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Farpoint im Test: Toller VR-Controller für ein mittelmäßiges Spiel

Dominik Schönleben 18.05.2017

Für den Shooter Farpoint bekommt die PlayStation VR einen neuen Controller. Und den braucht die Virtual-Reality-Brille von Sony dringend. Doch während der Aim Controller begeistert, ist das erste Spiel für ihn eine Enttäuschung.

Die Virtual-Reality-Brille von Sony hat ein großes Problem: Ihre Controller können einfach nicht mit denen der HTC Vive oder Oculus Rift mithalten. Der simple Grund dafür ist, dass für die PlayStation VR keine neuen Steuergeräte entwickelt, sondern einfach die Move Controller mit der dazugehörigen Kamera weiterverwendet wurden. Beide kamen bereits 2010 auf den Markt und das macht sich bemerkbar.

Spätestens seit Oculus im Dezember 2016 die wirklich großartigen Touch Controller nachreichte, um das mit der Brille ausgelieferte Xbox-Gamepad abzulösen, fühlen sich die Move Controller endgültig altbacken an. Doch mit Farpoint legt Sony jetzt nach: Der Shooter für die PlayStation VR kommt mit einem eigenen Aim Controller – einer futuristischen Waffe, mit der sich Ballerspiele steuern lassen.

Der Aim Controller liegt gut in der Hand. Auf ihm sind nicht nur alle Knöpfe und Steuerknüppel des herkömmlichen PlayStation-Controllers untergebracht, sie sind auch allesamt gut zu erreichen. Meist lässt sich intuitiv erfühlen, wo ein Button liegt. Das ist besonders wichtig für VR, weil man den Controller mit dem Headset auf dem Kopf nicht sehen kann.

Auch für Menschen ohne Shooter-Erfahrung erfrischend intuitiv

Statt mich von Ort zu Ort zu beamen wie in vielen anderen VR-Spielen, laufe ich in Farpoint wie in einem regulären Ego-Shooter mit dem Steuerknüppel und weiche Schüssen durch Seitwärtsbewegungen aus. Die Richtung, in die ich laufe, wird dabei über die Blickrichtung des Headsets bestimmt. Dabei geht es jedoch nie rückwärts, ich bewege mich durch schlauchartige Level, die mich von einer Gegnerwelle zur nächsten treiben. Das ist gut, denn zuviel Drehen oder Im-Kreis-Laufen lässt in der virtuellen Realität schnell Schwindelgefühle und Übelkeit aufkommen.

Der Spaß bei Farpoint resultiert vor allem aus der Eleganz des Aim Controllers: Ich richte einfach die Waffe auf ein Alien und drücke ab. Weiter entfernte Gegner nehme ich über Kimme und Korn ins Visier. Dabei gibt es keinen digitalen Zoom, der über einen Knopf am Controller aktiviert würde. Stattdessen muss ich wirklich ein Auge zukneifen, die Waffe an die Schulter legen und zielen. Auch für Menschen ohne Shooter-Erfahrung ist das erfrischend intuitiv.

Doch auch der Aim Controller entkommt nicht den allgemeinen Tracking-Problemen der PlayStation VR. Weil der Spielbereich, den die Kamera erfassen kann, sehr eng ist, gerate ich in Schießereien schnell mit der Waffe über die Begrenzung, wodurch meine Bewegungen ins Stocken kommen. Immer wieder wird das blaue Gitter eingeblendet, das mich daran erinnert, dass ich neben meinem Sofa stehe – nicht auf einem fremden Planeten. Vor allem wenn ich den Aim Controller beim Laufen auf den Boden richte, hängt die Waffe im Spiel plötzlich in der Luft. Der Scan-Bereich hört an meiner Hüfte auf. Farpoint bringt die Kamera der PlayStation VR immer wieder an ihre Grenzen.

Doch auch wenn es noch so viel Spaß macht, mit einer scheinbar echten Knarre auf Aliens zu ballern, ist das Tracking nicht das einzige Problem von Farpoint: Die Story des Spiels ist langweilig und uninspiriert. Ich bin der Pilot einer Forschungsmission, bei einem Andockversuch werde ich zusammen mit zwei Kollegen in eine Anomalie hineingezogen. Gemeinsam stürzen wir samt Raumstation auf einem fremden Planeten ab. Dort folge ich den Spuren meiner beiden vermissten Kollegen, die mir immer wieder holographische Nachrichten hinterlassen. So wird in einer Art Videolog nach und nach eine Geschichte erzählt. Im Gegensatz zu mir werden die beiden Kollegen dabei aber anscheinend nicht von den aggressiven Außerirdischen behelligt, die an jeder Ecke lauern.

Die Erzählung ist sehr träge und läuft nur langsam an. Knapp eine halbe Stunde dauert es, bis ich zum ersten Mal auf Aliens ballern darf. Vorher erwarten mich langgezogene Introsequenzen und ewige Wanderungen durch zerklüftete Wüstenlandschaften. Die sind zwar hübsch, aber eben auch wenig aufregend. Immer wieder unterbricht das Spiel auch später die Action mit solchen Lauf- oder Zwischensequenzen.

Der Controller weist den Weg in die VR-Zukunft – das Spiel leider nicht

Doch auch wenn die Action einmal losgeht, bleibt das Spiel wenig überraschend. Farpoint spult die gängige Shooter-Formel ab: Nach und nach werden immer größere Aliens eingeführt, später auch Roboter. Die Gegner orientieren sich dabei an Vorbildern wie den Alien-Filmen oder Starship Troopers: Es gibt kleine spinnenartige Monster, die mir ins Gesicht springen wollen und gigantische Käfer, die als biologische Katapulte mit Säurekugeln auf mich schießen.

Farpoint kann auch ohne Aim Controller gespielt werden. Davon können wir jedoch nur abraten. Wenn das Spiel eine Stärke hat, dann ist es seine innovative Steuerung. Sie zeigt die Möglichkeiten von individuellen VR-Controllern, die das Erlebnis noch realer machen können. Die das Gefühl vermitteln, man sei wirklich im Geschehen statt nur in einem Videospiel. Nicht umsonst wird für die HTC Vive bereits ähnliches entwickelt.

Auf dem Aim Controller sind alle Buttons des herkömmlichen PlayStation-Gamepads untergebracht

Der PlayStation Aim Controller mag uns den Weg in die Zukunft des VR-Gamings weisen, Farpoint ist aber nicht das Spiel in dem wir sie erleben dürfen. Wie bei vielen VR-Titeln steht eher die Technologie im Zentrum des Erlebnisses, nicht das eigentliche Spiel. Das mag notwendig sein, weil VR gerade erst dabei ist, sich zu entwickeln. Schade ist es dennoch.

Wer stationäre VR-Shooter wie Space Pirate Trainer oder Serious Sam VR liebt, wird auch von Farpoint begeistert sein. Mehr als ein bisschen VR-Geballere bietet das Spiel jedoch nicht. Der Aim Controller wiederum ist weit davon entfernt, gescheitert zu sein. Er wartet nur auf ein wirklich gutes Spiel, das ihn zum Glänzen bringt. Zwei weitere Titel, die ihn unterstützen werden, sind bereits angekündigt: Dick Wilde und Rom: Extration. The Brookhaven Experiment wird außerdem am 6. Juni ein entsprechendes Update bekommen. Hoffentlich können wir das Ballern auf der PlayStation VR dann ohne Vorbehalte empfehlen.

Der PlayStation Aim Controller inklusive Farpoint kostet 99,99 Euro.

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