Android“ an die grafischen Benutzeroberflächen der Autobauer angepasst, weshalb das User-Interface des Betriebssystems in einem Volvo anders als bei einem Audi aussieht.

Flexibles Design: Die Autohersteller können das Aussehen von Android an ihre Wünsche anpassen

Über die grafische Oberfläche können die Benutzer nicht nur Auto-Funktionen per Touchscreen steuern, sondern ebenso Android-Apps nutzen. Google nennt in einem Blogpost Google Maps, Spotify, NPR und den Google Assistant. Laut Henrik Green, Chef der Volvo-Entwicklungsabteilung, soll es für die Fahrzeuge des schwedischen Autobauers „hunderte Apps“ geben. Das spricht dafür, dass App-Entwickler ihre Anwendungen für die Auto-Version von Android anpassen müssen. Volvo möchte zudem eigene Android-Apps für seine Wagen entwickeln und diese Drittherstellern zugänglich machen.

Audi setzt ebenfalls auf Offenheit: Die Ingolstädter ermöglichen es, dass Fahrer den eigenen Kartendienst HERE zur Navigation ebenso nutzen können wie Google Maps. Googles neues Android für Fahrzeuge verrichtet schon in der seriennahen Studie Audi Q8 concept ihren Dienst, Volvo will das Betriebssystem im Laufe der nächsten zwei Jahre in seine neuen Modelle integrieren. Beide Unternehmen werden auf der Google-Entwicklerkonferenz I/O weitere Informationen bekanntgeben.

Die neuen Kooperationen zeigen, wie Automobilhersteller immer enger mit Software- und Technologie-Entwicklern zusammenarbeiten, um sich der Digitalisierung des Automobils zu stellen. Zum Beispiel gab es bereits zur CES 2017 in Las Vegas Anfang Januar einige bedeutsame Ankündigungen: Audi forscht zusammen mit Nvidia an lernenden Autos, BMW kooperiert mit Intel und Daimler arbeitet unter anderem mit Philips im Bereich Fitnesstracking zusammen.

Software sells Hardware: Ob diese Devise in Zukunft auch für Autos gelten wird?

Googles Ankündigung, in Sachen Android mit Volvo und Audi gemeinsame Sache zu machen, ist ein wichtiger Schritt für das kalifornische Unternehmen: Google könnte sich einen nicht zu unterschätzenden Vorsprung vor Apple und Amazon sichern, die ebenfalls ihre Technologien in die Smartcars von morgen bringen wollen.

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