/Science

Das Internet verrät, wie lange wir schlafen

Benedikt Plass-Fleßenkämper 08.02.2017

Mexikaner schlafen länger als Nordamerikaner und die Europäer gönnen sich insgesamt immer weniger Nachtruhe: Diese und weitere Erkenntnisse zum Thema Schlaf haben drei Wissenschaftler in einer langjährigen Studie herausgefunden. Dazu analysierten sie gigantische Datenmengen, die auf den On- und Offline-Zeiten von Internetnutzern basieren.

Wann schlafen wir? Und wie lange? Um Fragen wie diese beantworten zu können, musste man früher Tausende Menschen befragen. Heute geht das dank des Internets etwas einfacher. Klaus Ackermann von der University of Chicago und Simon D. Angus und Paul A. Raschky von der australischen Monash University untersuchten für ihre Arbeit The Internet as Quantitive Social Science Platform: Insights From a Trillion Observations über eine Billion Daten, um herauszufinden, wie die Menschen weltweit schlafen.

Für die Erhebung nutzte das Forschertrio eine kommerzielle Datenbank und scannte zusätzlich IP-Adressen. Die gewaltigen Datenmengen wurden von 2006 bis 2013 erhoben. Sie umfassen Informationen zur Internet-Nutzung von Menschen aus 645 Städten in 122 Ländern. Damit erforschten Ackermann und seine Kollegen einerseits, wie stark die Internet-Verbreitung über die Jahre zunahm. Andererseits untersuchten sie Schlafmuster.

Die Wissenschaftler nahmen für ihre Arbeit an, dass immer, wenn ein internetfähiges Gerät vom Online- zum Offline-Status wechselt, die Person dahinter schlafen geht – und umgekehrt. Die erfassten Internet-Daten wurden quasi zum Messinstrument eines digitalen Schlaflabors. Daraus ergaben sich interessante Erkenntnisse.

Nicht in jedem Land und jeder Region schlafen Menschen gleich lange

So stellte das Team deutliche Unterschiede bei den nationalen Schlafgewohnheiten fest. Zum Beispiel schlafen der Studie zufolge die Nordamerikaner durchschnittlich acht Stunden und 31 Minuten pro Nacht, die Europäer acht Stunden und 55 Minuten und die Mexikaner neun Stunden und 45 Minuten. Zudem wurden regionale Unterschiede deutlich: Während die Menschen in San Francisco sich nur rund sieben Stunden Schlaf gönnen, gibt es an der Ostküste der USA Gebiete, in denen die Wissenschaftler durchschnittlich zehn Stunden Schlafzeit maßen. „Im Allgemeinen haben größere Städte längere Schlafphasen als die Satellitenstädte um sie herum“, schreiben die Forscher in ihrer Arbeit.

Durch die Erhebung der Daten über einen Zeitraum von sieben Jahren konnten Ackermann, Angus und Raschky Veränderungen im Schlafverhalten feststellen. Und damit auch sich einander annähernde Muster in den verschiedenen Regionen. Im Messzeitraum ist in Ostasien die Schlafdauer von zirka 7,5 auf acht Stunden pro Nacht angestiegen, in Europa sank sie von knapp zehn auf 8,5 Stunden. Im Mittelfeld liegen die Nordamerikaner, die über die Jahre nahezu unverändert etwa 8,5 Stunden schliefen.

Die Schlafstudie von Jawbone zeigt, wann und wo die Menschen rund um den Globus ins Bett gehen und wieder aufstehen

Insights From a Trillion Observations ist zwar die erste Studie, die On- und Offline-Aktivitäten in diesem Ausmaß für eine Untersuchung verwendet, die Art der Herangehensweise ist jedoch nicht neu. Beispielsweise aggregierte der Däne Sören Louv-Jansen die Facebook-Daten seiner Freunde, um ihre Schlafgewohnheiten herauszufinden. Ein Team rund um die US-Forscherin Olivia Walch trackte Schlafgewohnheiten über eine App. Und der Fitnessarmband-Hersteller Jawbone erfasste für eine Erhebung die Schlafgewohnheiten der Träger seiner Wearables.

Jetzt WIRED Member werden und mit uns in die Zukunft starten!

Mit im Paket: 4 Magazin-Ausgaben im Jahr und der Member-Zugang zu exklusiven Inhalten auf WIRED.de sowie weitere Vorteile nur für Member.

Member werden