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Großbritannien hat Facebook eine Strafzahlung aufgebrummt – die es aus der Portokasse bezahlen kann

Michael Förtsch 11.07.2018 Lesezeit 2 Min

Die britische Datenschutzbehörde hat festgestellt, dass Facebook eindeutig gegen Gesetze verstoßen und die Rechte seiner Nutzer beschnitten hat. Nun soll der Konzern eine Strafe zahlen. Aber die ist gemessen an der Größe von Facebook eher gering.

Über Jahre hatte Facebook es Entwicklern- und App-Anbietern erlaubt, die Profilinformationen von Nutzern und deren Freunden abzufischen. 2015 hatte der Psychologieprofessor Aleksandr Kogan über 80 Millionen Datensätze, die er mit einem Persönlichkeits-Quiz gesammelt hatte, an Cambridge Analytica verkauft. Erst im März 2018 hatte Facebook diesen Vorfall eingestanden – nachdem Medienberichte ihn aufgedeckt haben. Nun hat die britische Datenschutzbehörde ICO eine Strafzahlung gegen den Konzern verhängt.

„Facebook hat es versäumt, die Art von Schutz zu bieten, zu dem sie nach unseren Datenschutzgesetzen verpflichtet sind“, erklärte Behördenchefin Elizabeth Denham am Mittwochmorgen. Insgesamt 500.000 Pfund – umgerechnet 565.000 Euro –, den Höchstbetrag, den die Behörde anordnen kann, muss Facebook nun zahlen. Das sind Unkosten, die dem Social Netzwork nicht gerade Schmerzen bereiten dürften. Nach einer Berechnung des Guardian entspricht sie dem Umsatz, den Facebook innerhalb von fünfeinhalb Minuten generiert.

Eher Signal- als Strafwirkung

Wie die Datenschützerin Denham sagt, sende die Strafe jedoch „ein klares Signal aus“ und zeige, dass derartige Verstöße verfolgt und geahndet werden. Facebook selbst wird sich noch vor der Behörde zur Entscheidung äußern dürfen bevor diese umgesetzt wird. In einer Stellungnahme hatte Erin Egan, Facebooks Datenschutzbeauftragte, schon eingestanden, dass Facebook hätte „ mehr tun sollen, um Berichte über Cambridge Analytica zu untersuchen und im Jahr 2015 Maßnahmen zu ergreifen.“

Die Strafzahlung, die die ICO ausgesprochen hat, dürfte nicht die einzige bleiben. Derzeit ermitteln unter anderem auch mehrere US-Behörden im Fall Cambridge Analytica. Vor allem die Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission könnte Facebook hart treffen. Denn diese kann durchaus Strafen in Milliardenhöhe verordnen, wenn beispielsweise eine vorsätzliche Täuschung von Aktionären festgestellt wird.