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Dieser autonome Elektro-LKW fährt bald für die Deutsche Bahn und Lidl

Wolfgang Kerler 11.09.2018 Lesezeit 4 Min

Für die Entwicklung seiner selbstfahrenden Elektro-Lastwagen hat das schwedische Start-up Einride zwei Partner aus Deutschland gefunden: DB Schenker, eine Tochter der Deutschen Bahn, und Lidl, den Lebensmittelhändler. Im kommenden Monat soll der erste Testlauf mit Schenker starten. WIRED hatte in San Francisco die Gelegenheit mit dem Einride-Gründer zu sprechen.

Der erste Praxistest für den T-Pod, den autonomen und elektrischen Transporter von Einride, fällt eher übersichtlich aus. Auf einer Strecke, die ein paar hundert Meter lang ist, soll das Testfahrzeug zwischen zwei Hallen des Logistikanbieters DB Schenker im schwedischen Jönköping pendeln. Der selbstfahrende Truck wird dabei auch auf einer öffentlichen Straße unterwegs sein. Inzwischen liegt die notwendige Genehmigung der Verkehrsbehörde vor. Ein Fahrer wird beim Testlauf nicht an Bord sein, dafür wäre im T-Pod auch gar kein Platz. Allerdings wird der LKW von Einride-Mitarbeitern begleitet und lässt sich im Zweifel fernsteuern.

„Die paar hundert Meter klingen natürlich erst einmal bescheiden“, sagt Einride-Gründer Robert Falck zu WIRED. „Aber irgendwie muss man ja anfangen. Der erste Flug der Wright-Brüder war auch nur ein paar hundert Meter weit.“ Wilbur und Orville Wright waren amerikanische Luftfahrtpioniere, die um 1900 ihre ersten Flugzeuge entwickelten. Wie Pioniere fühlen sich nun auch die Mitarbeiter von Einride, zu denen auch ein paar Deutsche gehören. „Gemeinsam mit DB Schenker installieren wir das erste System dieser Art weltweit“, verkündet Robert Falck – und klingt dabei ziemlich stolz.

„Überrascht, wie dynamisch und zukunftsorientiert die Deutsche Bahn ist“

Ihr System – fahrerlos und elektrisch – soll nicht nur die CO2-Emmissionen des Güterverkehrs reduzieren, sondern auch die Kosten senken und die Sicherheit erhöhen. Die Argumentation: Ein selbstfahrender LKW kann nicht müde werden, bekommt keinen Stundenlohn und muss keine Pausenzeiten einhalten. Auf weiten Strecken über Autobahnen oder durch Städte solle der T-Pod in der Anfangsphase nicht eingesetzt werden, sagt Robert Falck. Zunächst gehe es darum, die Ladung auf festgelegten Routen zwischen verschiedenen Lager- oder Fabrikhallen hin und her zu transportieren.

Auf die Frage, wie es ist, mit einem deutschen Staatsunternehmen zusammenzuarbeiten, antwortet der Firmengründer: „Ich war wirklich überrascht, wie dynamisch und zukunftsorientiert die Deutsche Bahn ist.“ Verläuft der Test erfolgreich, könnte die Bahn-Tochter Schenker auch an Standorten in anderen Ländern die selbstfahrenden T-Pods der Schweden einsetzen. „Wir wollen jetzt lernen, wie wir die Technologie sicher und gut einsetzen können“, erklärt Falck.

Der T-Pod ist mit zweieinhalb Metern so breit wie ein Standard-LKW, mit sieben Metern aber nur halb so lang. Das liegt zum Teil daran, dass er keinen Platz für einen Fahrer braucht. Er soll mit einer Batterieladung 200 Kilometer weit kommen – bei einer Höchstgeschwindigkeit von 85 Stundenkilometern. Auf seine Ladefläche passen 15 Euro-Paletten mit einem Maximalgewicht von 20 Tonnen.

Testlauf mit Lidl startet im kommenden Jahr

Die Deutsche Bahn ist nicht der einzige deutsche Partner des schwedischen Start-ups. Anfang des kommenden Jahres solle auch ein Probelauf mit Lidl starten, dem deutschen Discounter-Riesen. Das bestätigt Robert Falck im Gespräch mit WIRED. Der T-Pod solle dabei Waren von einem Lager in einen Supermarkt bringen. „Noch eine deutsche Firma, die fortschrittlich ist“, schwärmt Falck. Wird Einride bei so großen Partnern aus Deutschland vielleicht selbst bald ein deutsches Unternehmen? „Das hängt von unseren deutschen Investoren ab, würde ich sagen, oder?“ Er klingt bei dieser Antwort jedenfalls nicht, als hätte er etwas dagegen.

In früheren Interviews hatte der Einride-Gründer bereits das Ziel für 2020 ausgegeben: Bis dahin will das Start-up 200 T-Pods auf die Straße bringen, die zwischen Göteborg und Helsingborg unterwegs sein sollen. Die Strecke ist immerhin gut 200 Kilometer lang. Doch Robert Falck scheint zuversichtlich. Er ist auch der Meinung, dass sein Start-up den Lastwagen-Plänen von Tesla und seinem Chef Elon Musk voraus ist. Tesla will 2019 einen elektrischen LKW auf den Markt bringen. Der soll aber nur halb-autonom fahren können.