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Zu viel Optimismus: Das FBI ermittelt gegen Tesla

WIRED Staff 29.10.2018 Lesezeit 3 Min

Tesla wird vorgeworfen, Produktionszahlen geschönt und damit Investoren getäuscht zu haben. Eine Untersuchung des FBI soll nun zeigen, ob der E-Autobauer tatsächlich mit Vorsatz zu optimistische Prognosen abgegeben und damit illegal gehandelt hat.

Vom Beginn der Serienfertigung des Model 3 im vergangenen Jahr bis hinein ins Jahr 2018 steckte Tesla in der Produktionshölle. Probleme mit der hoch automatisierten Produktionsstraße, der Fertigung der Akku-Packs und personelle Engpässe in der hauseigenen Lackiererei sorgten dafür, dass weit weniger Fahrzeuge aus der Fabrik rollten als prophezeit. Dabei hatte Elon Musk immer wieder angesagt, dass Tesla jetzt wirklich nur noch wenige Wochen davor entfernt wäre, sein selbst gesetztes Ziel von 5.000 Model 3 pro Woche zu erreichen. Wirklich geschafft hatte das der E-Autobauer aber erstmals im Juli dieses Jahres. Nun geht die US-Bundespolizei FBI Vorwürfen nach, dass dieser Daueroptimismus eine vorsätzliche Täuschung gewesen ist.

Angeblich sollen Tesla und allem voran Tesla-Chef Elon Musk wider besseren Wissens zukünftige Produktionszahlen prognostiziert habt. Mittlerweile, das berichtet das Wall Street Journal, würden FBI-Ermittler bereits ehemalige Tesla-Mitarbeiter kontaktieren und Aussagen über die damalige Situation über das Werk in Fremont und die Gigafactory 1 aufzunehmen. Dabei würden Berichte mit den tatsächlich Produktionskapazitäten abgeglichen. Derzeitige Mitarbeiter oder Vorstände von Tesla, hatte das Unternehmen erklärt, wären bisher aber nicht vorgeladen oder um Statements gebeten worden.

Optimistisch aber nicht kriminell

Tesla bestreitet jegliche Vorwürfe, mit übermäßig optimistischen Prognosen sowohl Investoren als auch potentielle Anleger in die Irre geführt zu haben. Es würden den Behörden freiwillig sämtliche nötigen Unterlagen und Dokumente für eine Ermittlung bereitgestellt. Tatsächlich klafften über lange Zeit gigantische Lücken zwischen den Zielsetzungen und der tatsächlichen Fahrzeugproduktion. Von Januar bis März 2018 liefen etwa zeitweise nur 200 bis 1.000 Fahrzeuge pro Woche aus der Fabrik – statt der 5.000. Daher ließ Musk im Juni dieses Jahres ein riesiges Zelt aufstellen, in dem eine weitere Produktionsstraße hochgezogen wurde, um die Fertigung zu steigern – was Tesla „hunderte Millionen Dollar“ gekostet habe.

Erst in der vergangenen Woche konnte Tesla verkünden, dass das Unternehmen nun zuverlässig rund 5.000 Model 3 pro Woche fabriziert und dadurch tatsächlich auch Gewinn statt Verlusten erwirtschaftet – erst das dritte Mal in der Firmengeschichte. Tatsächlich ist das Mittelklasse-Elektroauto in den USA ein Bestseller, was den Stückzahlabsatz angeht. Nur vier Fahrzeuge der Konkurrenz verkauften sich besser: der Camry und Corolla von Toyota sowie der Civic und Accord von Honda. Im kommenden Jahr soll das Model 3 auch international verfügbar werden. Dabei wird es sich, wie schon in den USA, vorerst nur um die Premium-Variante handeln.

Das versprochene Basis-Modell für 35.000 US-Dollar, hatte Musk mittlerweile eingestehen müssen, könne Tesla derzeit nicht produzieren – da das Unternehmen damit momentan keine „positive Bruttomarge“ erzielen könne. Dafür müsse erst die Effizienz sowohl bei der Fahrzeug- als auch der Batterieproduktion noch weiter gesteigert werden. Elon Musk geht davon aus, dass Tesla noch sechs Monate davon entfernt sei, das Model 3 in seiner Basisfassung zu bauen, ohne Verluste zu machen. Stattdessen ist solange eine in Sachen Reichweite abgespeckte Variante des Premium-Model-3 zu haben.