/Architektur

Endet auch Bill Gates Smart City als Geisterstadt?

Michael Förtsch 13.11.2017 Lesezeit 3 Min

Der Microsoft-Gründer Bill Gates hat einen Landstrich westlich von Phoenix gekauft. Dort will er eine Smart City für über 100.000 Einwohner errichten. Jedoch scheint die Einöde alles andere als perfekt für die Stadt, die letztlich als leblose Schein-Utopie enden könnte.

Ganze 80 Millionen US-Dollar soll Bill Gates für die 100 Quadratkilometer an Land im West Valley gezahlt haben. Abgewickelt wurde das Geschäft über die eigens gegründete Investmentfirma Belmont Partners. Die hat in einem Immobilienbericht ausgeführt, was der Microsoft-Gründer mit dem riesigen Gebiet nahe Phoenix, Arizona vorhat. Er wolle dort die Smart City Belmont gründen. Also eine gänzlich neue Gemeinde, die ihren Bewohnern eine „vorwärtsgedachte Kommunikations- und Verkehrsinfrastruktur“ bieten soll. Die Stadt würde von Beginn an im Sinne der bereits existierenden aber ebenso der kommenden technologischen Umbrüche gestaltet.

Der Grundriss von Belmont, die Anordnung von Gewerbe-, Wohn- und Industriearealen soll beispielsweise auf autonome Fahrzeuge und Lieferdrohnen ausgerichtet sein. Die Energieversorgung würde auf die Anforderungen von Data Centern, neuen Fertigungsindustrien und Vertriebsmethoden optimiert und alles um „digitale High-Speed-Netzwerke“ herumgestaltet. Was das im Einzelnen bedeutet, dahingehend macht Belmont Partners noch keine konkreten Aussagen. Jedoch würde die Stadt zunächst rund 80.000 Wohneinheiten umfassen, solle aber langfristig über 150.000 Menschen ein Zuhause bieten. Mindestens 15 Quadratkilometer sind zudem für Geschäfte und Büros reserviert sein. Als Größenrichtwert ziehen die Planer die Stadt Tempe, Arizona heran, die heute knapp 160.000 Einwohner zählt.

Dass es Bill Gates mit der Stadtgründung durchaus erst ist, zeigt der Plan, binnen der kommenden Jahre, eine Highway-Anbindung für Belmont nach Las Vegas zu schaffen. Dabei ist sein Projekt nicht unumstritten. Wie die Tageszeitung The Seattle Times anführt, würde Gates sicherlich wohl „einiges wissen wollen, dass ihm die Einheimischen nicht gesagt haben“. Denn es wäre zweifelhaft, ob der Landstrich eine Population, wie sie für Belmont angedacht ist, überhaupt zulässt. Das Gebiet sei trocken und biete keine Wasserreservoirs . Eine weitere Stadt aus dem Colorado River und Lake Mead zu versorgen, wäre nahezu ausgeschlossen. Bereits in den vergangenen Jahren wurde in Arizona immer wieder das Wasser knapp. Wie das Problem angegangen werden soll? Das ist bisher unklar.

Bill Gates könnte zusätzlich über ähnliche Probleme stolpern, wie schon andere ambitionierte Städtebauer. In Südkorea wächst mit dem Songdo International Business District bereits seit fast zehn Jahren eine Smart City, die an die Metropole Incheon angegliedert ist. Heizung und Licht in allen Wohnungen kann ferngesteuert werden. Kameras und Sensoren überwachen stetig den Verkehrsfluss. Kommen Busse oder eine Bahnen auch nur wenige Minuten zu spät, werden die Bewohner sofort per Nachricht auf ihren Smartphones informiert. Ebenso sind die Einwohner mit einer einzigen Karte ausgerüstet, die sowohl als Hausschlüssel, Versicherungsnachweis, Bahnticket und Zahlungsmittel dient. Ein Utopia ist Songdo aber nicht.

Vielmehr stehen zahlreiche der Wohnungen in der koreanischen Smart City leer. Die Straßen wirken wie ausgestorben. Denn wegen Finanznöten blieben viele Grundstücke unbebaut. Geschäfte und Restaurants sind spärlich verteilt und die ÖPNV-Anbindungen nach Incheon umständlich. All das macht die moderne Smart City als Wohnort unattraktiv. Ähnliches gilt für die Öko-Stadt Masdar City in Abu Dhabi. Auch deren Entwicklung verläuft eher schleppend und holprig. Bereits 2016 sollte die für 47.500 Einwohner angedachte Stadt fertiggestellt sein. Heute ist nur ein Bruchteil vollendet. Vergleichsweise wenige der auf CO2-Neutralität optimierten Büro-, Wohnanlagen und Bildungseinrichtungen sind in Benutzung. Aktuell leben dort hauptsächlich Studenten und Lehrkräfte des Masdar Institute of Science and Technology. In den kommenden Jahren soll die Bevölkerung der Stadt wohl auf gerade einmal 3.500 Menschen anwachsen.