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So erkennt man einen ICO-Betrug

Klemens Kilic 08.05.2018 Lesezeit 6 Min

Derzeit glauben viele Menschen, dass sie durch ein frühzeitiges Investment in eine neue Kryptowährung schnell reich werden können. Dieser Hype zieht nicht nur Hobby-Spekulanten an, sondern auch viele Betrüger, die ihre eigene Kryptowährung ankündigen, dann aber einfach nur mit dem eingesammelten Geld abhauen. WIRED erklärt, was die fünf wichtigsten Zeichen eines ICO-Scams sind.

Die meisten neuen Kryptowährungen finanzieren sich ähnlich wie eine Kickstarter-Kampagne. Per Crowdfunding sammeln die Gründer Geld ein, um ihre Programmierer und sich selbst zu bezahlen. Wer mitmacht, bekommt für seine Euros dann die ersten digitalen Münzen der neuen Währung – oder digitale Token. Solch eine Finanzierungsrunde für Kryptowährungen wird Initial Coin Offering (ICO) genannt und lehnt sich damit an die aus der Aktienwelt bekannten Initial Public Offerings an – also einer Erstausgabe von Aktien.

Der große Unterschied zwischen diesen zwei Investments? Ein IPO ist streng reguliert, ein ICO nicht. Und genau hier liegt das Problem: Weil es zum Teil einfacher ist, einen ICO zu starten, als eine Kickstarter-Kampagne anzumelden, gibt es viele Betrüger, die einfach mit dem Geld verschwinden. Wie real die Angst für viele Hobby-Investoren ist, solch einem ICO-Betrug aufzusitzen, zeigte zuletzt auch das deutsche Startup savedroid, das nach seiner Finanzierungsrunde einen PR-Stunt inszenierte: Der Firmengründer hatte sich vermeintlich nach Ägypten abgesetzt. Ein Szenario, das im ersten Moment recht plausibel klang.

Wegen des Hypes um Kryptowährungen, haben viele Projekte schnell unverhältnismäßig viel Geld eingesammelt. Alleine im ersten Quartal dieses Jahres wurden weltweit mehr als 5,2 Milliarden Euro in ICOs gesteckt. Das ist mehr, als im gesamten Jahr 2017 auf diese Art investiert wurden.

Trotz all seiner Probleme ergibt Crowdfunding für ein dezentralen Projekts Sinn. Nicht nur Großinvestoren sollen teilnehmen können, sondern eben auch die späteren Nutzer der Währung. Sie sollen früh an der Genese des Kryptogeldes beteiligt werden und so den Erfolg der Währung garantieren. Die Hoffnung vieler Geldgeber: Der Wert der Währung oder des Token würde sich vervielfachen, wenn er erstmal auf einem Online-Marktplatz (Exchange) gehandelt wird. Ein spekulatives Geschäft, bei dem man auch viel Geld verlieren kann.

Immer wieder kommt es vor, dass ICOs zwar sehr gut vermarktet wurden, aber tatsächlich nur wenig dahinter steht. Der Preis der Währung bricht dann meist sofort ein und erholt sie nie mehr. Es ist auch keine Seltenheit, dass ein ICO von Anfang an als Abzocke konzipiert war.

Aber wie erkennt man einen ICO-Scam? Wir haben die fünf wichtigsten Anzeichen für euch identifiziert:

1. Das Team ist unbekannt

Noch bevor man sich in die technischen Details eines Projektes einliest, sollte man das Team und die Berater des ICOs näher in Augenschein nehmen. Findet sich darunter keine Persönlichkeit, die bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Branche besitzt, sollte man das Projekt einer genaueren Recherche unterziehen. Denn der Aufbau eines auf der Blockchain basierenden Projektes ist sehr kompliziert und ohne ausreichende Erfahrung kaum möglich.

Doch selbst wenn sich ein Team erfahren gibt, sollte man vorsichtig sein. Im März versuchte etwa das Krypto-Startup Miroskii, den Hollywood Schauspieler Ryan Gosling als seinen Grafikdesigner vorzustellen. Wer Gosling kennt, wird den ICO schnell als Scam erkannt haben. Aber nicht immer sind Betrüger bei der Wahl der Bilder ihres „Teams“ so tollpatschig.

Hier bietet sich die umgekehrte Bildersuche von Google an. Hierbei wird das Internet nach ähnlichen Fotos durchsucht und so lässt sich schnell feststellen, ob das Bild nicht eigentlich von einer anderen Website stammt. Zeigt Google einem dann an, dass die Kompetenzen der gesuchten Person in der Schauspielerei, statt im Graphikdesign liegen, dann sollte man seine Finger von dem ICO lassen.

Ähnliches gilt natürlich auch für die Namen der Teammitglieder und unterstützenden Firmen. In welchem Kontext tauchen sie sonst im Netz auf? Wenn die Antwort „gar nicht“ ist, ist das auch ein erster Hinweis für einen zweifelhaften ICO.

2. Das Whitepaper hat Lücken

Viele Projekte stellen die eigene Kryptowährung mit einem sogenannten Whitepaper vor. Es beschreibt meist, was die Gründer erreichen wollen und welche Technologie sie dafür verwenden wollen. Solch ein Dokument ist meist um die 20 bis 40 Seiten lang. Unterschreitet es diese Länge, ist das oftmals schon das erste Anzeichen für eine schlecht ausgearbeitete Idee.

Natürlich ist nicht allein die Länge entscheidend. Viele Whitepaper von Betrügern sind zu großen Teilen nur Kopien von den Dokumenten anderer Projekte. Auch hier lohnt es sich, mehrere Textpassagen des Whitepapers bei Google einzugeben. Ein Plagiat fällt so schnell auf.

In einem Whitepaper sollte allerdings nicht nur das Projekt vorgestellt werden. Zusätzlich sollte es beschreiben, welche Herausforderungen die Gründer meistern müssen, wie das Wallet-Design aussieht und wie sich diese Kryptowährung von ihrer Konkurrenz unterscheidet.

3. Die Roadmap ist unrealistisch

Bei einem professionellen ICO stellen die Gründer ausführlich dar, was sie bereits geleistet haben, in welchem Entwicklungsstadium sie sich aktuell befinden und was sie erreichen wollen. All das wird auf einer Roadmap eingetragen. Einer Art Fahrplan, der zeigen soll, wie das Projekt weiterentwickelt werden soll.

Ist die Roadmap überambitioniert oder unrealistisch, ist stark an der Seriosität des Projektes zu zweifeln. Einen Scam erkennt man häufig schlicht daran, dass Investoren riesige Gewinne innerhalb kurzer Zeit versprochen werden.

4. Es mangelt an Transparenz

Wer einen ICO finanziell unterstützen möchte, sollte sich ansehen, ob das Projekt bereits eine begeisterte und aktive Community hat. Dafür reicht meist ein Blick auf die Twitter-Präsenz oder das zugehörige Reddit-Board des Projekts. Geht das Team offen und transparent auf Fragen von Investoren und Interessenten ein, spricht das gegen einen Scam. Authentische ICOs machen ihren Programcode außerdem auf dem Entwicklerportal GitHub öffentlich.

Transparenz alleine ist aber nicht alles. Auch der Inhalt der Antworten kann Aufschluss über die wahren Motive der Gründer geben: Häufig entlarven sich Projekte auch selbst. Planen sie zum Beispiel einen großen Teil der Coins an sich selbst auszuschütten, sollte für Investoren klar sein, wo die die Prioritäten des Teams liegen: In der eigenen finanziellen Bereicherung. Nicht am langfristigen Erfolg der Währung.

5. Die Nische ist viel zu klein

Selbst wenn die ersten vier Punkte nicht auf einen Scam hindeuten, kann eine Kryptowährung schnell von ihren Machern aufgegeben werden oder scheitern. Deswegen muss man sich stets die Frage stellen: Gibt es überhaupt einen Markt für diese Währung oder diese Blockchain-Technologie?

Ein Beispiel ist hier Eroiy: Ein Token, der als anonymes Zahlungsmittel für die Pornobranche dienen sollte. Auch wenn die Idee nicht verkehrt sein mag – und die Motivation der Gründer ehrlich gewesen sein mag – eine echte Nische gab es für Eroiy nicht. Auch mit jeder anderen Privacy Coin (wie etwa Monero oder Verge) kann anonym bezahlt werden. Bei näherer Betrachtung ist Eroiy redundant, weil es bereits genug Alternativen gab.

Man kann nie sicher sein

Leider ist auch eine lange und ausführliche Recherche keine Garantie, dass eine Kryptowährung erfolgreich werden wird. Man kann allerdings die Gefahr minimieren, in einen ICO-Scam zu investieren. Ergänzend zur Eigenrecherche, sollte man auch Online-Portale wie ICObench und Bitcointalk nutzen, um sich weitere Meinungen zu einem ICO einzuholen.