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Muss Travis Kalanick den Uber-Chefsessel räumen?

Elisabeth Oberndorfer 12.06.2017

Die Krisen der vergangenen Monate haben bei Uber bereits zu zahlreichen Entlassungen geführt. Jetzt will der Verwaltungsrat sogar den Gründer und CEO des Ridesharing-Dienstes, Travis Kalanick, vorübergehend freistellen und das Management neu aufstellen.

Bei Uber wird es in den kommenden Tagen voraussichtlich Umstrukturierungen im Management geben. Schon vergangene Woche hatte ein Ermittlungsbericht zu Vorwürfen der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz klare Konsequenzen, mehr als 20 Mitarbeiter mussten gehen. Nachdem das Startup selbst bereits erste Maßnahmen getroffen hat, schaltet sich jetzt auch der Verwaltungsrat ein. Am Sonntag diskutierten die Mitglieder sieben Stunden lang die Ergebnisse der internen Ermittlungen, am Dienstag wollen sie ihre Empfehlungen den Mitarbeitern präsentieren.

Und diese könnten Gründer und CEO Travis Kalanick direkt treffen. Mehrere Medien berichteten am Wochenende unter Berufung auf Insider, dass der Verwaltungsrat den 40-Jährigen zumindest vorübergehend freistellen will. Nach einer Pause könnten außerdem seine Kompetenzen als CEO reduziert werden.  Kritik an Kalanicks Führungsstil gab es nicht nur wegen der Unternehmenskultur, die laut Mitarbeitern sexistisch sein soll. Mit einem Video, in dem er mit einem Uber-Fahrer stritt, zeigte Kalanick selbst sich von einer unprofessionellen Seite, wofür er sich später entschuldigte. Damals verlangte der Vorstand bereits, dass der CEO künftig von einem COO unterstützt wird.

Die Suche nach einer Nummer zwei ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Kalanick selbst sagte in den vergangenen Monaten mehrere öffentliche Auftritte kurzfristig ab, neben den Sexismus-Vorwürfen sorgten auch Berichte über Spionagesoftware für Negativschlagzeilen. Hinzu kam Kritik von der Stadt Pittsburgh an den Tests mit selbstfahrenden Taxis. Uber habe der Stadt mehr Kooperation und Vorteile versprochen, heißt es.

Vergangene Woche sickerte außerdem durch, dass sich ein Uber-Manager die Krankenakte einer Frau beschafft hatte, die in Indien von einem Uber-Fahrer vergewaltigt worden war – und diese auch der Geschäftsführung zeigte. Kritiker sagen, dass Kalanick die Akte nie hätte annehmen dürfen und den Mitarbeiter sofort hätte entlassen müssen. Der Manager, der sich die Daten besorgte, weil er anzweifelte, dass ein Uber-Fahrer hinter der Tat steckt, wurde vor einigen Tagen entlassen. Ein weiterer Hinweis auf die Macho-Kultur bei Uber ist indes eine interne E-Mail von Kalanick, in der er erklärte, wann Sex unter Kollegen beim Firmenausflug in Ordnung ist.

Unterstützung in Führungsfragen hat der Gründer des Ridesharing-Dienstes sich mittlerweile ins Unternehmen geholt. Frances Frei, zuvor Professorin an der Harvard Business School, ist Ubers neue Senior Vice President für Strategie und Leadership. Von Apple warb Uber außerdem die Apple-Music-Chefin Bozoma Saint John ab, sie soll in der neu geschaffenen Position des Chief Brand Officers das Image des Startups wieder aufwerten.

Neben der Pause für Kalanick soll der Verwaltungsrat außerdem auf einen Rücktritt von Chief Business Officer Emil Michael drängen. Er war ebenfalls in den Skandal um die Krankenakte verwickelt, sein Ausstieg soll noch am Montag bekanntgegeben werden. Im Rahmen des Management-Wechsels will der Verwaltungsrat offenbar ein Führungskommittee zusammenstellen.

Rauswerfen kann Uber seinen Gründer Kalanick indes nicht. Denn obwohl er nur einen geringen Anteil am Unternehmen hält, behält er mit seinen Stimmrechten die Kontrolle über das Startup. Immerhin zeigte sich Kalanick im Februar selbstkritisch und teilte seinen Mitarbeitern in einer Entschuldigung mit, dass er „erwachsen werden“ müsse.

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