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WIRED empfiehlt: 13 Romane über den Mars, die ihr lesen solltet!

Michael Förtsch 23.02.2018 Lesezeit 10 Min

Der Mars ist fremd, geheimnisvoll und faszinierend. Viele Autoren widmen sich dem roten Planeten und spekulieren, was Menschen dort erwartet, wenn sie – vielleicht schon bald – dort landen. WIRED präsentiert euch 13 Mars-Romane, deren Lektüre sich lohnt.

Der nächste Stopp der Menschheit ist der Mars. Nicht nur für kurze Abstecher, wie bei bisherigen Mondmissionen, sondern dauerhaft: Pioniere wollen dorthin reisen, um zu bleiben und die Menschheit zu einer Spezies zu machen, die mehr als nur einen Planeten besiedelt. Das ist der Plan von SpaceX-Gründer Elon Musk, Boeing-Chef Dennis Muilenburg, der NASA, der chinesischen CNSA und Institutionen wie der Mars Society.

Die Faszination für den kargen Planeten geht weit zurück. Im 19. Jahrhundert wurde er als Bruderplanet der Erde verklärt. Seine Furchen und Rillen wurden als Gewässer und Werke intelligenter Lebewesen gedeutet. Das Marsgesicht befeuerte später Spekulationen über eine untergegangene Zivilisation.

Daher haben sich immer wieder Autoren dem roten Planeten gewidmet. Lange bevor erste Sonden seine Oberfläche fotografieren konnten, träumten Schriftsteller von menschenähnlichen Bewohnern, die uns in Technik und Gesellschaft weit voraus sind. Später ersonnen Schreiber den Mars als Strafkolonie für jene, die ein Leben auf dem blauen Planeten nicht verdienen.

Heute wiederum erdenken Schriftsteller Geschichten, die realistischer scheinen: Nämlich von der Kolonisierung der Einöde, dem Aufbau einer neuen Welt und deren Transformation von der roten Wüste in ein grünes Paradies. Dabei kommen auch die gesellschaftlichen, kulturellen und ethischen Probleme zur Sprache, die der Menschheit begegnen könnten. Nicht nur jene, denen sich die neuen Marsianer stellen müssen, sondern auch die der Hinterbliebenen auf der Erde.

Projekt Morgenröte

Die Besiedlung des Mars hat begonnen, aber findet unter strenger Hand der Behörden statt. Martin Gibson, ein bekannter Science-Fiction-Autor, darf als erster ziviler Passagier die Reise zum roten Planeten antreten. Er erkundet die Kolonien, Forschungsstationen und erfährt vom bizarren Plan, den Mond Phobos in eine neue Sonne zu verwandeln. Denn dadurch könnte der Mars „auftauen“ und zu einer zweiten Erde werden. Arthur C. Clarke schrieb Projekt Morgenröte bereits 1951. Der Roman bietet einen Einblick in den damaligen Wissensstand und was manchen Forschern als realistisch und machbar erschien. Unter anderem wird der Mars nicht als Fels- und Kraterlandschaft, sondern als Dünenplanet beschrieben, auf dem sich ein exotisches Pflanzen- und Tierreich entdecken lässt.

Der Marsianer

Zweifelsohne ist Der Marsianer gerade einer der bekanntesten Mars-Romane. Vielleicht ist er sogar mitverantwortlich für die aktuelle Begeisterung rund um den roten Planeten. Im Buch wird der Astronaut Mark Watney von seiner Crew auf dem Mars zurückgelassen. Ganz alleine muss er überleben, baut in einem Habitat in der Rosterde Kartoffeln an, stellt über die Pathfinder-Sonde Kontakt zur Heimat her und versucht sich mit „Wissenschaft aus der Scheiße zu ziehen.“ Dabei ist das Debutwerk von Andy Weir – mehr noch als die Verfilmung – ein engagiertes und in vielen Details akkurates Mars-Abenteuer. Der Marsianer ist ein Buch, das den Erfindungsgeist und den Entdeckerdrang der Menschheit feiert.

Die drei Stigmata des Palmer Eldritch

Es ist gelungen! Der Mars ist eine Kolonie der Menschheit. Die Arbeit wird dort aber mehrheitlich von Zwangsverpflichteten geleistet. Denn wirklich heimelig ist der Planet nicht. Um die Strapazen zu überstehen, nutzen die Arbeiter eine Droge. Die lässt sie in Wunschwelten gleich einer VR-Simulation eintauchen. Der Industriemagnat Palmer Eldritch verspricht nun eine neue Droge, bei der jeder seine Fantasie selbst erschaffen kann. Dadurch entbrennt ein Konflikt zwischen Eldritch und Leo Bulero, dem Entwickler der ersten VR-Droge. Gegenseitig setzen sie ihre psychoaktiven Substanzen für den Wettstreit ein und geraten in einen Wirbel aus Scheinwelten und vermeintlichen Verschwörungen. Bald ist im Philip-K-Dick-Roman nicht mehr klar, was nun wahr und was eine Rauschvision ist.

The Case for Mars

Der US-Raumfahrtingenieur Robert Zubrin ist ein großer Verfechter von bemannten Missionen. In The Case for Mars legt er seine Mars Direct getauften Pläne dar und wie mit ihnen eine langfristige Kolonisierung des roten Planeten gelingen könnte. Darunter sind Ideen für Untergrund-Habitate, die nach den vor kurzem entdeckten Höhlensystemen wieder aktuell sind. Ebenso breitet Zubrin den Vorschlag aus, die Marsoberfläche mit riesigen Spiegeln zu erwärmen. Dabei lässt er auch die gesundheitlichen und psychischen Risiken für die potentiellen Kolonisten nicht aus. The Case for Mars ist kein Roman, sondern ein ambitionierter Missionsplan, der sich aber über weite Strecken wie ein Science-Fiction-Epos liest.

Der Plus-Mensch

Auf den Mars zu gelangen ist in Der Plus-Mensch kein Wunsch mehr, sondern eine Notwendigkeit. Kriegerische Auseinandersetzungen drängen die Erde an den Rand des Untergangs. Allerdings: Der Mensch ist nicht für die Umgebung und Atmosphäre des vierten Planeten geschaffen. Daher soll ein „Mensch Plus“ konstruiert werden. Roger Torraway soll der erste dieser neuen Gattung sein. Sein gesamter Körper wird ersetzt und sein Hirn modifiziert – er ist nun mehr Maschine als Mensch. Auf dem Mars angekommen, entfremdet er sich zunehmend von seiner Spezies und seiner einstigen Heimatwelt. Mit seinem Roman hinterfragt Autor Frederik Pohl was uns menschlich macht und wie sinn- und identitätsstiftend Spezies oder Nationalität sein kann.

Red-Rising-Trilogie

Seit hunderten Jahren schürfen Kolonisten unter der Marsoberfläche nach Helium-3, um das Terraforming voranzutreiben. Hierbei hat sich ein rigides Kastensystem durchgesetzt. Die Goldenen sind die Herrscherdynastie, die Roten der Pöbel. Darrow ist ein Roter – ebenso wie seine Frau, die für das Singen eines Protestlieds gehängt wird. Darauf wird der junge Arbeiter von einer Widerstandsgruppe angeworben. Sie eröffnet ihm ein Geheimnis: Die Oberfläche des Mars ist schon seit langem bewohnbar – zumindest für die Goldenen. Eben jene Kaste soll der junge Mann infiltrieren, um einen Aufstand vorzubereiten. Pierce Browns Red-Rising-Trilogie ist eine packende Revolutionsgeschichte, die durchspielt, wie eine neu geschaffene Zivilisation schnell entgleisen kann und korrupt wird.

Mars-Trilogie

In seinem Mars-Zyklus beschreibt Kim Stanley Robinson eine Siedlungsmission auf dem roten Planeten. Während The Case for Mars mehr Wissenschaft als Fiktion ist, beschreibt diese Romanreihe das Gegenteil. 100 Kolonisten werden entsandt. Sie sind die Vorhut einer Terraforming-Mission, die den Planeten fruchtbar machen soll. Dabei zeigt Stanley das Unterfangen aus wechselnden Perspektiven und mit seinen psychologischen und kulturellen Hürden. Ebenso spekuliert er über genetisch geschaffene Tiere, die Macht der Erdkonzerne und was nach dem Mars auf uns warten könnte. Die Mars-Romane spannen sich über hunderte Jahre an fiktiver Zeitgeschichte und gestalten sich dadurch als fordernder Lesestoff. Der Leser wird aber mit einer gleichsam fantasievollen Vision belohnt.

Fremder in einer fremden Welt

Es kann auch andersherum kommen. In Fremder in einer fremden Welt geht die erste große Mars-Mission gehörig schief. Alle Siedler werden für tot gehalten. Erst 25 Jahre später gelingt ein neuer Anlauf. Erschreckt stellen die Astronauten bei der Ankunft fest, dass mit Valentine Smith ein nun erwachsenes Kind doch überlebt hatte. Aufgezogen wurde der junge Mann von Marsianern. Als Valentine zur Erde zurückkehrt, erwartet ihn ein Kulturschock – und eine Reihe von Enttäuschungen. Aber: Er will seine Heimat kennenlernen und verändern. Robert A. Heinlein verarbeitet in dem 1961 sehr kontrovers aufgenommenen Romanwerk die menschliche Kultur, Gesellschaft, Geschlechter und Religion. Aber vor allem wie befremdlich viele dieser vermeintlichen Selbstverständlichkeiten auf einen Außenstehenden wirken könnten.

Auf zwei Planeten

Vor über 120 Jahren hat Kurd Laßwitz Auf zwei Planeten verfasst. In seiner anachronistischen Zukunftsvision stoßen Forscher am Nordpol auf eine Station der Marsianer, die von der Erde fasziniert sind. Sie nehmen Kontakt mit den friedfertigen Wesen auf, die daraufhin Botschafter in alle Nationen schicken und ein Kooperationsabkommen abschließen wollen. Aber nicht alle Länder sind bereit, sich auf die Bedingungen der extraterrestrischen Fremdlinge einzulassen, die technisch weit überlegen sind. Die Nationen zerstreiten sich und es kommt zum Krieg. Die frustrierten Marsmenschen sehen nur eine Möglichkeit: Sie nutzen ihre unzerstörbaren Flugschiffe, um die Welt unter ihre Kontrolle zu bringen, um Frieden zu schaffen.

Ilium

Der terraformierte Mars ist in Dan Simmons zweibändigem Ilium-Zyklus die Heimat der griechischen Götter – oder zumindest von Wesen, die sich als eben jene verstehen. Die haben weit in der Zukunft den Historiker Thomas Hockenberry wiederbelebt, um die Schlacht von Troja nachzuvollziehen. Währenddessen hadert eine Rasse von intelligenten Robotern mit dem Sinn ihres Daseins – bis sie auf ein Quantenphänomen im Zentrum des Mars aufmerksam werden. Die Menschheit ist zu dieser Zeit schon vollkommen degeneriert, hat jeglichen Antrieb verloren und ergibt sich dem totalen Müßiggang. Ilium ist ein wuchtiges und verworrenes Epos, das viel Geduld und Aufmerksamkeit fordert. Denn es nutzt den Mars als Ausgangspunkt, um über den Sinn des Lebens, Raum und Zeit sowie die technologische Evolution zu philosophieren.

Mars Girls

Die Eroberung des Mars wird ein Abenteuer und das Leben auf dem roten Planeten ein Kampf. So sieht es jedenfalls die junge Nanoannie, die dort ihre Kindheit verbringt, aufwächst und sich nach all dem sehnt, was die Erde zu bieten hat. Statt einem echten Haustier hat sie nämlich nur eine Holo-Katze. Feiern und Freunde treffen geht oft nur virtuell über das Mars-Net. Als sie von ihrer Online-Bekanntschaft Kapera um Hilfe gebeten wird, zögert sie daher nicht lange. Die Mädchen stolpern über einen Mord und eine Verschwörung, die den öden Planeten plötzlich beinahe zu aufregend machen. Mary Turzillos Mars Girls richtet sich eigentlich an junge Leser. Dabei adressiert der Roman jedoch durchaus clevere das Aufwachsen jenseits der Erde und zeichnet eine plausible Skizze der Sozialstrukturen, die sich auf dem Mars bilden könnten.

Mission Ares

Was wäre, wenn John F. Kennedy 1963 den Anschlag überlebt hätte? In Mission Ares – dem Auftakt der NASA-Trilogie wäre die Menschheit dann nicht zum Mond, sondern 1985 gleich zu Mars gestartet. Stephen Baxter verarbeitet das epochale Unterfangen nicht als einfache Science-Fiction-Geschichte, sondern beschreibt die Planung und Durchführung der hypothetischen Mars-Mission detailverliebt durch die Augen der Techniker und Astronauten. Er stützt sich auf die Technologien dieser Zeit und reale Konzepte wie das NERVA-Programm, das die NASA einst verfolgte. Dazu spielt er ebenfalls durch, welche Folgen ein Projekt wie Ares auf unser Wissen über den Kosmos gehabt hätte. Denn das Space Shuttle und die Sonden Mariner 10 und Pioneer 10 hätte es in der alternativen Zeitlinie nicht geben.

Das Marsprojekt

Die Menschheit hat ihn mit Sonden erforscht und Rover durch die Steinwüsten geschickt. Dennoch hält der Mars in Andreas Eschbachs fünfbändigen Marsprojekt-Zyklus noch Überraschungen bereit. 2086, ganze 30 Jahre nach Beginn der Kolonisierung, stoßen Siedler plötzlich auf blaue Türme in der rostroten Wüste – mysteriöse Artefakte einer außerirdischen Zivilisation. War zuvor vom Aufgeben der Kolonie die Rede, wird sie plötzlich gefördert und ausgebaut. Wissenschaftler reisen auf den Mars, um die Türme zu untersuchen und stoßen bald auf weitere Strukturen. Dabei kommen die vier Kinder Ariana, Ronny, Carl und Elinn den Forschern bei der Entschlüsselung zuvor. Sie stellen dabei letztlich die Geschichte der Menschheit und ihren Platz im Universum in Frage.