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Übersetzer-Wettbewerb in Korea: Mensch siegt über KI

Benedikt Plass-Fleßenkämper 23.02.2017

Bei einem Wettbewerb in Seoul haben vier professionelle Übersetzer deutlich gegen drei Künstliche Intelligenzen gewonnen. Experten gehen zwar davon aus, dass KIs bei Übersetzungen schon bald ein sehr hohes Niveau erreichen werden – gegen die Leistung des menschlichen Gehirns scheinen sie aber weiterhin chancenlos sein.

Versicherungen setzen KI-Systeme wie IBMs Watson ein, Modedesigner bekommen Konkurrenz durch Project Muze und Bots, die mit uns interagieren, ersetzen die Apps: Werden wir in Zukunft arbeitslos, weil Roboter und Künstliche Intelligenzen unsere Jobs übernehmen? Darüber diskutieren Experten und Wissenschaftler immer wieder. Professionelle Übersetzer müssen sich offenbar aber aktuell noch keine Sorgen machen, wie kürzlich ein Wettbewerb in Südkorea zeigte.

Die International Association Of Professional Translators And Interpreters (IAPTI) veranstaltete am 21. Februar in Seoul einen Wettstreit, bei dem vier menschliche Übersetzer ihr Können mit Programmen von Google, Naver und Systran maßen. Beide Seiten mussten innerhalb von 50 Minuten zufällig ausgewählte literarische und nichtliterarische Texte ins Koreanische übersetzen und umgekehrt.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Die professionellen Übersetzer gewannen mit deutlichem Vorsprung zur KI. Während die Programme lediglich 10 bis 15 von 30 möglichen Punkte erreichten, kamen ihre menschlichen Herausforderer auf einen Durchschnitt von 25 Punkten.

Das Problem der NMT-Übersetzung war, dass die Maschinen den Kontext nicht verstanden

Kang Dae-Young, Veranstalter des Wettbewerbs

Die Software von Google und der anderen Hersteller basiert auf der Technologie der Neural Machine Translation (NMT), die sich in den letzten Jahren deutlich verbessert hat. Trotzdem offenbart sie noch einige Schwächen. „Das Problem der NMT-Übersetzung war, dass die Maschinen den Kontext nicht verstanden“, sagt Wettbewerbsveranstalter Kang Dae-Young. Laut ihm waren 90 Prozent der KI-Übersetzungen grammatikalisch gesehen „peinlich schlecht“.

Doch die automatischen Übersetzungsprogramme auf KI-Basis sollen bald deutlich aufholen. Die Technologie ist Systran-Direktor Kim Yoo-Seok zufolge derzeit noch „auf dem Niveau eines Grundschülers“. In ein oder zwei Jahren könne aber „das Niveau eines Hochschul-Abgängers“ erreicht werden.

Software, die menschliche Aufgaben sauber meistert – das klingt für viele nach einem Albtraumszenario. Aber werden uns Maschinen wirklich bald in vielen Bereichen überflügeln? Wolfgang Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), glaubt das nicht. „Jeder Mensch hat genetisch und biologisch als soziales Lebewesen so viele Fähigkeiten, die wir heute digital nicht nachbilden können“, sagte er im WIRED-Interview.

Der Neurowissenschaftler Henning Beck sieht in intelligenten Computern und Deep-Learning-Technologie ebenfalls keine große Gefahr. In seinem WIRED-Gastbeitrag schreibt er unter anderem, dass selbstlernende Maschinen nur „ein Marketing-Trick der IT-Firmen“ seien. Becks Fazit: KI könne zwar viel lernen, aber nicht wie das menschliche Gehirn Dinge abstrahieren.

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