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VPN sind digitale Deckmäntel, unsichtbar machen sie nicht!

Karsten Lemm 29.09.2017 Lesezeit 2 Min

VPN-Dienste boomen. Doch die Anonymität, die viele Nutzer erwarten, können sie nicht bieten. Worauf sollte man achten?

Nach der Landung in Hanoi ging Simon Specka jeder Kontakt zu seinen Facebook-Freunden verloren – der Staat hatte den Zugriff auf das soziale Netzwerk blockiert. Noch in Vietnam überlegte Specka sich eine Lösung: Er brauchte eine private Verbindung ins Internet, einen sogenannten VPN-Tunnel. Doch die Einrichtung war kompliziert.

Mit einem Studienfreund gründete Specka die Firma Zenmate. Die Berliner fanden einen Weg, die komplexe Technologie in einem Browser-Plugin unterzubringen. Heute, vier Jahre später, zählt ihr Startup zu den populärsten VPN-Anbietern in Europa. „Man merkt, wie das Thema in den Massenmarkt wandert“, sagt Specka. „Es gibt immer mehr Eingriffe in die Privatsphäre, die dazu führen, dass Menschen aufwachen.“

Lange waren es vor allem Firmen, die VPN-Tunnel nutzten, um Mitarbeiter auf Reisen mit internen Computer­systemen zu verbinden. Der Rech­ner baut dazu ein „virtuelles, privates Netzwerk“ auf (daher die Abkürzung VPN) und schützt Daten durch Verschlüsselung vor den Blicken anderer – ein wichtiges Plus in öffentlichen WLAN-Netzen. Auch die IP-­Adresse, die viel über die Herkunft verrät, ändert sich durch ein VPN.

Anonym macht die Technologie allerdings nicht, auch wenn Anbieter gern mit solchen Versprechen werben. „Die IP-­Adresse ist nur ein kleiner Teil des Bildes“, warnt der Sicherheitsexperte Mike Kuketz. Längst werten Datensammler eine Vielzahl von Informationen aus, um Surfern durchs Netz zu folgen, darunter der Gerätetyp, der Browser und selbst die Auflösung des Displays.

Dazu kommt, dass die Betreiber kommerzieller VPN-Dienste alles sehen können, was in ihrem Netz-im-Netz passiert, solange Verbindungen unverschlüsselt bleiben. „Wer wirklich anonym sein will“, sagt Kuketz, „muss viel Aufwand betreiben“, etwa durch einen Um­­stieg auf den Tor-Browser.

Gegen die Filterversuche autoritärer Regime helfen VPN-Dienste ebenfalls nur bedingt. Länder wie China oder Russland bekämpfen ausländische Anbieter, die sich ihrer Kontrolle entziehen, mit allen Mitteln. Im Gegenzug bemühen sich die VPN-Betreiber, Lücken in der staatlichen Firewall zu finden – mal mehr, mal weniger erfolgreich. „Ein VPN ist kein Allheilmittel“, räumt Zenmate-Mitgründer Specka ein. Den meisten Nutzern gehe es allerdings vor allem darum, im Netz „nicht komplett gläsern zu sein“.