/KI

In Schweden gibt es jetzt ein halb-virtuelles Testgelände für selbstfahrende Autos

Wolfgang Kerler 09.11.2018 Lesezeit 3 Min

Selbstfahrende Autos auf öffentlichen Straßen zu testen ist ein Risiko. Im Frühjahr starb eine Frau, nachdem sie von einem Uber-Testfahrzeug erfasst wurde. Weniger schwere Unfälle häufen sich. Doch wie soll die Technologie ohne Probefahrten weiterentwickelt werden? Eine schwedische Firma gibt an, die Lösung zu haben: eine halb-virtuelle Teststrecke, auf der Verkehrssituationen simuliert werden können.

Eine verstopfte Straßenkreuzung in der Großstadt? Kein Problem. Ein kleiner Sprint auf der Autobahn? Machbar. Ein paar Runden auf einer viel befahrenen Landstraße? Die leichteste Übung. Auf dem AstaZero-Testgelände im Westen von Schweden, das vom staatlichen Forschungsinstitut RISE und der Technischen Hochschule Chalmers eröffnet wurde, soll all das möglich sein. Firmen wie Volvo, Scania oder das Elektro-LKW-Start-up Einride können dort ihre autonomen Testautos auf die Piste schicken, ohne dabei eine potentielle Gefahr für menschliche Verkehrsteilnehmer darzustellen. Denn das Gelände ermöglicht Probefahrten in der Mixed Reality. Das heißt: Die Straßen sind echt, die anderen Autos, LKWs oder Fußgänger nicht.

„Unser Testgelände ist wie ein Kondensat der echten Welt“, sagt AstaZero-Chef Peter Janvik im Gespräch mit WIRED. Auf über drei Quadratkilometern verteilen sich dafür verschiedene Straßenabschnitte: eine städtische Gegend, die aus einer paar Gebäudeblocks inklusive Kreuzung besteht, eine Landstraße, eine High-Speed-Strecke und eine mehrspurige Straße. Während das menschliche Auge nur leere Straßen sieht, wird für die Sensoren der Roboterautos eine zusätzliche, virtuelle Welt erzeugt. Durch die Nutzung von 5G-Verbindungen und verteilten Cloud-Diensten soll die Echtzeitanalyse der dabei gesammelten Daten möglich sein. AstaZero schätzt selbstbewusst, dass durch diese Art des Testgeländes die Entwicklung selbstfahrender Autos um das zehnfache beschleunigt werden kann.

Die Mobilität der Zukunft lässt sich ebenfalls simulieren

„Wenn man einen Fehler findet und nach einer Lösung dafür sucht, dann muss man dieselbe Situation so oft testen, bis der Fehler wirklich behoben ist“, sagt Janvik. Dafür brauche man aber ein Umfeld, das sich genau kontrollieren lässt – und in dem gefährliche und unübersichtliche Situationen ganz bewusst simuliert werden können. „Nur so können wir in Zukunft Unfälle vermeiden“, so der Firmenchef. Bei Testfahrten auf öffentlichen Straßen lässt sich ein Unfall – glücklicherweise – nicht wiederholen. Im Idealfall passiert er gar nicht erst. Doch wie soll die Künstliche Intelligenz, die das Auto steuert, dann für brenzlige Momente trainiert werden? Janvik ist überzeugt, dass der Mixed-Reality-Ansatz die Lösung ist. Der Prozess, die simulierten Bedingungen auf der Strecke so realistisch wie möglich zu gestalten, laufe permanent weiter.

Darüber hinaus soll es aber auch Szenarien geben, die in der Realität noch unmöglich wären: In Schweden lässt sich nämlich auch der Verkehr der Zukunft simulieren. Autonome Autos könnten es dort also mit Lieferdrohnen, Paketrobotern auf dem Gehweg oder Flugtaxis zu tun bekommen.