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US-Forscher: Die Rekordpreise von Bitcoin waren fake!

Michael Förtsch 14.06.2018 Lesezeit 3 Min

Im vergangenen Jahr erreichte Bitcoin wahnwitzige Spitzenpreise. Nun hingegen befindet sich die Digitalwährung auf Talfahrt. Was ist da los? Laut Forschern waren die Kursrekorde wohl Manipulation.

Es grenzte schon an Irrsinn, wie Bitcoin Ende 2017 einen Spitzenpreis nach dem nächsten erzielte. Von 3.800 Euro im September kletterte er Anfang November auf 6.200 Euro und dann auf ein Hoch von 16.000 Euro. Kryptowährung wie Ether, Litecoin und andere wurden von der Euphorie mitgerissen – ebenso wie zahlreiche Händler und Investoren. Zum Jahreswechsel begann der Kurs wieder zu fallen – und die Preise schwangen sich auf ein hohes aber nachvollziehbares Niveau ein. Aber: Woher kam der plötzliche Höhenflug? Genau das wollen nun Forscher der Universität von Texas in einer umfassenden Studie herausgefunden haben – und scheinen dabei Spekulationen vieler Kritiker zu bestätigen.

Die Forscher um den Wirtschaftswissenschaftler John Griffin katalogisierten den Wertverlauf von Bitcoin und anderen Währungen auf Kryptobörsen, verzeichneten markante Kursschwankungen und glichen sie mit den Transaktionen ab, die in den Blockchains protokolliert sind. Dabei konzentrierten sie sich auf den Zeitraum März 2017 bis März 2018. Sie hofften, Muster zu finden, die die Ausschläge und Täler erklären würden – und hatten Erfolg.

Den Forschern zufolge könnte der Exchange Bitfinex die Preise von Bitcoin gezielt und ziemlich wirksam manipuliert haben. Dafür hätten die Verantwortlichen die Kryptowährung Tether genutzt, die seit 2015 im Umlauf ist. Tether wurde von der Firma Tether Ltd. geschaffen, deren Gründer der mysteriöse Ludovicus van der Velde ist, der eben auch Bitfinex leitet.

Tether ist mehrheitlich eine Einlage- oder Zwischenwährung. Wer auf Bitfinex handeln möchte, der tauscht seine Einlagen zunächst in Tether, um damit anschließend andere Kryptowährungen zu erwerben. Geknüpft ist Tether an den Wert des US-Dollar. Daher soll jeder Tether angeblich durch eine Rücklage eines echten US-Dollar gedeckt sein – etwas, das jedoch stark angezweifelt wird.

Kam es im vergangenen Jahr zu Marktabschwüngen – also schwächelte Bitcoin –, so ermittelten Griffin und seine Mitarbeiter, fluteten großen Mengen von Tether den Markt. Die wären dann „in einer koordinierten Weise“ genutzt worden, um Bitcoin „zu kaufen, was den Preis hochtreibt.“ Passiert wäre das insbesondere bei „runden Preisen“ – also Schwellenwerten wie der 4.000-, 6.000 oder 10.000 US-Dollar-Marke – und vor Monatsenden.

Bitfinex simulierte damit eine Nachfrage, die echte Investoren anreizte, tatsächlich Bitcoin und andere Kryptowährungen zu kaufen. Da Tether allem voran auf Bitfinex genutzt wird, stieg der Preis zuvorderst dort – und andere Exchanges zogen nach. Mindestens 87 stichhaltige Eingriffe wollen die Wissenschaftler identifiziert haben. Die wären für fast 50 Prozent des Wertzuwachses von Bitcoin zwischen März 2017 bis Ende März 2018 verantwortlich.

Vor allem die Asymmetrie zwischen den Käufen und Verkäufen von Bitcoin und Tether stütze die Vermutung: Wenn der Bitcoin-Preis fiel, stiegen die Käufe mit Tether an. Während der Preis von Bitcoin natürlich an- oder weiterstieg, gab es keine rückläufige Bewegung. Das deute an, dass „Tether genutzt wurde, um den Preis von Bitcoin bei Abschwüngen zu schützen.“ Derartige Muster könnten nicht durch natürlich Marktbewegungen und Nachfrage erklärt werden. Sie „passieren nicht einfach zufällig.“

Welche Folgen die Studie haben könnte, ist noch nicht absehbar. Jedoch dürften sich viele Kritiker in ihrer Annahme bestätigt sehen, dass Bitcoin und andere Kryptowährung stark für Manipulationen anfällig sind. Schon vor der Studie wurde mehrfach gemutmaßt, dass Bitfinex und andere Exchanges Preise nach oben und unten treiben könnten. Das US-Justizministerium hatte erst Ende Mai angekündigt, möglichen Manipulationen von Kryptowährung nachzugehen, die Investoren zum Kauf oder Verkauf verführen könnten.