/Bitcoin

Kryptowährungen schaden sich mit ihrem fragwürdigen Marketing selbst

Klemens Kilic 19.04.2018 Lesezeit 4 Min

Am Dienstag hat die Kryptowährung Verge eine Partnerschaft mit dem Porno-Konzern Mindgeek angekündigt. Dem Unternehmen gehören unter anderem Pornhub und Brazzers. Nach der Meldung brach der Kurs der Digitalwährung abrupt ein. Denn im Vorfeld wurde diese Partnerschaft immer wieder mit Pressemitteilungen gehypet. Genau dieses Verhalten steht symptomatisch für die ganze Kryptoszene und ist eine Hürde, wenn Kryptowährungen ernst genommen werden wollen. Eine Analyse von Klemens Kilic.

Der CEO von Verge, Justin Sunerok, hatte am 27. März in einem nun gelöschten Video mitgeteilt, dass sein Unternehmen am 16. April eine Partnerschaft mit einem Großunternehmen bekanntgeben wird. Daraufhin überschlugen sich die Spekulationen. Auf Suneroks triumphierende Ankündigung folgten Gerüchte, dass es sich bei dem mysteriösen Partner möglicherweise um Amazon oder PayPal handeln könnte. In Folge dieser Spekulationen verdreifachte sich der Preis von Verge bis zur Ankündigung am Dienstag. Nur um dann innerhalb weniger Minuten einzubrechen.

Tatsächlich war die Partnerschaft eher enttäuschend, ein PR-Gag. Nicht der Onlinehändler Amazon oder der Bezahldienst PayPal wollten Verge einsetzen, sondern die Digitalwährung kann nun für die Bezahlung von Pornographie verwendet werden. Als Partner wurde Mindgeek bestätigt, eine Firma, der die beliebtesten Pornoseiten der Welt gehören. Darunter Pornhub, die im Jahr 2017 alleine täglich mehr als 81 Millionen Besucher verzeichnete. Allerdings bezahlt nur ein verschwindend geringer Teil der Nutzer auch Geld für das Streamen von Pornoclips. Und ein noch kleinerer Anteil wird schlussendlich dafür Kryptogeld verwenden.

Verge ist symptomatisch für die Branche

Die Entwicklung des Verge-Preises stellt in jeder Hinsicht einen Musterfall dar. Sie hat wieder einmal verdeutlicht, dass im hochvolatilen Kryptomarkt bereits vage und unspezifische Ankündigungen zu einer enormen Preisänderung führen können. Gerüchte sprechen sich schnell herum, werden aufgebauscht und die Investoren sind am Ende bitter enttäuscht. Der alte Satz aus Goethes Trauerspiel Egmont passt wohl nirgends besser als hier: „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt.“

Was dabei verkannt wird: Welchen Wert die Partnerschaft womöglich tatsächlich für Verge haben könnte. So verrufen die Pornoindustrie bei vielen Menschen auch sein mag, sie könnte einer von vielen Partnern werden, die dem Kryptomarkt zum Durchbruch verhelfen. Denn ein wichtiger Faktor ist: Umso mehr Unternehmen Kryptowährungen akzeptieren, desto weniger kann ihre Bedeutung geleugnet werden.

Die Gründer und CEOs von Kryptowährungen befeuern den Hype um ihre eigenen Währungen immer wieder mit fragwürdigen Praktiken. Das beste Beispiel ist hier Verge: So gab es vor der Ankündigung zuerst eine Ankündigung für die Ankündigung. Tatsächlicher Informationswert der ersten Nachrichten: keiner. Wäre stattdessen einfach die Partnerschaft mitgeteilt worden, hätte man den Preisschwankungen vorbeugen können.

Aber es liegt nahe, dass mit ihnen der Preis der Währung nach oben getrieben werden sollte. Viele Kritiker werfen deshalb den Machern von Verge Insider-Handel vor. Hätten sie gewusst, dass ihre Mitteilung über eine mysteriöse Partnerschaft zu einem Anstieg des Kurses führen würde, hätten sie finanziell davon profitieren können. Dasselbe gilt natürlich auch für den plötzlichen Kursverfall, als klar wurde, dass die Partnerschaft nur mit Mindgeek geschlossen wurde. Nicht umsonst gibt es auf dem Aktienmarkt Gesetze, die solches Verhalten verhindern sollen. Bei Kryptowährungen fehlen diese Regeln.

Savedroid faket ICO-Betrug

Ähnlich verhält es sich auch beim aktuellen Fall um das deutsche Krypto-Startup Savedroid. Dessen Gründer tauchten kurz nach der 35 bis 40 Millionen Finanzierung ihrer Firma per Initial Coin Offering (ICO) unter. Nur um 24 Stunden später mitzuteilen, dass es sich nur um einen elaboraten PR-Stunt gehandelt hatte. Sie hatten einen ICO-Betrug inszeniert, um dafür Aufmerksamkeit zu bekommen.

Natürlich brachte diese Aktion Savedroid viel Aufmerksamkeit in den Medien und der Kryptoszene. Was sie damit aber untergraben haben: Eine notwendige Stabilität und Seriösität auszustrahlen, die die Kryptoszene so dringend nötig hätte. In einer von Spekulationen getriebenen Branche sollten eben nicht auch noch die CEOs ihrer wichtigsten Firmen den Hype bei jeder Gelegenheit immer wieder aufs neue entfachen.