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Macht Resident Evil 7 die PlayStation VR zum Pflichtkauf?

Dominik Schönleben 23.01.2017

Virtual-Reality-Brillen haben noch immer ein Problem: Es gibt nur wenige gute Spiele, für die sich die Anschaffung wirklich lohnt. Der neueste Teil der „Resident Evil“-Serie soll das jetzt zumindest für die PlayStation VR ändern. Wir haben für euch getestet, ob das Horror-Game hält, was es verspricht.

Resident Evil 7 Biohazard sollte ein Game werden, für das sich Spieler tatsächlich eine PlayStation VR kaufen. Neben Robinson: The Journey ist das Horror-Game einer der wenigen Titel für die Virtual-Reality-Brille von Sony, die wirklich den Eindruck eines Vollpreistitels vermitteln. Die meisten VR-Spiele sind bislang ein eher kurz(weilig)er Spaß ohne tiefere Story. Ein Problem, das die HTC Vive und Oculus Rift mit ihren zahllosen Indie-Experimenten sogar noch viel stärker betrifft als die PlayStation VR.

Doch von einem Resident-Evil-Spiel darf man mehr erwarten. Vor allem versprach der siebte Teil Biohazard wieder echten Schrecken statt der Shooter-Action der vorhergehenden Episoden. Eine Rückkehr zur Formel des ersten Resident Evil, das eher wie ein düsterer Horrorfilm war. Statt also dem Protagonisten über die Schulter zu schauen, wechselt das Spiel nun in die Ego-Perspektive. So sollen die Schockmomente durch die VR-Brille zum echten Horror werden – weil die Distanz zur Spielwelt verloren geht.

Die Gelegenheit, etwas zu erleben, das mein Körper nicht mehr von der Realität unterscheiden kann

Genau das gelingt Resident Evil 7 Biohazard. Das Spiel schafft es, die Furcht vor dem nächsten Jump Scare und den Ekel vor der mit Blut und Gedärmen verschmierten Spielwelt so zu transportieren, dass ich sie förmlich spüre. Nicht der Protagonist, sondern man selbst steht dann dem plötzlichen Angriff aus der Dunkelheit gegenüber und bekommt das Messer an den Hals gepresst. Ein intensives Erlebnis, dass so nur in der virtuellen Realität existieren kann. Manchmal sogar so überwältigend, dass ich mir im Test instinktiv panisch die Brille vom Kopf riss.

In solchen Momenten ist die Virtual-Reality-Version von Resident Evil das, was ich mir von VR-Spielen stets erhofft habe: die Gelegenheit, etwas zu erleben, das mein Körper in bestimmten Momenten nicht mehr von der Realität unterscheiden kann. So wie der Klettersimulator The Climb Höhenangst auslösen kann oder der Shooter Super Hot den ganzen Körper zum Gegenstand des Spiels macht.

Der VR-Horror ist großartig, aber das Spiel versagt an vielen anderen Stellen

Doch während der VR-Horror in Resident Evil großartig ist, versagt das Spiel an vielen anderen Stellen. Die Story von Biohazard orientiert sich klar an klassischen Slasher-Filmen und gängigen Videospielklischees. Das fängt an bei der übertrieben hübschen, fast minderjährig wirkenden Ehefrau des Protagonisten, die trotz dreijährigem Zeitsprung und jahrelanger Folter nach dem Intro noch immer aussieht, als sei sie eine unbefangene 16-Jährige. Und es geht weiter mit der stereotypen Hillbilly-Kannibalenfamilie, die den Protagonisten verfolgt. Sie erfüllen einerseits die Erwartungen an das Genre, lassen das Spiel aber auch erwartbar und albern wirken – wenn nicht gerade ein Jump-Scare das Adrenalin durch den Körper jagt.

Man merkt leider: Resident Evil 7 Biohazard ist ein Spiel, das ursprünglich nicht für die VR entwickelt wurde. Die Proportionen der Menschen sehen in der virtuellen Realität oft falsch aus, egal ob ich im Stehen oder Sitzen spiele. Ein angreifender Gegner wirkt dann beispielsweise eher wie ein wildgewordenes Kind, nicht wie ein Erwachsener.

Hinzu kommt, dass Biohazard überhaupt nicht an den Spielfluss von VR-Titeln angepasst wurde. Alle Abschnitt fühlen sich einfach zu lang an. Stets bin ich auf der Suche nach dem nächsten Speicherpunkt. Nicht weil ich Angst habe, meinen Spielfortschritt zu verlieren, sondern weil mir vom langen Tragen der VR-Brille bereits schummrig ist.

Aus gutem Grund empfehlen viele Entwickler und Autoren, dass ein Level in einem VR-Spiel oder ein VR-Film maximal 20 bis 30 Minuten in Anspruch nehmen sollte – lieber weniger. Bei Resident Evil 7 Biohazard wird das zum Problem, weil nur an bestimmten Punkten gespeichert werden kann. Es ist mir also unmöglich, die Länge meiner Spiel-Session selbst zu bestimmen. Der Abstand der Speicherpunkte entspricht eher einer Stunde Spielzeit, was definitiv zu lang ist. Auch Spieler, denen VR nicht so schnell zusetzt wie mir, geraten da schnell an ihre Grenzen.

Denn vor allem bei der PlayStation VR ist Übelkeit noch ein echtes Problem. Weil die Brille von Sony verglichen mit anderen Highend-VR-Headsets kein so gutes Headtracking und eine schlechtere Auflösung bietet. Besonders unangenehm bei einem Titel wie dem neuen Resident Evil, in dem Spielerinnen und Spieler wie in einem Egoshooter frei durch die Welt wandern können. Schlecht wird einem meist dann, wenn die Blickrichtung nicht nur durch das Drehen des Kopfes oder Körpers, sondern auch durch den Controller gesteuert werden kann.

Kein Grund, die eigene PlayStation mit einem VR-Headset auszustatten

Man sieht deutlich, dass die Designer von Resident Evil 7 Biohazard erst im Nachgang an VR gedacht haben. Ein Beispiel dafür ist auch, wie die Brille jedes Mal kurz ins Schwarze blendet, wenn ich nach einem Objekt greife. Das Spiel beamt mich dann einfach ein paar Zentimeter näher ran und startet die entsprechende Animation, vermutlich um die Übergänge auch in der VR flüssig zu halten. Gut fühlt es sich jedenfalls nicht an.

Resident Evil 7 Biohazard ließ hoffen, dass es eines der wichtigsten Spiele für die Playstation VR werden könnte. Doch leider kann der Titel den Erwartung nicht gerecht werden. Er ist ein generisches Horror-Spiel, das bestenfalls „ganz okay“ in VR umgesetzt wurde. Deshalb gibt es auch eine Nicht-VR-Version. Es reicht völlig, Resident Evil 7 Biohazard ohne Brille zu spielen.

Resident Evil 7 Biohazard erscheint am 24. Januar und kostet 56,99 Euro für PlayStation 4 und Xbox One. Die PC-Version kostet 43,99 Euro.

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