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Cambridge Analytica: US-Behörden nehmen Facebook in die Zange

WIRED Staff 03.07.2018 Lesezeit 3 Min

Der Datenskandal um Cambridge Analytica ist für Facebook noch nicht ausgestanden - bei Weitem nicht. Stattdessen steigen nun weitere US-Behörden in die Ermittlungen ein. Die zentrale Frage ist: Was wusste Facebook und warum wurde die Öffentlichkeit erst so spät informiert.

Sowohl das FBI, die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission als auch die US-Handelskomission Federal Trade Commission wollen nun nebst dem US-Justizministerium Ermittlungen in Sachen Facebook anstellen. Das will zumindest die Washington Post von fünf unabhängigen Quellen erfahren haben. Der Anlass für die Bemühungen wäre der nach wie vor nicht gänzlich aufgearbeitete Datenskandal um Cambridge Analytica.

Im Jahre 2015 hatte der Psychologieprofessor Aleksandr Kogan von der Universität Cambridge über ein Persönlichkeits-Quiz zahlreiche Daten über Facebook-Nutzer und ihre Freunde gesammelt. Das war seinerzeit gängige Praxis und von Facebook zunächst unbeanstandet. Jedoch hat Kogan die bis zu 71 Millionen Datensätze mit seinem Unternehmen Global Science Research unberechtigt an die Unternehmen Cambridge Analytica und Eunoia Technologies weitergegeben – ein klarer Bruch mit den Datenschutzbestimmungen von Facebook.

Facebook soll 2015 von davon erfahren haben aber gestand das Datenleck erst im März 2018 ein. Zu diesem Zeitpunkt hatten Berichte der New York Times und des Observer den Datenraub öffentlich gemacht, der verantwortlich gemacht wurde, zum Wahlsieg von Donald Trump und den Erfolg der Pro-Brexit-Kampagne beigetragen zu haben – selbst wenn die Wirkung vielfach überschätzt sein dürfte. Im März 2018 hatte Cambridge Analytica seinen Geschäftsbetrieb eingestellt – aber ist offenkundig nun wieder unter dem Namen Emerdata im Geschäft.

Im Fokus aller Ermittlungsbehörden steht der Umgang von Facebook mit der unberechtigten Datenweitergabe an Cambridge Analytica. Ex-Angestellte von Facebook berichteten unter anderem, dass „verdeckte Datensammlungen“ durch Drittunternehmen beim Social Network vollkommene Routine waren. Vor allem habe Facebook „keine Ahnung“ gehabt, was diese „mit den Daten anstellten“ und hätte es auch nicht wissen wollen.

Die nun in die Untersuchung einsteigenden Behörden wollen daher zuvorderst ergründen, warum Facebook offensichtlich nachlässig oder sogar fahrlässig handelte. Dabei gehe es nicht nur um die Verletzung der Rechte der Nutzer und Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen. Das Unternehmen könnte auch die Informationspflicht gegenüber seinen Investoren und Anteilseignern untergraben haben. Möglicherweise habe es diese sogar bewusst belogen oder falsch informiert. Im Rahmen der Untersuchung soll auch die Befragung von Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress noch einmal genau analysiert werden.

Facebook hat bereits bestätigt, Fragen von den US-Behörden erhalten zu haben und vollumfänglich mit den Regierungsstellen zu kooperieren. Die Zusammenarbeit der einzelnen Institutionen ist durchaus bemerkenswert und dürfte, wie der ehemalige FTC-Leiter David Vladeck der Washington Post sagte, verdeutlichen, dass Facebook Grenzen überschritten hat und „ernsthafte Sorgen“ bestünden. Auf Facebook könnten bei festgestellten Verstößen gegen US-Handels- und Börsenbestimmungen schmerzhafte Strafzahlungen in Milliarden-Höhe zukommen.