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Dieses Start-Up will Schlaglöcher mit Smartphones und KI aufspüren

Tobias Schaffrath Rosario 29.11.2018 Lesezeit 4 Min

Mit günstigen Geräten und ein bisschen Künstlicher Intelligenz sollen Kommunen selbst den Zustand ihrer Straßen analysieren können. Eine neue Technik des Start-ups Vialytics soll so den Kampf gegen Schlaglöcher revolutionieren. Letzte Woche wurden die Stuttgarter für diese Idee mit dem „Smart Country Startup Award“ des Bitkom ausgezeichnet.

Wer kennt das nicht: Nervige Schlaglöcher oder Risse in den Straßen, die einem den Fahrspaß nehmen. Danilo Jovicic, Patrick Glaser und Achim Hoth wollten sich damit nicht mehr abfinden, als sie 2017 die Firma Vialytics gründeten. Sie wollen Kommunen dabei unterstützen, ihre Straßen besser und gezielter in Schuss zu halten. Dabei setzen sie beim ersten Arbeitsschritt der Straßenerhaltung an: Wie kann eine Kommune den Zustand ihrer Straßen systematisch und ermitteln und damit erkennen, wo eine Reparatur besonders dringend ist, ohne dafür jedes Mal ein teures Ingenieurbüro engagieren zu müssen?

Die Lösung von Vialytics greift auf das Naheliegende zurück: Die Kommunen schicken täglich Fahrzeuge auf die Straßen – Kehrfahrzeuge, die Autos der Müllabfuhr und viele mehr. Warum nicht einfach diese Fahrzeuge mit Kameras ausstatten, die in regelmäßigen Abständen Bilder von der Straße aufnehmen, und dann diese Bilder auswerten? Genau das macht Vialytics. „Wir modifizieren Smartphones, die an der Frontschutzscheibe platziert werden können und in Abständen von 4 Metern regelmäßig Fotos von der Straße schießen. Diese Bilder werden dann von einer KI analysiert“, beschreibt Danilo Jovicic von Vialytics ihr Produkt im Gespräch mit WIRED. Am Ende können sich dann die Tiefbauexperten der Kommunen über den Zustand ihrer Straßen in Echtzeit auf einer Karte in ihrem Browser informieren.

Die KI erkennt, wie schwer ein Schaden ist

Die Künstliche Intelligenz soll den Mitarbeitern der Kommunen die Arbeit noch leichter machen. Trainiert durch maschinelles Lernen erkennt sie automatisch, um was für eine Art von Schaden es sich handelt und wie hoch das Ausmaß des Schadens ist. Auch das zeigt sie dann auf der Karte mit an. In Zukunft soll die KI sogar noch mehr können: „Wir wollen uns nicht nur darauf beschränken, Schäden korrekt zu erkennen und zu kategorisieren. Wir wollen unsere KI dahingehend trainieren, dass durch die Analyse des Änderungsverlaufs und dem Hinzuziehen von Verkehrsaufkommen und Wetterdaten Prognosen über die Veränderung des Straßenzustands abgegeben werden“, so Jovicic. Die KI soll also vorwarnen können, wo die nächsten Schlaglöcher entstehen können, weil sie mitbekommt, welche Straßen besonders stark befahren sind oder wenn Eis und Kälte den Asphalt beschädigen.

Die Idee von Vialytics lässt sich aber nicht umsetzen, ohne auch über die vielen Daten zu diskutieren, die dadurch anfallen. Denn Fahrzeuge, die durch die Stadt fahren und permanent Bilder von der Umgebung machen, lassen bei Datenschützern die Alarmglocken klingeln. Vor allem, weil diese Bilder dann in einer Cloud abgespeichert werden. Um Problemen mit Persönlichkeitsrechten zuvorzukommen hat Vialytics eine zweite KI entwickelt: Bevor die Bilder in die Cloud geladen werden, zensiert die zweite KI die Bilder zunächst. Alle Personen auf den Bildern – Fußgänger, Radfahrer, erkennbare Autofahrer – werden automatisch geschwärzt und sind nicht mehr identifizierbar. Daher, und weil die Server von Vialytics in Deutschland stehen, ist die Anwendung ihrer Smartphones DSVGO-konform.

Fünf Kommunen nutzen das System schon

Vialytics ist erfolgreich. Aus den drei Gründungsmitgliedern sind inzwischen elf Mitarbeiter geworden. Das System ist seit Sommer 2018 in fünf Kommunen in Baden-Württemberg im Einsatz. „Aktuell stehen wir mit 20 Kommunen im Kontakt, die uns beauftragen wollen,“ berichtet Danilo Jovicic. 2019 wird das System dann vermutlich quer durch Deutschland im Einsatz sein. Auch erste ausländische Städte haben sich gemeldet. Passen dazu wurde Vialytics nun mit dem Smart Country Startup Award des Branchenverbands Bitkom in der Kategorie „Smart-City“ ausgezeichnet.