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Cambridge Analytica: Kein Wort von Mark Zuckerberg

WIRED Staff 21.03.2018 Lesezeit 3 Min

Der Datenskandal um Facebook und Cambrigde Analytica zieht weite Kreise: Nachdem das Datenauswertungsunternehmen seinen CEO nun gefeuert hat, werden immer mehr Stimmen laut, die fragen, warum Facebook-Chef Mark Zuckerberg sich nicht äußert. Das Soziale Netzwerk hat unterdessen eine Privatfirma mit einer Durchsuchung der Server von Cambridge Analytica beauftragt.

Es gibt erste Reaktionen auf den Skandal um Facebook und die Analysefirma Cambridge Analytica: Alexander Nix, der auf dem Enthüllungsvideo vorgeführte CEO, wurde laut Cambridge Analytica bis zur vollständigen Untersuchung der Vorfälle von allen Aufgaben entbunden. Facebook hat derweil laut der Financial Times eine Forensikfirma zur Auswertung der Server von Cambridge Analytica angeheuert — zum Missfallen der britischen Ermittler. Die hatten erst nach Facebook Zugang zu den Computern des Unternehmens und sagen, dass deshalb die Ermittlungen kompromittiert wären.

Cambridge Analytica hatte sich damit gebrüstet, erheblichen Anteil an Donald Trumps Sieg bei den Präsidentschaftswahlen gehabt zu haben. Die Verwendung illegaler Datensätze von Millionen von US-Bürgern könnte allerdings auch Facebook schwer treffen: Der Konzern hat in kurzer Zeit mehr als 50 Milliarden Dollar an Wert verloren und die potenzielle Strafzahlung für den Datenmissbrauch liegt bei über 1,3 Billionen Euro. Mehr als der Gesamtwert des Unternehmens. Mark Zuckerberg ist seit dem Skandal untergetaucht und hat sich bislang nicht zu den Vorkommnissen geäußert. Das sorgte auch unter Facebook-Mitarbeitern für Unmut.

Nachdem der Missbrauch von rund 50 Millionen Sätzen von Nutzerdaten durch Cambridge Analytica bekannt wurde, hatte das Soziale Netzwerk seinen ehemaligen Partner zunächst ausgesperrt. Das Soziale Netzwerk beteuert, es habe kein Datenleck gegeben, da die Nutzerdaten regulär an Cambridge Analytica gegangen seien, dort aber illegalerweise behalten wurden. Dies ist laut vielen Beobachtern ein noch größeres Problem, da es bedeutet, dass es kein Unfall, sondern Teil von Facebooks Geschäftsmodell war.

Aleksandr Kogan, der für die Weitergabe der Daten verantwortliche Forscher der Cambridge University, sieht sich selbst als Bauernopfer. Er sagte gegenüber der BBC, dass er dachte, er hätte etwas völlig normales getan. Er sei nicht auf Cambridge Analytica zugegangen, sondern das Unternehmen hätte ihn erst auf die Idee gebracht: „Sie haben mir den rechtlichen Rat gegeben, dass alles in Ordnung sei.“ Kogan gesteht jedoch ein, dass er selbst trotz dieser Zusicherung die Aktion ethisch in Frage stellen hätte sollen.

Mittlerweile ist Mark Zuckerberg nicht nur vom britischen Parlament vorgeladen worden, sondern auch von der EU. Laut Zeit Online will Präsident Antonio Tajani den CEO von Facebook öffentlich befragen. Er müsse „vor den Vertretern von 500 Millionen Europäern klarstellen, dass persönliche Daten nicht dazu benutzt werden, um Demokratie zu manipulieren“, schrieb Tajani auf Twitter. Geäußert zu dem Fall hat Zuckerberg selbst sich noch nicht. Weder über seinen eigenen Facebook-Account noch über eine Pressemitteilung.