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Dieser Twitter-Bot überwacht Bitcoin-Spenden an Naziseiten

WIRED Staff 30.08.2017

Ein Sicherheitsexperte hat einen Bot für die Suche nach Bitcoin-Spenden an Naziseiten entwickelt. Die Software veröffentlicht Betrag und Empfänger per Twitter und soll so auf die Geldsummen aufmerksam machen, die rechtsextreme Organisationen besonders in den USA erhalten.

Der Sicherheitsberater John Bambenek aus Schaumburg, Illinois hat einen Twitter-Bot geschrieben, der die Bitcoin-Spenden-Aktivität bekannter Neonaziseiten überwacht. Dabei werden bekannte Wallets von White-Supremacists-Bewegungen wie der amerikanischen Alt-Right gespeichert und im Falle einer eingehenden Spende sofort Tweets veröffentlicht. Bambenek will damit auf die teils großen Summen an Geld aufmerksam machen, die rechte Organisationen per Kryptowährungen erhalten. Allein das in den USA ansässige rechtsextreme Nachrichtenportal The Daily Stormer verfügt aktuell durch Bitcoin-Eingänge über ein Kapital von 80.000 Dollar. In den letzten drei Jahren erhielt die Webseite auf diese Weise rund 200.000 Dollar, berichtet Motherboard.


Bambenek zeigt sich erstaunt über die hohen Summen, die täglich über Kryptowährungen für die Verbreitung von „rassistischem Scheiß“ gespendet würden. Meist handelt es sich um Bitcoinwerte im Nachkomma-Bereich, die durch den aktuellen Wechselkurs hohe Gegenwerte bedeuten. Durch die vergrößerte Aufmerksamkeit sollen Verteilerorganisationen zu Sanktionen gegen Wallets von rechtsextremen Gruppen animiert werden. Das Problem, dass einfach neue Wallets erstellt werden könnten, sieht Bambenek allerdings nur bedingt. Er verweist darauf, wie schwierig es für viele Spender sei, neue Bitcoin-Wallets zu finden, bevor diese wieder geschlossen würden. Die Komplexität in der Kryptowährungs-Technologie sieht Bambenek als Vorteil — der dezentrale Verteilungscharakter wird aber wohl viele mögliche Hintertüren offen lassen.


Bitcoins werden vor allem von Services wie Coinbase angeboten. Bereits Mitte August wurde ein Fall bekannt, in dem Accounts, die mit dem Daily Stormer in Verbindung gebracht werden konnten, gelöscht wurden. Bambenek will weiter gegen die Verteilung kämpfen und unter anderem den Code seines Bots offenlegen, damit dieser verbessert und erweitert werden kann — auch, um Geldströme anderer Gruppierungen wie etwa von Malware-Entwicklern erkennen zu können. Nachdem Seiten wie The Daily Stormer bereits vor Hostingproblemen ins Darknet flüchten mussten, könnten nun in der Bekämpfung rechtsextremer Organisationen auch auf der Kryptowährungs-Ebene mit dem Twitter-Bot Erfolge erzielt werden. Bambenek jedenfalls fährt zu diesem Thema eine klare Linie: „Fuck those guys.“