/Science

So sehen die Mars-Pläne von Elon Musk aus

Michael Förtsch 16.10.2017

Der SpaceX-Gründer Elon Musk hat sich auf Reddit einer Frage-Antwort-Runde zu seinen Raketen- und Mars-Plänen gestellt. Dabei verriet der Milliardär, wie er Menschen auf den roten Planeten locken will und wie es dort mit der Internet-Anbindung aussieht.

Ende September hatte Elon Musk auf dem International Astronautical Congress eine beeindruckende Präsentation abgehalten. Er hat dort SpaceX' Zukunftspläne enthüllt – nämlich ein großes Update des Interplanetary Transport System, das er 2016 vorgestellt hatte. Alles soll sich bei SpaceX in den kommenden Jahren auf die BFR – Big Fucking Rocket – konzentrieren. Das riesige Raketenraumschiff soll Menschen in knapp einer halben Stunde an jeden Ort der Erde bringen aber ebenso Langstreckenreisen zum Mars ermöglichen. Am Samstag hatte sich Elon Musk auf Reddit einem „Ask Me Anything“ (AMA) zu seinen Plänen gestellt – einer Frage-Antwort-Runde, wie sie auch schon Edward Snowden und Barack Obama absolviert haben.

Elon Musk enthüllte unter anderem, dass SpaceX mehrere Satelliten zum Mars schicken will, bevor die ersten Menschen ihren Fuß auf den roten Planeten setzen. Die sollen den Himmelskörper umkreisen und ein einfaches Kommunikationsnetz initialisieren. In Anbetracht des ambitionierten Zeitplans wäre das schon in den nächsten Jahren der Fall. Anschließend gehe es darum, „eine grundlegende Infrastruktur“ aufzubauen und sicherzustellen, dass in der rauen Umgebung überhaupt ein Überleben möglich wird. „Eine grobe Analogie wäre, dass wir versuchen, das Äquivalent zur transkontinentalen Eisenbahn zu schaffen“, schreibt Musk. Damit sollen andere Unternehmen und nicht zuletzt Millionen Menschen auf den Mars gelockt werden.

Als Landepunkt für seine Marsmission wolle Elon Musk einen Ort nahe dem Äquator, da „es besser für die Produktion von Solarstrom ist und man sich dort nicht den Arsch abfriert.“ Andere wichtige Faktoren wären die relative Höhe des Gebietes und damit die Möglichkeit, die Rakete während des Landeanfluges genügend abzubremsen. Auch sollten nicht allzu viele Felsbrocken herumliegen. Einige mögliche Regionen hatte das Unternehmen bereits ausgeforscht. Auf die Frage, ob eine Tunnelbohrmaschine in die BFR passe und er auf dem Mars ein Untergrundnetz plane, antwortete Musk lediglich mit „mehr bohren!“

Auch auf eine Theorie eines Reddit-Nutzers, wie auf dem Mars das Internet genutzt werden könnte, ging Musk gerne ein – nachdem er ihn zunächst einen „Nerd“ nannte. Dem SpaceX-Gründer zufolge, müsste der Internetdatenstrom wohl ziemlich entschlackt werden. Ein „UDP-ähnlicher Feed mit extremer Kompression“ würde wohl funktionieren, schlägt er vor. „Erde und Mars liegen bei maximaler Distanz 22 Lichtminuten auseinander“, sagt Musk. „Drei Lichtminuten bei nächster Annäherung. Also könntest du wohl Snapchat nutzen, denke ich.“ Jedoch sei das Internet nicht SpaceX' dringlichstes Problem – darum könnten sich andere kümmern. „Wenn jemand eine Breitbandverbindung zum Mars bauen will“, schreibt der Unternehmer. „Bitte, mach das.“

Viele Reddit-Nutzer hatten auch sehr technische Fragen bezüglich der Raketentechnologie von SpaceX. Dabei ging es unter anderem um die Position der Hitzeschilde und Flügel oder um die Schubkraft der Raptor-Raketentriebwerke. Letztere wurde, wie Musk bestätigte, von 300 auf 170 Tonnen reduziert, da die BFR weniger auf die Wage bringe, als einst geplant. Was die gefährliche kosmische Strahlung angeht, sagt Musk, dass diese „für unsere Transitzeiten nicht signifikant“ wäre. Dennoch würde das Schiff mit einer Schutzkammer für den Fall eines Sonnensturms ausgestattet, die aber nur einen kleinen Teil des Transportraums ausmachen würde.

Eine weitere große Frage war, wann die BFR ihren Jungernflug absolvieren wird. Denn schließlich hatte Musk bei seinem Vortrag ein ehrgeiziges Tempo angegeben. Ein Datum für den ersten Start mag Musk aber indes noch nicht nennen. Jedoch versprach er, dass mit einem Prototyp im Ein-zu-Eins-Format wohl schon bald „kleine Hopser von ein paar hundert Kilometern“ durchgeführt würden. Dann könnten Bahnflüge folgen. Bereits 2022 sollen dann zwei unbemannte BFR zum roten Planeten aufbrechen. Zwei Jahre darauf würden nach derzeitigen Plänen bemannte Raketen losgeschickt, die die Basis für die geplante Mars-Kolonie bilden sollen.