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Test: Google Home ist ein Zaubertrick, der schnell alt wird

Dominik Schönleben 10.08.2017

Nach Amazon hat auch Google seinen persönlichen Sprachassistenten als Lautsprecher nach Deutschland gebracht. Google Home ist anfangs beeindruckend. Aber schnell verfliegt die erste Faszination. Der smarte Assistent ist dümmer, als er sich gibt.

Persönliche Sprachassistenten ähneln momentan noch einem Zaubertrick – sie fühlen sich nach Magie an, in Wahrheit handelt es sich aber nur einen Trick. Wenn der aber nicht recht funktioniert, kommt schnell die große Enttäuschung beim Publikum. Der Moment des Staunens, der magische Moment, ist augenblicklich verflogen.

Genauso verhält es sich mit Google Home. Der in einen Lautsprecher integrierte, namenlose Assistent von Google spielt per Sprachbefehl Musik ab, beantwortet Fragen zum Wetter oder schaltet das Licht aus, wenn man die richtigen Glühbirnen gekauft hat. Diese Momente erfüllen einen mit fast kindlicher Freude, die Magie hat einen dann im Griff. Als würde ein digitaler Butler einem jeden Wunsch von den Lippen ablesen.

Nach wenigen Minuten bekommt die elegante Illusion Risse

Doch schon nach wenigen Minuten bekommt die elegante Illusion Risse. „Spiel das vorletzte Lied noch einmal ab“, rufe ich Google zu. Die Antwort: „Das habe ich noch nicht gelernt.“ Noch offensichtlicher wird es, als ich meinen Kollegen frage: „Ok, gehört dir eigentlich dieses FedEx-Paket?“, und Google sich daraufhin mit den Worten „Auf Facebook kann ich noch nicht zugreifen“ einschaltet.

Der simple Taschenspielertrick hinter dem Gerät wird mit jedem solcher Erlebnisse deutlicher: Was der Google-Assistent kann, fußt nicht auf Künstlicher Intelligenz. Nicht Ingenieure sind für ihn verantwortlich, sondern Redakteure. Die haben Bibliotheken mit Stichwortsuchen erschaffen, die bei einem Treffer einfach die passende App starten oder eine vordefinierte Aktion auslösen. So soll die Illusion mit vorgefertigten und standardisierten Konversationen möglichst lange aufrechterhalten werden.

Der Google Home fügt sich gut auf jeder Kommode ein

Der Google Assistent reiht sich damit in die bisherigen Assistenten ein. Im Vergleich zu Amazon Alexa schneidet er im WIRED-Test immer noch besser ab. Wie bereits sein Vorgänger auf dem Google-Smartphone Pixel, schafft er es manchmal sogar, Fragen im Kontext einer Unterhaltung zu beantworten. Eine Fähigkeit, die seiner Konkurrenz noch fehlt. Der größte Vorteil des Google Assistenten liegt jedoch an anderer Stelle.

Der Assistent ist nicht nur auf dem Lautsprecher verfügbar, sondern mittlerweile auch auf jedem aktuellen Android-Telefon – anfangs gab es ihn nur auf dem Pixel. Das könnte der entscheidende Vorteil im Kampf mit Amazon werden. Nutzer müssen nur ein Set von Befehlen lernen und werden damit gleichzeitig Speaker, Telefon oder sogar das eigene Smarthome steuern können.

Die richtigen Befehle zu kennen, ist die Krux, um Spaß mit dem Gerät zu haben. Sage ich etwa: „Licht dimmen“, weiß Google sofort, was ich will. Fordere ich jedoch auf den Raum „dunkler zu machen“, weiß der Assistent nichts damit anzufangen. Bei „Licht auf 70 Prozent“ sieht es schon wieder ganz anders aus. Zwar macht die App Vorschläge, aber eine Liste mit allen funktionierenden Befehlen gibt es nicht.

Die Synchronisation zwischen Telefon, Lautsprecher und zusätzlichen Smarthome-Gadgets ist noch weit davon entfernt, perfekt zu sein. Immer wieder passiert es, dass statt dem Lautsprecher selbst sein Verwandter aus meinem Telefon auf ein Kommando reagiert, oder dass die auf dem Telefon ausgewählte Musik nicht über Google Home abgespielt wird, sondern über das interne Mikrofon des Smartphones. Hoffentlich handelt es sich bei diesen Punkten um Kinderkrankheiten, die ein Software-Update bald lösen kann.

Kombiniert mit weiteren Smarthome-Geräten werden solche Unzulänglichkeiten noch offensichtlicher: Bei den smarten Glühbirnen von Philips können in der dazugehörigen App mehrere Farbprofile fürs Licht vordefiniert werden. Ich kann sie aber nicht über den Google Assistenten aktivieren. Mehr als die wichtigsten Basisbefehle versteht er eben nicht. Zeit für die Redakteure von Google, mehr Texte und Aktionen zu schreiben.

Google Home hört stets mit, außer das Mikrofon wird über einen Knopf an der Rückseite deaktiviert. Mit den gesammelten Sprachbefehlen, die bisher ins Leere laufen, wird Google vermutlich in den nächsten Monaten neue Reaktionen schreiben. Der Assistent wird nicht selbst lernen und klüger werden. Sondern es wird durch neue Routinen nach und nach weniger Momente geben, in denen die Illusion vom smarten Assistenten durch eine dumme Antwort zerstört wird. So zumindest macht es Amazon bei seinem Assistenten Alexa, für den in den letzten Monaten immer wieder Redakteure in Deutschland gesucht wurden.

Google Home gibt es in drei Farben: grau, schwarz und kupfer

Googles smarter Speaker ist kein schlechtes Gadget. Und für 149 Euro auch kaum teurer als der vergleichbare Lautsprecher von Amazon. Home ist sogar der beste Assistent auf dem Markt. Außer man möchte per Sprachbefehl einkaufen – das kann nur Alexa von Amazon. Die Erwartungen an den digitalen Butler dürfen einfach nicht zu hoch gesteckt werden. Dann ist es auch möglich, zufrieden mit ihm zu sein. Auch Apples HomePod, der Anfang nächsten Jahres nach Deutschland kommt, wird hier keine großen Veränderungen bringen. So wie es bisher aussieht, wird der Speaker auch nicht mehr können als derzeit Siri.

Nachdem die erste Begeisterung abgeklungen ist, benutze ich Google Home nur noch für ein paar wenige Basisfunktionen. Damit bestätige ich die Daten der Analysefirma Futuresource: Die meisten Menschen nutzen ihren Assistenten bereits nach wenigen Wochen vor allem als sprachgesteuerte Musikbox. Das zumindest funktioniert auch bei Google Home wirklich gut. Benötigt wird dafür aber ein Premium-Account von Google Play Music, Spotify oder Deezer.

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