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Dieser seillose Aufzug fährt auch seitwärts

Juliane Görsch 27.06.2017

Thyssenkrupp hat den ersten seillosen Aufzug erfunden, der lästige Wartezeiten auf ein Minimum senkt und statt nur hoch und runter, auch seitwärts fahren kann.

Der 165 Jahre alte Seilaufzug ist in etwa so effizient wie ein einzelner Zug auf einer Eisenbahnlinie. Lange Wartezeiten, hoher Platzbedarf und vergleichsweise geringe Kapazität lassen den konventionellen Aufzug vor allem bei Wolkenkratzern an seine Grenzen stoßen. Thyssenkrupp hat nun das erste seillose Aufzugsystem vorgestellt, das all diese Nachteile ausgleichen kann und nicht nur hoch und runter, sondern auch seitwärts fahren kann.

Der MULTI kombiniert die Magnetschwebetechnik eines Transrapids mit den Vorteilen des Paternoster-Aufzugs. In Rottweil hat der Konzern nun den Testbetrieb in einem eigens für Forschungszwecke errichteten 246-Meter-Turm begonnen. Das erste Gebäude, das mit dem MULTI ausgestattet werden soll, ist der Berliner East Side Tower, der in der Umgebung der Mercedes Benz Arena am Ostbahnhof entsteht und 2020 eröffnet werden soll.

Statt von Seilen werden die Kabinen des MULTI von Linearmotoren angetrieben, die ehemals für den Transrapid entwickelt worden waren. Kohlenstoffverbundstoffe machen Kabine und Türen um etwa 50 Prozent leichter als Systeme mit Seilen und Gegengewicht. Der Clou ist allerdings, dass das Leitgestänge um 90 Grad gedreht werden kann, um die Kabinen auch seitwärts fahren zu lassen. So können Gebäudekomplexe einfach miteinander verbunden werden.

Wie bei einem Paternoster fahren Kabinen in Dauerschleife mit fünf Metern pro Sekunde in einem Schaft hinauf und in einem anderen hinunter. Panisches Drücken auf den Aufzugknopf hat sich damit erledigt. Niemand muss länger als 15 bis 30 Sekunden auf eine Kabine warten. Thyssenkrupp vergleicht sein Aufzugsystem mit dem eines effizienten U-Bahn-Netzes innerhalb eines Gebäudes.

Bei herkömmlichen Aufzugsystemen steigt bei höheren Gebäuden der Platzbedarf, da pro Schacht nur eine Kabine zwischen den Stockwerken verkehrt. Da beim MULTI mehrere Kabinen in einen kleineren Schacht passen und der Verzicht auf Seile darüber hinaus noch einmal Platz spart, können die Spitzen beim Energieverbrauch um bis zu 60 Prozent gesenkt werden.

In einer Pressemitteilung sagte CEO Andreas Schierenbeck: „Wir sind davon überzeugt, dass MULTI die Art und Weise, wie sich Menschen in ihrer gebauten Umwelt bewegen, wie sie leben und arbeiten, fundamental verändern wird”. In Zukunft soll das Aufzugsystem auch für Metrostationen eingesetzt werden können, um unterirdische Bahnhöfe schneller zu erreichen.

Allerdings werden, um den 30-Sekunden-Takt zu halten, bei sehr hohen Gebäuden von bis zu 1000 Metern nicht alle Etagen angefahren werden können. Sinnvoll seien Stopps dort nur alle 50 bis 100 Meter. Dann müsse man wieder in konventionelle Aufzüge umsteigen oder das Treppenhaus benutzen, schreibt Ingenieur.de.

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