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Neues vom Admin: Outlook für iOS ist viel weniger schlimm als befürchtet

Armin Hempel 30.01.2015

Ich hatte Angst vor dem Tag, an dem Microsoft beschließen würde, sein in weiten Teilen der Bevölkerung verhasstes Kommunikations- und Konfusionstalent Outlook auf mobile Endgeräte zu portieren. Gestern ist die E-Mail-App erschienen und macht (große Überraschung!) eigentlich gar keinen so schlechten Eindruck.

Amin Hempel ist Systemadministrator, obwohl er Musik- und Theaterwissen-schaft studiert hat. Wenn er nicht gerade mit Konsolen und Festplatten-Arrays ringt, schreibt er für WIRED Germany über Technologie- und Kulturthemen.

Outlook for iOS ist schlank, schnell und überzeugt mit einem schlüssigen Design. Ein Klick auf die Datenschutzbestimmungen im Homescreen klärt, warum das so ist: Die App basiert auf dem wahnsinnig guten, vor zwei Monaten von Microsoft aufgekauften Organizer Acompli. Und das Beste: Der Software-Riese hat im Vergleich zum Vorbild nicht viel verändert.

Acomp… äh Outlook für iOS begrüßt euch mit einem aufgeräumten Interface, aber auch gleich mit einem kleinen Manko: Mit normalen IMAP-Accounts kann es nichts anfangen, dafür bringt es eine Exchange-, iCloud-, Gmail-, Yahoo- und natürlich auch eine Outlook.com-Unterstützung mit.

Das Killer-Feature ist aber der aus Mailbox bekannte Prokrastinations-Button: Eingegangene Mails können für eine spätere Bearbeitung zurückgelegt werden, mit einem kleinen Wisch nach rechts lässt sich der Zeitpunkt für die erneute Vorlage einstellen und die Mail verschwindet bis dahin aus dem Posteingang. Nicht weniger überzeugend ist die wunderbar übersichtliche Aufstellung der letzten E-Mail-Anhänge. Das wird zumindest mir jede Menge Sucherei ersparen.

Außerdem gibt es bequeme Anbindungen an Dropbox, Google Drive und OneDrive, um Anhänge zu verwalten. Das E-Mail-Konto und der Kalender sind eng verzahnt. Wie im folgenden Video zu sehen, ist es kinderleicht, neben Einladungen zu Terminen auch freie Zeitabschnitte zu verschicken, um die mobile Terminvereinbarung etwas komfortabler zu gestalten.

Die deutsche Übersetzung der App lässt allerdings noch etwas zu wünschen übrig und produziert Stilblüten wie „Hier sind einige Zeiten, die für mich arbeiten“. Und noch ein Manko zum Schluss: Outlook kann nicht auf die iOS-Kontakte zugreifen, was für eine Mail-App eigentlich Pflichtprogramm ist. Hier muss dringend nachgebessert werden!

Alles in Allem ist Outlook for iOS aber ein guter Start für Microsoft, der zum Ausprobieren einlädt. Der bei weitem genialste Schachzug des Konzerns bleibt dabei aber, dass er jegliche Ähnlichkeiten mit den Desktop-Varianten von Outlook unter Windows oder Mac OS vermieden hat.

Dafür: Chapeau! 

Update: Wollt ihr Outlook für iOS oder Mailbox ausprobieren, solltet ihr euch darüber im Klaren sein, dass die Zugangsdaten für eure Mail-Accounts auf den Servern von Microsoft gespeichert werden. Vor allem im Falle der Apple ID, an der meist auch eure Kreditkarteninformationen hängen, ist das problematisch. Denn Apple bietet — im Gegensatz zu Google — noch keine Authentifizierungsmöglichkeit an, bei der ihr euer Passwort für euch behalten könnt.

In der letzten Folge von „Neues vom Admin“ hat Armin erklärt, wie man sich ein wirklich sicheres Passwort zulegt.  

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