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Keiner mag das neue Instagram-Logo? Unser Art Director schon

Axel Lauer 12.05.2016

Instagram hat sein Logo verändert. Aus der 3D-Polaroid-Kamera ist ein flacher Umriss mit dominantem Farbverlauf geworden. Viele User beschweren sich, andere machen sich über das neue Emblem lustig. WIRED-Art-Director Axel Lauer erklärt, warum Instagram trotzdem den richtigen Weg eingeschlagen hat.

Hat der Grafiker nichts drauf, macht er einen Verlauf. Das ist ein berühmter Spruch unter Designern. Er macht sich über genau das lustig, was am neuen Instagram-Logo als erstes auffällt: der dominante Farbverlauf. Dennoch ist das Symbol alles andere als einfallslos. Das soziale Netzwerk braucht genau diese Art von Veränderung.

Farbverläufe werden im Grafikdesign meist dann verwendet, wenn man mit simplen Mitteln eine große Wirkung erzielen möchte. Der Grund: Sie sind in der Natur nur selten zu beobachten. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Regenbogen. Ähnliches kann man leicht auch mit 3D-Effekten oder Schatten erreichen: Mit ein paar Klicks sieht plötzlich jedes Logo besser aus. Ein einfacher Trick.

Doch dem neuen Instagram-Logo kann man nicht vorwerfen, es stehe ohne Hintergedanken da. Der Farbverlauf gehört bei Instagram schon immer zur Identität. Instagram hat sich also absichtlich für einen eigentlich billigen Effekt entschieden, um seiner Marke treu zu bleiben.

Einfarbig aufzutreten war für die Foto-App keine Alternative. Das wäre zu langweilig – und würde sich auch nicht mit Instagrams Erbe decken. Der Farbverlauf in der linken, oberen Ecke des alten Logos stammt noch aus der Polaroid-Zeit, ähnlich wie Instagrams quadratisches Fotoformat. Das einzige, was man hier also kritisieren kann: Statt sich an der klassischen Farbpalette zu orientieren, haben die Designer sich für eine völlig neue Komposition entschieden.

Das Logo folgt einem klaren Trend, den Tech-Firmen wie Google, Airbnb und Uber (Axel Lauers Kommentar zum neuen Logo des Ridesharing-Dienstes) vorgelegt haben: Es hat keine Schatten und keine Tiefen. Es ist flat, wie man als Designer sagt. Und solche Logos sind vor allem für Smartphone-Monitore optimiert. Die simplen, klaren Symbole verhindern, dass der Startbildschirm durch zu kleinteilige Bilder chaotisch wird. Die Apps verschiedener Unternehmen reihen sich so zu einer schönen Gesamtkomposition auf. Das fällt vor allem auf, wenn man – was naheliegt – seine iPhone-Fotos-App neben Instagram ablegt.

Ein minimalistisches Logo entspricht der derzeitigen Design-Philosophie des Internets. Während man früher von Popups, Werbung und kleinteiligen Seitenleisten überwältigt wurde, distanzieren sich immer mehr Firmen von solchen Elementen. Sie wollen zum Ruhepol im Content-Stream werden, damit der User auf ihrer Seite nicht vom Wesentlichen abgelenkt wird. Was siegt, sind Weißraum und Reduktion. Und diesem Trend folgen auch die Logos von Unternehmen.

Eigentlich galt für Firmen jahrzehntelang: Ändere nie dein Logo! Doch das ist heute passé, in einer Zeit, in der Tech-Unternehmen die Trends vorgeben. Die ewige Iteration und Weiterentwicklung der eigenen Produkte ist für sie Normalität. Während traditionelle Unternehmen wie Coca Cola oder BMW sich nur langsam und vorsichtig verändern, ist der Wandel bei den Silicon-Valley-Größen oft radikal schnell.

Eine ständige Weiterentwicklung von Logos gehört zu unserer digitalen Welt wie die nächste Version eines Betriebssystems oder die nächste Generation des iPhones. Und daran sollten wir uns gewöhnen. Sich mit dem eigenen Design an aktuellen Trends zu orientieren ist nichts schlechtes. Instagram hat also viel richtig gemacht.

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