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Bitcoin Cash hatte eine Hard Fork – was steckt dahinter?

Klemens Kilic 18.05.2018 Lesezeit 5 Min

Bitcoin Cash hat am Dienstag eine Hard Fork vollzogen. Eine Art Update, das nun schnellere und günstigere Transaktionen erlaubt. WIRED erklärt die wichtgsten Fakten zur Fork.

Bitcoin Cash ist wie der jugendliche Sohn von Bitcoin, der ständig versucht, seinen Vater zu übertrumpfen. Bereits bei der Geburt der Währung warben die Entwickler damit, dass sie die größten Probleme von Bitcoin lösen wollen: schneller, billiger und skalierbarer sollte ihr neues Kryptogeld sein. Um diese Versprechen jetzt wahr werden zu lassen, bekam Bitcoin Cash ein Update – eine sogenannte Hard Fork. Doch was genau bedeutet das für seine Besitzer?

Die Entwickler hinter Bitcoin Cash haben ihr Protokoll einer drastischen Veränderung unterzogen. Nur wer das Update installiert, kann noch mit den eigenen Münzen zahlen. Die alte Blockchain wurde deaktiviert.

Auch bei anderen Kryptowährungen gab es bereits ähnliche Updates: Manchmal kommt es dann zu einer echten Spaltung, da die Entwickler sich nicht einig sind. Weil ein Teil von ihnen sich weigert, das Update zu installieren, benutzen sie weiter die alte Blockchain. Was dann passiert: Die Kryptowährung spaltet sich in zwei Devisen auf. Ähnliches ist zum Beispiel im Oktober 2016 mit Ethereum und Ethereum Classic passiert. Zu solch einem Streit kam es beim aktuellen Bitcoin-Cash-Update nicht.

Das sind die wichtigsten Änderungen

Die größte Änderung ist eine Anhebung der Blockgröße. Bisher lag diese bei 8 Megabyte und wurde auf 32 Megabyte angehoben, was einer Vervierfachung entspricht. Und das, obwohl das bisherige Limit von acht Megabyte bisher nicht annähernd erreicht wurde.

Das Entwicklerteam hinter Bitcoin Cash will damit vorausschauend handeln und seinen Coin für den Massenmarkt rüsten. Statt 56 Transaktionen wie bisher, sind nun 224 Transaktionen pro Sekunde möglich. Und davon profitieren die Nutzer: Die kosten für eine Bitcoin-Cash-Transaktion sinken, da sie nicht mehr so hart darum kämpfen müssen, dass ihre Überweisung einen Platz im nächsten Block erhält.

Das Update reaktiviert außerdem einige Codezeilen, die Bitcoin Cash von seinem Vorgänger Bitcoin übernommen hatte – die aber bisher weder bei Bitcoin noch bei Bitcoin Cash aktiviert worden waren. 2010 hatte der Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto diese Operations-Codes aus Sicherheitsgründen deaktiviert. Deshalb werden sie jetzt auch nur sehr vorsichtig und schrittweise in Bitcoin Cash eingefügt.

Die Operations-Codes geben Bitcoin Cash eine Vielzahl neuer Funktionen. So können neben Transaktionen auch weitere Daten auf der Blockchain gespeichert werden. Damit wurde das Fundament für Smart Contracts gelegt. Bitcoin Cash könnte also in Zukunft ähnlich wie Ethereum eine Plattform für dezentrale Apps werden.

Noch ist Bitcoin Cash aber nicht so weit, dass es Ethereum im Bereich dezentraler Applikationen den Rang ablaufen könnte. Zunächst ist es nur möglich, Token zu bauen, die einfache Funktionen besitzen, wie zum Beispiel den aktuellen Preis bestimmter Aktien zu verfolgen und aufzuzeichnen. Schrittweise sollen diese Funktionen dann ausgeweitet werden.

Mit der Fork haben die Entwickler von Bitcoin Cash ein klares Signal gegeben. Sie wollen deutlich machen, dass sie nicht davor zurückscheuen, Änderungen am Protokoll vorzunehmen, um den Coin innovativer zu gestalten. Der Bitcoin – den Bitcoin Cash von der Spitze verdrängen will – wird nämlich immer wieder dafür kritisiert, dass seine Entwickler nicht dazu bereit sind, Änderungen am Protokoll vorzunehmen, weil sie zu ängstlich um dessen Sicherheit seien. Bitcoin Cash soll zu diesem Ansatz die Antithese formulieren. Bisher reicht es für Bitcoins kleinen Bruder aber nur für den vierten Platz.

Nicht die erste Hard Fork

Tatsächlich ist die aktuelle Hard Fork nicht die erste in der Geschichte von Bitcoin Cash. Die Währung entstand am 1. August 2017 als Abspaltung von Bitcoin. Statt den Code für Bitcoin Cash von Grund auf neu zu programmieren, veröffentlichten die Entwickler ihn als Update für Bitcoin. Jeder Besitzer von Bitcoin bekam dabei dasselbe Guthaben in Bitcoin Cash gutgeschrieben. Die Währung verdoppelte quasi Bitcoin mit einigen kleinen Änderungen im Code.

Nicht immer muss ein Update gleich zu einer Hard Fork führen: Bei kleineren Änderungen bleibt die alte Version mit der neuen kompatibel. Die neuere Währung hat dann zum Beispiel nur ein paar zusätzliche Sicherheitsfunktionen. So etwas nennt sich dann Soft Fork – obwohl es unterschiedliche Software-Versionen gibt, arbeiten beide mit derselben Blockchain.

Bitcoin Cash ist also selbst eine Hard Fork von Bitcoin. Die Entwickler von Bitcoin waren sich Anfang 2017 uneinig darüber, welche technische Innovation es bedarf, um Transaktionen günstiger und schneller zu machen, ohne dass dabei die Sicherheit und Dezentralität des Netzwerks gefährdet wird. Grund für diese Überlegung: Eine steigende Zahl von Bitcoin-Nutzern führte zu einer allmählichen Überlastung des Netzwerks.

Während sich ein Teil der Entwickler für eine Erhöhung der Blockgröße von einem auf acht Megabyte aussprach, setzten sich andere für das Lightning Network ein. Weil beide Seiten zu keinem Kompromiss bereit waren, kam es zu immer mehr Zerwürfnissen in der Szene. Die Folge war die oben genannte Hard Fork in Bitcoin Cash.

Die aktuelle Hard Fork hat mit dem Konflikt von damals wenig zu tun. Auch wenn in beiden Fällen derselbe Begriff verwendet wird. Denn dieses Mal waren alle Entwickler von Bitcoin Cash sich einig: Sie spielten gleichzeitig das Update auf, um ihre Währung weiterzuentwickeln. Wer selbst Bitcoin Cash besitzt, muss sich also keine Sorgen machen – höchstens das eigene Wallet auf den neusten Stand bringen, wenn es der eigene Anbieter noch nicht getan hat.