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Neues vom Admin / Traut euch und schraubt eure Devices auf!

Armin Hempel 07.07.2015

Euer Notebook pfeift aus dem letzten Loch und ihr seid schon auf der Suche nach einem besseren Gerät? Der Smartphone-Akku hält nur noch eine halbe Stunde, aber ihr dürft ihn angeblich nicht selbst wechseln? Alles Quatsch — probiert doch einfach mal aus, wie weit ihr kommt!

Armin Hempel ist System-administrator, obwohl er Musik- und Theaterwissenschaft studiert hat. Wenn er nicht gerade mit Konsolen und Festplatten-Arrays ringt, schreibt er für WIRED Germany.

Bei den meisten Geräten ist das Öffnen des Gehäuses nicht besonders schwierig und die Nachrüstung von Arbeitsspeicher oder eines Solid-State-Drives macht ältere Rechner wieder flott. Meistens ist das die günstigere Alternative zum Neukauf. Doch wie geht man das am Geschicktesten an? Der Hersteller wird nur müde lächeln und euch Neuware anbieten. Bei einer zertifizierten Vertragswerkstatt wird es häufig so teuer, dass sich der Aufwand nicht lohnt. Und ob der günstige Computerschrauber von nebenan wirklich die SSDs verbaut, die er euch verspricht, könnte auf ewig sein Geheimnis bleiben.

Deswegen: Traut euch, macht selbst! Den klappernden Lüfter auszuwechseln, der schon so lange nervt, ist kein Hexenwerk und kann sogar Spaß machen. Ihr braucht dazu lediglich ein bisschen Zeit, eine Reparaturanleitung aus dem Internet und gute Werkzeuge. Zu einem Reparatur-Werkzeugsatz gehören neben den obligatorischen Schraubendrehern (SL, PH, TX, Pentalobe, Tri-Wing in den gängigen Größen) auch Spudger, Saugnäpfe und Schneidewerkzeuge, um Smartphones und etwas widerspenstigere Gehäuse öffnen zu können.

Es ist deutlich einfacher, Arbeitsspeicher in einen iMac einzusetzen, als ein IKEA-Regal aufzubauen.

Leider versuchen die Hersteller mit immer neuen Tricks, euch die Aufrüstung oder Reparatur in Eigenregie möglichst unbequem zu machen. Glücklicherweise hält die Reparatur-Community tapfer dagegen: Hervorragende Anleitungen, um Computer und andere Gadgets zu reparieren, findet ihr bei iFixit, der Online-Bibel für Elektrobastler mit angeschlossenem Store für Werkzeuge und Ersatzteile. Hier könnt ihr euch vor der Reparatur darüber informieren, welche Tools und Teile ihr braucht und worauf ihr euch da eigentlich einlasst: Alles, was mit „easy“ gekennzeichnet ist, schafft wirklich jeder, von „difficult“ solltet ihr als Neuling aber die Finger lassen und vielleicht vorher doch noch ein paar Folgen „MacGyver“ schauen. Die iFixit-Anleitungen sind reich bebildert und erklären euch Schritt für Schritt die Zerlegung des Geräts — inklusive Videos und Warnungen an Stellen, an denen es brenzlig werden kann.

Falls ihr nicht weiterkommt, setzt einfach alles wieder zusammen und tut so, als wäre nichts gewesen.

Bevor euch jetzt wieder der Mut verlässt: Es ist deutlich einfacher, Arbeitsspeicher in einen iMac einzusetzen, als zum Beispiel ein IKEA-Regal aufzubauen. Generell gilt beim Reparieren: Etwas Geschick und offene Augen schaden nicht, Gewalt ist selten eine Lösung. Und falls ihr denkt, ihr kommt nicht weiter, setzt ihr einfach alles wieder zusammen und tut so, als wäre nichts gewesen. Übrigens: Auch bei Geräten, die noch unter die Herstellergarantie fallen, ist das Aufschrauben und Aufrüsten meistens kein Problem. Solange ihr die Geräte nicht beschädigt, keine Siegel verletzt und beim Zusammensetzen darauf achtet, dass auch alle Teile wieder dort sind, wo sie hingehören, bleiben eure Garantieansprüche erhalten.

Eines solltet ihr aber abklären, bevor ihr euer Logic Board in Alufolie gewickelt in einen Backofen schiebt, um den Grafikchip im DIY-Reflow-Verfahren wieder aufzulöten: Viele Hersteller bieten im Falle von Serienfehlern kostenlose Austauschprogramme bis weit nach dem Ablauf der Garantiezeit an. Das ist — verglichen mit der Backofen-Methode — die deutlich sicherere Alternative.

Wenn ihr dann aber doch selbst Hand anlegt, werdet ihr schnell merken, dass es nicht nur verantwortungsbewusst, nachhaltig und umweltschonend ist, ein Gerät zu reparieren oder dessen Nutzungsdauer um ein paar Jahre zu verlängern — wahlweise aufregend oder meditativ macht es auch noch jede Menge Spaß und ist im Falle einer erfolgreichen Reparatur obendrein noch sehr befriedigend. Als Bonus lernt man in Repair-Cafés, die Werkzeug und ehrenamtliche Hilfestellung bei allen erdenklichen Reparaturfällen bieten, auch noch nette Leute kennen. Diese Cafés finden sich in allen größeren Städten und sicher auch irgendwo in eurer Umgebung.

Noch ein Tipp zum Schluss, falls alle Mühen vergeblich bleiben oder ihr nicht den Mut aufbringt, einen Schraubendreher in die Hand zu nehmen: Ausgediente Devices gehören nicht in den Hausmüll! Viele Hilfsorganisationen und lokale Kulturvereine nehmen euch den Rechner gern ab, machen ihn wieder flott und geben ihn an Menschen weiter, die damit noch lange Freude haben werden.

In der letzten Folge verriet Armin Hempel 10 Sätze, die ihr besser nicht zu eurem Systemadministrator sagt.