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Die vielen Baustellen von Elon Musk: Tesla, Boring Company, Hyperloop, SpaceX

Frank Schmiechen / Gründerszene 03.10.2018 Lesezeit 8 Min

Trotz des Wahnsinns um die Person Musk wird in seinen Firmen fleißig gearbeitet. Wir haben zusammengetragen, was bei SpaceX, Tesla, Boring Company und Hyperloop geht.

Jetzt hat es ihn erwischt. Der große Chor der „Das-haben-wir-schon-immer-gewusst“-Sager tritt auf. Elon Musk kommt vor lauter Problemen und Dauerpower nicht richtig in den Schlaf – und kifft vor der Kamera. Jetzt musste er sogar als Präsident der eigenen Firma zurücktreten. An diesem Mann zeigt sich, was es bedeutet, Visionen zu haben. Musk ist mit ganzem Einsatz dabei und nicht ganz normal. Genau das ist seine große Stärke.

Kreativität und große Ideen sind nicht in Excel-Tabellen festzuhalten. Der Humor seiner The Boring Company passt in keine Keynote-Präsentation. Zwischen bekifftem Irrsinn und revolutionären Ideen ist bei dem Mann alles möglich. Wir verfolgen die Aktivitäten des Milliardärs wie eine spannende Netflix-Serie. Die wird wahrscheinlich sowieso gerade nebenbei gedreht. Bei Musks verschiedenen Aktivitäten ist es schwer, den Überblick zu behalten. Vielleicht hilft unser kleiner Überblick:

The Boring Company

Ende 2016 wurde erstmals The Boring Company erwähnt. Klingt wie ein Partywitz. Und das war es wohl auch. Im Jahr 2017 schaffte das Unternehmen eine Tunnelbohrmaschine an und grub damit einen Tunnel unter dem Gelände von SpaceX. So soll ein neuartiges unterirdisches Verkehrssystem entstehen. Autos sollen auf Transportwagen zu ihrem Ziel gebracht werden.

Der Transportwagen wurde im Mai vergangenen Jahres in der Hyperloop-Teströhre von SpaceX zum ersten Mal getestet. Außerdem wurde der erste Fahrstuhl, der die Autos unter die Erde bringen soll, in Betrieb genommen. Im August 2018 genehmigte der Gemeinderat von Hawthorne in Kalifornien den Bau eines Tunnels unter dem Stadtgebiet, berichtet die Wochenzeitung The Beach Reporter. Außerdem plant The Boring Company eine Garage, die durch einen Aufzug mit dem Tunnelsystem in Hawthorne verbunden sein soll.

The Boring Company hat ein Projekt in Los Angeles vorgeschlagen, das Baseballfans und Konzertbesucher direkt aus entfernten Vierteln der Stadt in das Dodger Stadium transportiert. Der Sinn für Humor, für den The Boring Company bekannt ist, wird von Kritikern des Dugout Loops allerdings nicht geteilt. Sie warfen dem Projekt mangelnde Übersichtlichkeit vor. Musk räumte inzwischen zwar ein, dass das Tunnelprojekt nicht erfolgreich sein könnte, betonte jedoch, dass es wichtig sei, eine Alternative für die verstopften Straßen in Los Angeles zu suchen.

The Boring Company wurde von der Chicago Infrastructure Trust angesprochen, um über das Design, den Bau und die Finanzierung des öffentlichen Transportes zum O’Hare Airport zu verhandeln. Der Chicago Express Loop soll schnellen und einfachen Transport zwischen dem Flughafen und der Innenstadt von Chicago gewährleisten. The Boring Company hat außerdem ein Projekt an der Ostküste der USA zwischen Washington DC und Maryland vorgeschlagen.

Und selbst Flammenwerfer wollte The Boring Company verkaufen. Und wie es aussieht, hat das wohl geklappt. Im Dezember 2017 hatte Musk gescherzt: Wenn ihm der Verkauf von 50.000 Baseball-Mützen der Boring Company gelinge, wolle er mit Flammenwerfern weitermachen. Wenig später alberte er in einem Instagram-Video damit herum. 500 Dollar wollte Musk für einen Flammenwerfer haben. Auf der Website heißt es, man hätte 20.000 Stück davon verkauft. Um den Irrsinn auf die Spitze zu treiben, wurden später auch noch Feuerlöscher angeboten.

Tesla

Die wichtigste Ankündigung: Ab 2019 sollen die ersten europäischen Vorbesteller ihren Model 3 ausgeliefert bekommen. Es sieht so aus, als ob dieses Ziel tatsächlich eingehalten werden kann. So sehen es jedenfalls Kenner der Szene. Ein Hinweis: Bei der US-Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit hat der Elektroautobauer sieben neue Fahrzeugidentifizierungsnummern für europäische Model 3-Varianten registrieren lassen, berichtet das Branchenportal Electrek.

Aus der Registrierung schließen Beobachter, dass sich Tesla mit seiner Zielvorgabe für den europäischen Markt im Zeitplan befindet. In den USA hat die Auslieferung zwar schon begonnen, aber es wurden längst noch nicht alle Vorbestellungen ausgeliefert. Musk sagt dazu: „Entschuldigung, wir sind von der Produktionshölle in die Auslieferungslogistik-Hölle gekommen.“ Zur Hölle!

Auch bei der Batterie-Produktion gibt es weiter Schwierigkeiten. Vor allem, weil die eigene Gigafactory zu wenig Batterien liefert. Panasonic, das an der Fabrik beteiligt ist, sagte jetzt aber zu, noch vor dem ursprünglich anvisierten Termin Ende des Jahres drei weitere Produktionslinien für die Batteriezellen in Betrieb zu nehmen.

Die nackten Zahlen der fertigen Autos sehen so aus: Im zweiten Quartal hat Tesla 53.339 Elektroautos gebaut und davon 40.740 Fahrzeuge ausgeliefert. Das Model 3 nimmt dabei einen immer größeren Anteil ein. Laut Musk sei Tesla dabei, mehr als doppelt so viele Autos zu bauen und auszuliefern als im Vorquartal. Irgendwann im Jahr 2019 könne auch das Ziel von 10.000 Fahrzeugen pro Woche erreicht werden. Das sollte eigentlich schon dieses Jahr passieren.

Um die Produktion zu beschleunigen hat sich Tesla von zwei von sieben Farbvarianten verabschiedet. „Obsidian-Schwarz und Metallic-Silber werden auf Sonderwunsch weiterhin erhältlich sein, allerdings zu einem höheren Preis“, schrieb Musk auf Twitter. Die Einschränkung der Farbauswahl gilt für alle Modelle.

Hyperloop

Dazu meldet die deutsche Wochenzeitung Die Zeit gleich mal Bedenken an: „Euphorie vernebelt bisweilen die Sinne. Den Blick auf das wirklich Machbare. Das scheint beim Hype um den Hyperloop der Fall zu sein, also um die von Elon Musk im Sommer 2013 skizzierte Idee, kleine Kapseln – Pods genannt – mit rund 1.200 km/h durch Röhren mit Unterdruck schießen zu lassen.“

Ok. Das ist für deutschen Pragmatismus vielleicht doch eine Stufe zu weit gedacht. Hyperloop ist ein futuristisches Transportkonzept, das ursprünglich von Elon Musk entwickelt und dann für andere zur Realisierung freigegeben wurde. Musk selbst konnte sich dem Projekt aus Zeitmangel nicht widmen. Mehrere Unternehmen arbeiten nun daran, während SpaceX die Entwicklung der Kapseln begleitet.

Spanien: 480 Menschen wohnen in Bobadilla in der spanischen Provinz Málaga. Gleich neben dem 130 Jahre alten Bahnhof plant das kalifornische Start-up Virgin Hyperloop One ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für seine Überschallröhrenzüge. Auf 19.000 Quadratmetern sollen ab 2020 bis zu 300 Mitarbeiter in Bobadilla an neuen Technologien und Komponenten für den Hyperloop forschen.

Rund 500 Millionen Euro will das Start-up des Selfmade-Milliardärs Richard Branson in den Bau des neuen Zentrums investieren. Im Gegenzug erhält Virgin Hyperloop One von der spanischen Regierung Darlehen und Zuschüsse in Höhe von 126 Millionen Euro.

Indien: Mitte der 2020er-Jahre soll der Hyperloop die Stadtzentren der beiden indischen Orte Vijaywada und Amaravati miteinander verbinden. Mit dem Auto dauert die Fahrt rund eine Stunde. Für die etwa 43 Kilometer bräuchte eine Hyperloop-Kapsel lediglich einen kurzen Augenblick.

Die Deutsche Bahn: Um Hyperloop nach Europa zu bringen, wurden mehrere Investitionspartner ins Boot geholt. Darunter auch die Deutsche Bahn. Dazu kommt die Forschungsgemeinschaft InnoEnergy, die zum Europäischen Institut für Innovation und Technologie gehört, und zusammen mit mehreren Partnern insgesamt 5 Millionen Euro in das Hyperloop-Projekt investiert. Unter den Partnern befindet sich der Automobilzulieferer Continental.

Studenten: Auch den dritten Hyperloop-Wettbewerb haben Studenten der TU München mit der schnellsten Kapsel gewonnen. Nach 324 Kilometern pro Stunde im Vorjahr erreichte die Kapsel des Teams der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt 467 km/h. Ausrichter war Musks Firma SpaceX, obwohl sich das Unternehmen nicht an der Entwicklung des Hyperloops beteiligt.

Space X

Seit zehn Jahren fliegen die Raketen von Space X. Musk hat damit die Raumfahrtbranche revolutioniert. Denn seine Firma setzt im Gegensatz zur Ariane auf Wiederverwertbarkeit der Raketen. So ist es ihm möglich, günstigere Preise für den Transport von Nutzlasten in den Orbit anzubieten.

Im abgelaufenen Jahr absolvierte das US-Unternehmen mit der Falcon 9, die vertikal landen kann, 18 Flüge. Arianespace kam nur auf 11 Abschüsse. Experten sehen einen Wendepunkt in der kommerziellen Raumfahrt. Vor einigen Tagen wurden die Zeichnung eines „BFR“-Raumschiffs präsentiert: In fünf Jahren will man damit Reisen zu Mond und Mars möglich machen.

Der erste Passagier steht auch seit einigen Tagen fest. Yusaku Maezawa ist ein japanischer Kunstsammler und Milliardär, der sein Vermögen während der Zeit der Dotcom-Blase durch die Gründung der Modeplattform Zozo im Jahr 1998 gemacht hat. Maezawa: „Endlich kann ich Ihnen mitteilen: Ich habe mich entschlossen, zum Mond zu fliegen“. Maezawa will nicht allein zum Mond fliegen. Er hat gleich sechs Sitze im BFS gebucht. Für sein Projekt Dear Moon will er sechs bis acht Künstler aus aller Welt zu dieser Reise einladen. Sie sollen diese Erfahrung in Kunstwerke umsetzen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene
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