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Eine superdünne Spezialfolie könnte Klimaanlagen überflüssig machen

Benedikt Plass-Fleßenkämper 14.02.2017

Wissenschaftler haben eine hauchdünne Kunststoff-Folie entwickelt, die Sonnenlicht extrem effektiv reflektiert und Gebäude ohne Energieaufwand stark kühlt. Die Erfindung könnte Klimaanlagen eines Tages überflüssig machen – sofern noch einige Probleme aus dem Weg geräumt werden.

Er sieht aus wie Klarsichtfolie, ist nur 50 Mikrometer dünn und besitzt erstaunliche Eigenschaften: der neue Superkunststoff eines Forscherteams der University of Colorado. Die genaue Funktionsweise ihrer speziellen Polymer-Folie erklären die US-Wissenschaftler im Fachmagazin Science, man muss aber kein Experte sein, um zu verstehen, wie bedeutend die Erfindung sein könnte.

Die hauchdünne Folie basiert auf dem Kunststoff Polymethylpenten, der schon seit den 1950er Jahren bekannt ist und seit einigen Jahrzehnten industriell gefertigt wird. Das Team um Xiaobo Yin und Ronggui Yang erweiterten ihn um einige neue Zutaten: Sie betteten in das durchsichtige Polymer winzige Glasperlen ein und brachten auf der Rückseite eine dünne Schicht Silber auf. Wie die Forscher in der Sonora-Wüste in Arizona ermittelten, wird hierdurch das Sonnenlichts zu 96 Prozent reflektiert.

Diese Forscher haben eine durchsichtige Folie entwickelt, die weltweite Energieprobleme lösen könnte

Trägt man die Folie auf Häuser auf, werden diese automatisch gekühlt – ganz ohne Energieaufwand. „Schon zehn bis 20 Quadratmeter des Materials auf dem Hausdach können ein Einfamilienhaus im Sommer angenehm abkühlen“, sagt Gang Tan, Mitherausgeber der Studie. Bei 37 Grad Außentemperatur ließen sich im Inneren Temperaturen von 20 Grad erreichen. Allerdings nur, wenn die Folie mit einem System von zirkulierendem Kühlwasser kombiniert wird.

Bis die passive Kühlfolie auf breiter Basis eingesetzt werden kann, wird es aber noch etwas dauern. Yin und sein Team haben immerhin schon ein Patent angemeldet, um die kommerzielle Nutzung zu erforschen. Unter anderem wollen sie dieses Jahr einen 200 Quadratmeter großen Cooling-Farm-Prototypen in Boulder testen. Damit können sie vielleicht Lösungen für die schon bekannten Nachteile ihrer Erfindung eruieren.

Denn Staub und Schmutz reduzieren die Kühlwirkung der Folie. Und genau diese Art der Verschmutzung kommt in trockenen Gegenden, wo der Klimaanlagen-Ersatz zum Einsatz kommen könnte, häufig vor. Eine Reinigung mit Wasser ist aufgrund des Mangels in solchen Regionen eine eher schlechte Option.

Ob und wie der Superkunststoff Marktreife erlangen wird, ist somit noch unklar. Er ist in jedem Fall eine der interessantesten potenziellen Lösungen, um die vom Klimawandel verursachten und in Zukunft weiter wachsenden Probleme lösen zu können.

In der Vergangenheit haben Forscher und Designer schon nach anderen Wegen gesucht, dem Klimawandel und den steigenden Temperaturen entgegenzutreten. Unter anderem mit fünfeckigen Backsteinen, kühlenden Tischen oder speziellen Baumaterialien, die die Luft reinigen können.

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