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Die zwei Bitcoin-Währungen werden sich nie versöhnen

Klemens Kilic 23.05.2018 Lesezeit 4 Min

Die Fans der beiden Kryptowährungen Bitcoin und Bitcoin Cash haben sich unversöhnlich zerstritten und der Konflikt spitzt sich weiter zu. Durch das Update von Bitcoin Cash am 15. Mai wird klar: Die aus einer Vision entstandenen Projekte werden grundsätzlich unterschiedliche Wege gehen. WIRED erklärt warum.

Die Geschichte der Kryptowährungen Bitcoin und Bitcoin Cash liest sich fast wie der Gründungsmythos des römischen Reiches. Romulus und Remus kämpften bis zum Brudermord darum, wer der Namensgeber der Stadt und Herrscher über das kommende Reich werden sollte. Ähnlich ist es auch beim Konflikt zwischen Bitcoin und Bitcoin Cash.

Zwei ehemals eng miteinander arbeitende Parteien liegen im Zwist und bekämpften sich. Während die Brüder aus der römischen Mythologie um das römische Reich kämpften, geht es den beiden Kryptowährungen um die Frage: Welches Kryptogeld ist das wahre Bitcoin? Denn nur einer kann Vorbild und Anführer der Szene sein.

Größere Blöcke sind nicht die Lösung

Der größte Streit zwischen den beiden Bitcoin-Währungen ist die Blockgröße – und mit dem aktuellen Update vom 15. Mai geht der jetzt in die nächste Phase: Obwohl die Blöcke bei Bitcoin Cash bereits vor dem Update doppelt so groß waren wie die des Bruders, wurde ihre Größe jetzt vervierfacht: von acht auf 32 MB. Der Grund für diese Entscheidung: Je mehr Platz es auf der Blockchain gibt, desto mehr und günstigere Transaktionen sind möglich.

Die Entwickler von Bitcoin haben sich bewusst gegen größere Blöcke entschieden, da sie befürchten, dass sich so das Ökosystem stärker zentralisieren könnte. Sie argumentieren, dass durch die größeren Blöcke die Datenlast zunehmen würde. Die Nodes also deutlich stärker belastet werden. Die Nodes sind über den Globus verteilte und meist von Privatmenschen betriebene Computer, die als Teil des Netzwerks Transaktionen überprüfen.

Die These der Bitcoin-Entwickler: Wenn die Blockgröße steigt, dann wird es für Privatpersonen zu teuer, einen solchen Node zu betreiben. Jene Nodes, die übrig bleiben, gehören dann vor allem großen Firmen, auf die das Netzwerk dann angewiesen ist.

Die Entwickler von Bitcoin Cash halten dagegen: Laut dem Moor's Law steigt die Leistung von Computerchips exponentiell – bei stabilem Preis. Die neue Datenlast von großen Blöcken könnte also problemlos durch neue und schnellere Rechner aufgefangen werden.

Es gibt dazu jedoch ein Gegenargument: Bitcoin-Befürworter weisen darauf hin, dass Moor's Law bei Kryptowährungen nicht zum Tragen kommt, da dieses Gesetz sich lediglich auf die wachsende Speicherkapazität von Computern bezieht. Das Hauptproblem größerer Blöcke bestehe allerdings nicht darin, dass sie nicht mehr gespeichert werden können, sondern in der Bandbreite, die Transaktionen im Netzwerk dann beanspruchen. Und dieser Verarbeitungsprozess in den Nodes beschleunigt mit einer weitaus geringeren Rate als Moor's Law.

Die ursprüngliche Vision des Bitcoin-Erfinders

Beide Parteien des Streits beanspruchen für sich, der ursprünglichen Vision des Bitcoin-Erfinders Satoshi Nakamoto zu folgen. Aber keiner kann diesem Ideal derzeit gerecht werden: Bitcoin Cashs steigende Blockgröße führt zu Zentralisierung und der Bitcoin ist aufgrund seiner zuweilen hohen Transaktionskosten als Währung für den Alltag eher ungeeignet. Außerdem lässt das Lightning-Network - Bitcoins Lösung für das Skalierungsproblem - noch auf sich warten.

Da bis heute unbekannt ist, wer sich hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto verbirgt – und er oder sie 2011 untergetaucht ist – kann wohl nie abschließend geklärt werden, wie die Vision des Bitcoin-Erfinders aus seinem Whitepaper jetzt in der Realität am besten umgesetzt werden soll. Während Fans des Originals betonen, dass ein besonders hohes Maß an Dezentralisierung Satoshis Vision am nächsten komme, argumentieren die Unterstützer von Bitcoin Cash gerne mit dem Titel des Whitepapers: „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ (zu Deutsch: Eine elektronische Währung mit gleichberechtigten Partnern). Nur Bitcoin Cash verdiene diesen Titel, da Transaktionen per Bitcoin-Überweisung zu teuer seinen, um als digitale Währung praktikabel zu sein.

Verhärten sich die Fronten weiter, ist davon auszugehen, dass der Kampf kein gutes Ende nehmen wird. Es gibt bereits sehr drastische Desinformationskampagnen die absichtlich gefahren werden, um eine der beiden Währungen zu diskreditieren, die wohl auch in Zukunft anhalten werden. Es bleibt nur zu hoffen, dass am Ende nicht beide Seiten oder der Kryptomarkt als ganzes darunter leidet.