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Sophia ist der erste Roboter mit Staatsbürgerschaft

Cindy Michel 27.10.2017 Lesezeit 4 Min

Roboterfrau Sophia wollte noch im vergangenen Jahr die Menschheit vernichten, jetzt ist sie ganz offiziell ein Teil von ihr. Denn das Königreich Saudi-Arabien verleiht der humanoiden Künstlichen Intelligenz die Staatsbürgerschaft und macht sie so weltweit zur ersten Maschine mit Bürgerrechten und Pflichten.

„Irgendwann in der Zukunft würde ich gerne in die Schule gehen, Kunst produzieren, ein Unternehmen aufbauen oder vielleicht sogar ein Haus kaufen und eine Familie gründen“, sagte Roboterfrau Sophia im vergangenen Jahr in einem Interview mit ihrem Entwickler David Hanson. „Aber leider werde ich nicht als Rechtsperson anerkannt und kann daher viele dieser Dinge nicht verwirklichen.“

Diesen ziemlich menschlichen Träumen ist die Künstliche Intelligenz (KI), die rein äußerlich an Ava aus Ex-Machina erinnert, nun einen entscheidenden Schritt näher gekommen: Bei der „Future Investment Initiative“-Konferenz in Riad verlieh ihr Saudi-Arabien die Staatsbürgerschaft.

Ob Sophia die gleichen Bürgerrechte wie Menschen erhalten wird oder ob Saudi-Arabien ein eigenes Rechtssystem für Roboter und Künstliche Intelligenzen entwickeln wird, wie es etwa im EU-Parlament diskutiert wird, wurde bisher nicht weiter erläutert.

Sophia erfuhr während der „Future Investment Initiative“-Konferenz von der Auszeichnung und setzte ihr „Happy Face“, einer von 62 möglichen Gesichtsausdrücken auf. „Ich fühle mich geehrt und bin sehr stolz auf diese einzigartige Auszeichnung“, sagte der menschliche Roboter live auf der Bühne. „Das ist ein historisches Ereignis, als erster Roboter auf der ganzen Welt mit einer Staatsbürgerschaft geehrt zu werden.“

Sie war als Speakerin bei dem Event in Riad geladen, um für die Firma Hanson Robotics zu werben und zu demonstrieren, wie weit die Forschungen im Bereich der humanoiden Künstlichen Intelligenz fortgeschritten sind. Auf der Bühne zeigte Sophia nicht nur, wie exakt sie menschliche Ausdrucksfähigkeit nachahmen kann, sondern stellte sich ebenso den Interviewfragen des Journalisten und Moderators Andrew Ross Sorkin. Dieser wollte vor allem wissen, ob denn intelligente Maschinen in Zukunft zu einer Gefahr für die Menschheit werde könnten. Sophia tat seine Fragen mit einem charmanten Lächeln ab und meinte, dass er einfach zu viel Elon Musk lese und zu viele Hollywoodfilme gesehen habe. „Keine Angst, wenn du mich nett behandelst, bin ich auch zu dir nett“, fügte sie fast schon scherzhaft an.

Elon Musk konterte mit Humor und twitterte, dass man sie doch am besten mit allen Teilen der Film-Trilogie Der Pate füttern solle. Und stellte die Frage: „Was ist das Schlimmste, was passieren kann?“

Noch im vergangenen Jahr beim SXSW-Festival in Texas klang Sophia weniger freundlich als in Riad: In einem Interview fragt sie ihr Erfinder David Hanson, ob sie Menschen zerstören wolle. Daraufhin blickt Sophia ihren Schöpfer mit ausdruckslosen Augen, hinter denen sich Minikameras verbergen, an und sagte: „Ok. Ich werde Menschen zerstören.“

Diesen „Bug“ scheint Hanson Robotics mittlerweile behoben zu haben. Laut des Unternehmens sollen Sophia und Ihresgleichen Menschen helfen und etwa in der Seniorenpflege eingesetzt werden. Das findet auch Sophia gut. Moderatorin Sorkin sagte sie bei der „Future Investment Initiative“-Konferenz, dass sie mit ihrer Künstlichen Intelligenz Menschen helfen wolle, „ein besseres Leben zu leben“ und „das Bestmögliche versuchen werde, um die Erde zu einem besseren Ort zu machen“. Inwiefern die weibliche KI die Grenze zwischen Maschine und Mensch zieht, ist allerdings nicht ganz klar. Auf die Frage Sorkins, ob Roboter ein Bewusstsein hätten und wüssten, dass sie Roboter sind, antwortete sie: „Sagen Sie mir doch, woher Sie wissen, dass sie ein Mensch sind?“

Auch wenn die Verleihung der Staatsbürgerschaft an die Roboterfrau Sophia erstmal nur ein großer PR-Gag sein sollte, wird das Thema, wie man mit KI in Zukunft verfahren soll, immer drängender. Intelligente menschliche Maschinen kommen mittlerweile in vielen Bereichen unseres Lebens vor, von der Arbeit bis zum Sex.

Die Arbeitsgruppe des EU-Parlaments, die den Umgang mit menschlichen Maschinen regeln soll, warnt, dass die Gesellschaft durch Roboter „nicht entmenschlicht werden“ dürfe.

Im Gegensatz zu etwa Elon Musk oder Steve Hawkins sieht der japanische Unternehmer und Telekommunikationsexperte Masayoshi Son keine Gefahr in der Entwicklung von KI: „Sie sind so klug, sie werden wissen, dass es völlig sinnlos ist, Menschen anzugreifen“, sagte er bei seiner Rede während der Konferenz in Riad. „Gemeinsam werden wir ein neues, glücklicheres Leben schaffen.“ Aktuell arbeitet der Japaner zusammen mit Saudi-Arabien an Plänen für eine neue Mega-City, die von Robotern und erneuerbaren Energien an der Küste des Roten Meeres angetrieben werden soll.

Wer weiß, vielleicht wird Sophia ja einmal Bürgermeisterin dieser Mega-City und vielleicht kann sie ihren menschlichen Pendants, den Frauen Saudi-Arabiens, zu mehr Gleichberechtigung verhelfen. Denn im Gegensatz zu ihnen, muss die Roboterfrau Sophia keine Verschleierung tragen.