/Kolumne

Neues vom Admin / Heute schon ein Backup gemacht?

Armin Hempel 18.02.2015 Lesezeit 6 Min

Es gibt diese Tage, an denen man besser im Bett geblieben wäre: Das Notebook fällt runter oder es wird gestohlen, der neue Netzwerkspeicher gibt nach drei Wochen den Geist auf und die Festplatte mit der Musiksammlung klackert nur noch traurig vor sich hin. Gut, wenn man da ein Backup gemacht hat. Habt ihr doch, oder?

Armin Hempel ist System-administrator, obwohl er Musik- und Theaterwissenschaft studiert hat. Wenn er nicht gerade mit Konsolen und Festplatten-Arrays ringt, schreibt er für WIRED Germany.

Auch im digitalen Haushalt passieren die meisten Unfälle beim Saubermachen. Datenverlust kann mit ein paar beherzten Sprühstößen aus der Fensterreiniger-Flasche beginnen, die das Notebook von allem befreien sollten, was sich dort über die Jahre angesammelt hat. Oder auch mit dem Versuch, „endlich mal wieder den Computer aufzuräumen“. Berühmte letzte Worte, die ich in diesem Zusammenhang schon hören durfte: „Library? Was soll das denn sein? Ich habe doch keine Bibliothek auf dem Rechner! Weg damit!“ Schnell noch das Admin-Passwort hinterhergeschickt und schon war das Ende des Betriebssystems besiegelt.  

Hand aufs Herz: Wenn euer Computer genau jetzt in diesem Moment den Geist aufgeben würde, wie schlimm wäre das? Könntet ihr gleich dort weitermachen, wo ihr aufgehört habt? Müsste der Rechner eingeschickt werden? Wie schnell wären die Daten auf ein Ersatzgerät kopiert? Wahrscheinlich ruft ihr einfach einen Bekannten an, der sich ganz gut mit Computern auskennt. Und der wird dann — nachdem er sich die ganze traurige Geschichte angehört hat — die Gretchenfrage stellen: „Hast du ein Backup?“

Ihr braucht eine gute Backup-Strategie. Und zwar sofort!

Ausnahmslos alle Ausreden, die jetzt folgen könnten, habe ich schon einmal gehört: Dass es eigentlich da schon ein Backup gibt, die letzte Sicherung aber schon eine ganze Weile her ist. Dass es da mal diesen Stick gab, auf dem fast alles drauf ist, und der Rest müsste sich doch irgendwie aus den E-Mail-Anhängen zurückholen lassen. Bitte verzeiht mir mein Augenrollen. Nach kurzer Bedenkzeit wird den meisten dann klar, dass es im Großen und Ganzen besser wäre, man würde doch versuchen, die verloren gegangenen Daten wiederherzustellen. Mit den begrenzten Mitteln, die mir dafür zur Verfügung stehen, liegen die Erfolgschancen bei etwa 50 Prozent. Falls ich es dann aber auch nicht richten kann, werdet ihr nach dem Preis für eine professionelle Datenrettung fragen. Und nachdem ihr euch von einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit erholt habt, werdet ihr zähneknirschend abwägen, was euch eure Daten eigentlich wert sind. 

Um solche oder ähnliche Erfahrungen zu vermeiden, braucht ihr eine gute Backup-Strategie. Und zwar sofort! Der Zeitpunkt ist günstig, denn nie waren Festplatten billiger als jetzt. Damit ihr wieder gut schlafen könnt, müsst ihr euch nur an drei einfache Regeln halten:

#1 Keine Ausnahmen — alles muss gesichert werden.
Findet zunächst heraus, wie viel Speicherplatz für eure Backups nötig ist. Denkt dabei auch daran, wie sich euer digitaler Fußabdruck in den nächsten Jahren entwickeln wird. Wächst die Musiksammlung immer weiter oder seid ihr schon zu Streaming-Diensten gewechselt? Habt ihr gerade die Digitalfotografie für euch entdeckt oder geht es nur um ein paar Texte?

Wichtig ist dabei, dass ihr wirklich alles sichert. Bitte kopiert nicht nur einige ausgewählte Ordner mit Dokumenten und Fotos, sonst fehlen euch hinterher die entscheidenden Kleinigkeiten: die Firefox-Bookmarks, die Zugangsdaten für eure Mail-Accounts oder die Sicherungskopien des Smartphones.

#2 Nur mit Netz und doppeltem Boden — mit drei Backups seid ihr auf der sicheren Seite.
Einbrecher nehmen nur selten Rücksicht auf euer Seelenheil: Sie stehlen nicht nur das Notebook, sondern lassen obendrein die Backup-Platte mitgehen. Auch bei Feuer- oder Wasserschäden kann ein regelmäßig aktualisiertes Backup außer Haus den Daten-GAU verhindern. Ich empfehle die 3-2-1-Regel: Drei Kopien aller Dateien auf zwei verschiedenen Medien plus einem Offsite-Backup. Wer jetzt findet, dass das ein wenig paranoid klingt, hat absolut recht — es geht hier schließlich um eure Daten!

Aber was tun? Zunächst aktiviert ihr das, was euer Betriebssystem ohnehin mitbringt: TimeMachine auf dem Mac beziehungsweise den Dateiversionsverlauf unter Windows 8. Sichert mit diesen Systemen auf eine Festplatte oder einen Netzwerkspeicher mit möglichst hoher Kapazität, denn die beiden Dienste erstellen versionierte Kopien eurer Dateien und schützen sie somit auch vor euch selbst, also vor versehentlichem Löschen und Überspeichern. Zwei kleinere Festplatten benutzt ihr zusätzlich für startfähige Backups, die euch im Falle eines Festplatten-Crashs zügig weiterarbeiten lassen. Eine lagert ihr im Büro oder bei Freunden, die andere in der Nähe eures Rechners. Beide Platten solltet ihr in regelmäßigen Abständen gegeneinander austauschen. Für die Erstellung solcher bootfähiger Backups empfehlen sich die kostenlosen Apps Paragon Backup & Recovery für Windows oder SuperDuper für den Mac. 

Darüber hinaus könnt ihr die wichtigsten Dateien einer Online-Lösung wie ownCloud, Wuala oder Dropbox anvertrauen. Sorgt ihr euch dabei um eure Privatsphäre, empfiehlt sich ein zusätzlicher Dienst, der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbietet, zum Beispiel Boxcryptor.

#3 Fire and Forget – das Backup muss automatisch erfolgen
Datensicherung ist ein bisschen wie Zähneputzen: Zwei- bis dreimal am Tag sollte schon sein und vergisst man es ab und zu, ist das kein Drama. Vernachlässigt man es jedoch für eine längere Zeit, kann das sehr teuer werden. Noch habt ihr sicher die besten Absichten, doch in Kürze wird euch der innere Schweinehund besiegen und verhindern, dass ihr regelmäßig daran denkt.

Deshalb: Bringt eurem Computer bei, die Sicherungen automatisch vorzunehmen und euch zu benachrichtigen, falls dabei irgendetwas schiefläuft. Die meisten Backup-Lösungen bieten dafür Zeitpläne an oder beginnen sofort mit der Sicherung, wenn die entsprechende Festplatte angeschlossen wird.

Ist euer Backup-System dann endlich fertig und im Einsatz, müsst ihr es von Zeit zu Zeit auf die Probe stellen. Denn was nützt das sicherste System, wenn es im Ernstfall versagt? Startet das Notebook auch wirklich von den angeblich bootfähigen Backups? Reicht die Kapazität der Speichermedien noch aus? Sind gelöschte und überspeicherte Dateien leicht zu finden? Außerdem ist es Gold wert, die entsprechenden Klicks schon einmal geübt zu haben, um nicht bei der Wiederherstellungsprozedur aus Nervosität Quelle und Ziel zu verwechseln.    

Mit etwas Glück werdet ihr niemals auf eure Sicherheitskopien zurückgreifen müssen. Sollte es aber doch einmal so weit kommen, werdet ihr sehr froh sein, wenn bei der Wiederherstellung eurer Daten alles reibungslos funktioniert. 

In der letzten Folge von „Neues vom Admin“ beschäftigte sich Armin mit einer der wohl größten digitalen Plagen der Menschheit: Fortschrittsbalken.