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Diese Läster-App erobert derzeit das Silicon Valley

Kim Richters, Gruenderszene 07.08.2017

Sexuelle Belästigung oder eine bevorstehende Übernahme – Techies im Silicon Valley nutzen die App Blind, um sich anonym auszutauschen. Was steckt dahinter?

Bisher waren Apps, mit denen man anonym mit anderen chatten kann, nicht besonders erfolgreich. So haben zum Beispiel Secret und Yik Yak ihren Betrieb seit dem gefeierten Start eingestellt, weil es ihnen nicht gelang, die nötige Masse an Nutzern zu gewinnen und Mobbing-Vorwürfe überhand nahmen. Nun sorgt aber seit einer Weile eine neue Anwendung für Aufsehen – und erhält immer neue User: die App Blind.

Sie bietet Mitarbeitern eines Unternehmens die Möglichkeit, in exklusiven Chats anonym zu kommunizieren oder sich mit Angestellten aus einem ähnlichen Bereich, aber von anderen Firmen auszutauschen. Mitarbeiter von Tech-Firmen im Silicon Valley nutzen die App beispielsweise, um sich über Unternehmenskultur, Entlassungen, Gehälter oder Pläne ihrer Arbeitgeber zu unterhalten – auch das ohne Namensnennung.

Während die kostenlose App zuvor nur für rund 100 Tech-Unternehmen verfügbar war, können sich mittlerweile Mitarbeiter aus jeder US-Firma mit Tech-Fokus anmelden, um einen Channel zu eröffnen, wie das Tech-Portal Mashable vor Kurzem berichtete. Um den Fokus auf Tech-Angestellte zu halten, verifiziert das Startup nach eigenen Angaben jeden potentiellen Nutzer mithilfe der beruflichen E-Mail-Adresse oder dem LinkedIn- oder Facebook-Profil. Blind betont auf seiner Homepage, dass die User dennoch vollkommen anonym seien, das Startup nutze eine patentierte IT-Lösung, die dafür sorge, dass nicht mal die Blind-Mitarbeiter wüssten, wer sich dort anmelde. 

Seinen Ursprung hat die App Medienberichten zufolge in Südkorea, dort wurde sie bereits 2013 von einem Team ehemaliger Mitarbeiter des Internetunternehmens Naver gestartet. Seit 2015 ist sie auch in den USA verfügbar – wo ihre Bekanntheit durch Aufsehen erregende Vorfälle in der Tech-Welt anstieg. So sollen Blind-Nutzer bereits einige Tage vor der offiziellen Ankündigung von der LinkedIn-Übernahme durch Microsoft gewusst haben. Und als Anfang des Jahres eine Programmiererin dem Unternehmen Uber Sexismus vorwarf und von sexueller Belästigung berichtete, teilten Angestellte auf Blind eigene Erfahrungen.

Während manche Nutzer Blind etwa als Lösung sehen, ehrliches Feedback für ein neues Produkt oder die Unternehmenskultur zu bekommen, gefällt die App nicht jedem Arbeitgeber. Kein Wunder, immerhin werden hier auch Betriebsgeheimnisse offengelegt. Uber ging so weit und blockierte den Zugang zur App über das interne WLAN, schrieb Business Insider. Kurz darauf zog das Mitfahr-Startup das Verbot jedoch wieder zurück.

Nach Angaben von Blind nutzen mittlerweile etwa 25.000 Microsoft-Mitarbeiter und 4000 Angestellte von Uber die App, ebenso wie Angestellte von Facebook, Google, Intel und WeWork. Gesamte Nutzerzahlen kommentiert das Startup in Presseberichten bisher aber nicht. Bisher finanziert sich das Team über Risikokapital. Seit dem Start konnte das Unternehmen sechs Millionen US-Dollar einsammeln, unter anderem von dem Valley-Investor DCM Ventures – der auch an der gescheiterten anonymen App Yik Yak beteiligt war.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene.
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