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UBERs Testwagen hatte sechs Sekunden zum Bremsen

WIRED Staff 25.05.2018 Lesezeit 2 Min

Der vorläufige Bericht der US-Verkehrsbehörde zum tödlichen Unfall eines selbstfahrenden Autos von UBER ist da. Nach nunmehr zwei Monaten steht fest: Die Sensoren des Fahrzeugs haben korrekt funktioniert und die Frau lange vor der Kollision erfasst. Die Software war allerdings nicht darauf eingestellt, zu reagieren. Schuld soll auch eine interne Deadline gewesen sein.

Die Aufarbeitung der tödlichen Kollision des autonomen UBER-PKW mit einer Radfahrerin geht weiter voran. Die Verkehrsbehörde National Transportation Safety Board hat nun ihren vorläufigen Bericht über den Unfall zwischen dem umgerüsteten Volvo XC90 veröffentlicht, der eine Frau erfasste, die ihr Rad über eine Straße schob. Wie der Bericht ausführt, haben die Sensoren des Fahrzeugs die Frau sechs Sekunden vor dem Zusammenstoß erkannt. Sie wurde vom System zunächst als unbekanntes Objekt, dann als Fahrzeug und dann als Radfahrerin identifiziert.

Knappe 1,3 Sekunden vor dem Zusammenstoß folgerte die UBER-Software, dass eine Notbremsung nötig sei. Jedoch: Notbremsungen waren der Selbstfahrsoftware untersagt. Ebenso war auch der von Volvo standardmäßig verbaute Sicherheitsbremsassistent abgeschaltet, um „unberechenbares Verhalten des Fahrzeugs zu vermeiden.“ Eine Notbremsung war im autonomen Fahrmodus also nur durch dem menschlichen Sicherheitsfahrer möglich. Die Mitarbeiterin im Auto hatte aber bis kurz vor dem Zusammenstoß auf ein Display geschaut. Laut ihrer Aussage war dies, nicht wie oft gemutmaßt, ihr Smartphone, sondern ein Kontroll- und Diagnosemonitor von UBER. Ebenso war sie vom System nicht auf die Notsituation hingewiesen worden.

Dass UBER die Notbremsungen deaktiviert hatte, lag laut dem Bericht auch am Zeitdruck und den Ambitionen bei der Entwicklung der Selbstfahrtechnologie: Ein internes Ziel war gewesen, noch in diesem Jahr ersten Kunden im Großraum von Phoenix Fahrten ohne menschlichen Mitarbeiter am Steuer anbieten zu können. Da der Konzern die Testfahrten nach dem Unfall vorerst unterbrechen musste, dürfte das nun nicht mehr geschehen.

Die Verkehrsbehörde weißt daraufhin, dass der Bericht erst vorläufig ist. Endgültige Schlüsse könnten erst nach weiteren Untersuchungen gezogen werden. In Arizona sind die Genehmigungen für selbstfahrende UBER-Autos vorerst ausgesetzt. Daher will der Konzern seine Entwicklung nun auf Pittsburgh und San Francisco konzentrieren. Mit der Familie der getöteten Frau hat sich UBER schon im März außergerichtlich geeinigt.