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So funktioniert die Kryptowährung Ripple

Klemens Kilic 17.04.2018 Lesezeit 6 Min

Die Kryptowährung Ripple (XRP) hat sich seit ihrer Entwicklung 2012 schnell in die Top drei der Kryptowährungen hochgearbeitet. Während Bitcoin als erste und bekannteste Kryptowährung auch Überweisungen ohne den Einfluss von Banken zulässt, will Ripple genau das Gegenteil: Es will das Bitcoin für Banken sein. WIRED erklärt, was ihr über die digitale Währung wissen solltet.

Ripples Kryptowährung XRP ist mit einer Marktkapitalisierung von über 20 Milliarden Euro derzeit die dritterfolgreichste der Welt, mit einem guten Abstand zu Bitcoin und Ether. Aber wer hat sein Geld in Ripple investiert? Viel davon stammt von traditionellen Banken, die so auch Teil am Blockchain-Trend haben wollen.

Das erklärte Ziel der Ripple-Gründer ist simpel: Sie wollen die Transaktionskosten beim globalen Verkehr von Geldmitteln und Wertpapieren radikal senken. Dafür haben sie eine Kryptowährung entwickelt, die Transaktionen in Sekundenschnelle und beinahe ohne Gebühren möglich macht. Aber warum ist das überhaupt notwendig? Könnten Banken dieses Problem nicht auch ohne die Technologie der Kryptowährungen lösen?

Welches Problem soll Ripple lösen?

Wenn im klassischen Bankgeschäft Geld von einer Bank an eine andere wechselt, wird es mit einem digitalen Schuldschein überschrieben. Kurz gesagt: Die Bank, die das Geld bekommt, hat dann Schulden bei der, die es überwiesen hat. Die Details dieses Geschäfts werden über Swift ausgehandelt, sind kompliziert und kosten wegen des großen Aufwands viel Geld. Nicht nur für die Banken, sondern auch für die Kunden.

Dazu kommt der Aspekt langer Wartezeiten: Wird heute eine größere Summe über Landesgrenzen verschoben, kann eine Geldbewegung im besten Fall mehrere Stunden dauern. Ist der Dienstleister aufgrund zu vieler Transaktionen überlastet, können auch mal eine Transferdauer von mehreren Tagen entstehen.

Wer als Privatperson Geld bisher schnell und über Ländergrenzen hinweg schicken will, der muss einen Dienst wie Western Union oder Paypal nutzen. Und diese Dienste ziehen hohe Gebühren für diesen Service ein. Paypal zum Beispiel verlangt drei Prozent vom Überweisungswert, wenn mit dem Transfer ein Währungswechsel einhergeht. Angesichts der großen Geldsummen, die in Zeiten der Globalisierung über Ländergrenzen hinweg verschoben werden, sind hohe Gebühren nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Unternehmen ein großes Ärgernis. Hier möchte Ripple Abhilfe schaffen.

Wie sieht Ripples Lösung aus?

Um das Konzept hinter Ripple verstehen zu können, ist es hilfreich, sich das zugrundeliegende System vereinfacht an einem Beispiel zu veranschaulichen: Wenn Lisa aus Deutschland Ripples Dienstleistung nutzen möchte, um Peter aus Großbritannien 1000 Euro zu überweisen, geht sie zu einem mit Ripple kooperierenden Finanzinstitut. Dort nennt sie den Geldbetrag, den sie nach Großbritannien schicken möchte und ein mit Ripple kooperierendes Finanzinstitut in Großbritannien, das mit Peter in Kontakt steht. Das deutsche Finanzinstitut verfährt nun so, dass es XRP im Wert von 1000 Euro dem britischen Finanzinstitut überweist. Dieses bezahlt Peter dann wiederum den entsprechenden Gegenwert in Pfund aus.

Ripple kann also als Mittler bei einem Währungswechsel auftreten, der den normalerweise kostspieligen und langwierigen Transfer von Euro zu Pfund extrem vergünstigt und beschleunigt. Vergünstigt wird der Geldtransfer dadurch, dass Finanzinstitute sich Arbeitskraft sparen können, weil vieles durch die Technologie hinter der Ripple-Währung XRP automatisiert werden würde. Die Effizienz steigt also und dadurch könnten auch Kosten für den Endnutzer wegfallen – oder die Banken vergüten ihre Manager besser.

Ein Beispiel für solch einen Kostenfaktor: Zur Zeit helfen Organisationen wie Swift den Banken dabei, ihre digitalen Schuldscheine zu verwalten. Würden Banken Ripple nutzen, dann fiele Swift als Mittler weg – und damit eine Menge teurer Bürokratie.

Zugriff auf das Ripple-Netzwerk erhalten Banken oder andere Finanzinstitute über sogenannte Gateways (auf Deutsch: Tore). Diese Knotenpunkte bilden das digitale Kassenbuch von Ripple. Im Gegensatz zu Bitcoin hat Ripple keine Blockchain. Dennoch setzt XRP auch auf ein dezentrales System, in dem alle Netzwerkteilnehmer Transaktionen validieren. Dieses auf die Gateways verteilte, digitale Kassenbuch von Ripple zeichnet jede Überweisung auf.

Ripple erlaubt mehr als nur Geldtransfers

Ripples Währung XRP übernimmt die Rolle eines Mittlers zwischen zwei Werteinheiten. Und dabei ist Ripple keineswegs auf Fiatgeld (offizielles Zahlungsmittel von Staaten) beschränkt, sondern kann genauso für Transaktionen zwischen anderen Werteinheiten verwandt werden: Egal ob Gold, Bitcoin, Pfund, Dollar, oder Euro, Ripple ist es egal, mit was bezahlt wird. Die einzige Voraussetzung ist, dass der Wert des Tauschguts objektiv bemessen werden kann.

Um nochmal zum obigen Beispiel zurückzukehren: Lisa kann ihrem Finanzinstitut also auch zum Beispiel Gold als Werteinheit übergeben. Das Finanzinstitut sendet das entsprechende Äquivalent in Ripple dann an das britische Finanzinstitut, welches Peter dann auf seinen Wunsch hin das Geld auch in Bitcoin auszahlen kann. Ripple könnte also zu einer Art Metawährung werden, die Geschäftspartner zusammenbringt, egal mit welchen Währungen sie sonst arbeiten.

Es gibt jedoch auch Kritik an Ripple

Ripple will den Bankensektor aufmischen, indem es die revolutionäre Technologie der Kryptowährungen in den traditionellen Finanzsektor bringt. Das stößt bei vielen Blockchain-Ethusiasten auf Ablehnung. Die Blockchain wurde erschaffen, um Banken überflüssig zu machen und dem zentralisierten Geldsystem eine innovative, dezentrale Alternative entgegenzusetzen. Und jetzt kommt Ripple und nutzt die Technologie, um dem Bankensystem unter die Arme zu greifen – so die Kritiker.

Die Firma hinter Ripple (Ripple Labs) steht direkt mit Finanzinstituten in Verbindung und hat schon zahlreiche Verträge mit namhaften Banken wie zum Beispiel American Express und Banco Santander abgeschlossen. Daher ist es kein Wunder, dass Ripple auf der einen Seite bei seinen Investoren beliebt ist, da der Kurs rasant anstieg, als diese Partnerschaften angekündigt wurden. Auf der anderen Seite stößt die Währung vor allem bei langjährigen Kryptofans auf Kritik.

Ripples Kryptowährung XRP ist zwar keineswegs zentralisiert. Dennoch werden viele Nodes, also die Knotenpunkte des Ripple-Netzwerks noch immer von der Firma selbst betrieben. Daher ist es nicht verkehrt, Ripple zumindest ein gewisses Maß an Zentralisierung zu unterstellen. Das soll sich jedoch laut Brad Garlinghouse ändern, dem CEO und Gründer der Währung: In naher Zukunft sollen solche Nodes von Dritten betrieben werden.

Die Kryptowährung Ripple hat für Privatanwender keinen direkten Nutzen – außer vielleicht als Spekulationsgut – ist dafür aber ein geeignetes Werkzeug, um den digitalen Geldtransfer effektiver zu machen. Egal ob man Ripples Kooperation mit klassischen Banken gutheißt oder nicht.