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Neue Technik: Apple fährt autonomer als gedacht

WIRED Staff 11.12.2017

Erstmals hat Apple gezeigt, wie weit das Unternehmen in Sachen autonomes Fahren bereits gekommen ist. Die Technik zeigt beeindruckende Fähigkeiten der Bilderkennung vor allem unter schlechten Bedingungen. Die für den Konzern ungewöhnliche Offenheit könnte der Versuch sein, talentierte Entwickler anzulocken.

Auf einem Workshop präsentierte Apples KI-Chef Ruslan Salakhutdinov am Freitag die Fortschritte seiner Entwicklerteams: Dazu gehörten bereits aus Veröffentlichungen bekannte Algorithmen, die in 3D-Punktewolken Fußgänger und Fahrzeuge identifizieren können, aber auch neue Kamera-Bilderkennungssoftware. Diese soll Autos und Fußgänger erkennen, verfolgen und deren Bewegungen vorhersagen können — selbst, wenn es Störungen im Bild wie etwa Wassertropfen auf der Kameralinse gibt. Die Technologie nennt sich Visual Simultaneous Location and Mapping (SLAM), und wäre laut Medienberichten auch für Augmented Reality jenseits selbstfahrender Autos geeignet.

Apples zunächst streng geheimes Automobilprojekt mit dem Codenamen Titan war lange Zeit Gegenstand von Spekulationen gewesen. Zunächst hatte der Konzern scheinbar vor, ein eigenes Fahrzeug zu entwickeln und mit klassischen Autoherstellern zu konkurrieren. Inzwischen ist Apple allerdings dazu übergegangen, Hardware und Software zu entwickeln, mit der andere Hersteller ihre Fahrzeuge autonom machen können. Aktuelles Ziel ist zudem ein autonomes Shuttle für Firmenangestellte.

Dass Apple im Bereich der KI-Entwicklung für autonomes Fahren für seine Verhältnisse ungewöhnlich offen ist, dürfte mit dem Kampf um talentierte Entwickler auf diesem Gebiet zusammenhängen: Google, Facebook und andere Konkurrenten waren bei Projekten in der Entwicklungsphase in der Vergangenheit deutlich offener als Apple. Das erlaubt den involvierten Forschern, sich durch Publikationen und öffentliche Vorträge zu profilieren und mit anderen Entwicklern auszutauschen. Apples KI-Direktor Salakhutdinov, der seit 2016 beim Konzern ist, hält noch immer eine Professur an der Carnegie Mellon University — und scheint jetzt die Freigabe bekommen zu haben, Ergebnisse mit der Welt zu teilen.