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Ein Beagle-Bot als Trauma-Therapeut

Thorsten Schröder 14.08.2015

Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein einfacher Plüschhund. Doch der Therabot soll echte Vierbeiner ersetzen und Trauma-Patienten bei der Rückkehr in die Normalität helfen.

Er sieht aus wie ein Plüschtier, das im Kinderzimmer als Einschlafhilfe dient und überall mit hingeschleppt wird. Das Fell ist etwas mitgenommen, die Farben sind blass. Aber der kleine Beagle ist viel mehr als nur ein Spielzeug für die Kleinen.

Das Plüschtier namens Therabot ist der erste Therapie-Hund mit künstlicher Intelligenz. Er soll Betroffenen von Missbrauch und Traumata helfen, in die Normalität zurückzufinden. Entwickelt wird er von Psychologen, Soziologen und Robotics-Experten der Mississippi State University.

Therabot soll die Lücke zwischen echten Hunden und Plüschtieren schließen. Therapie-Hunde kämen für viele Patienten nicht in Frage, weil sie Allergien hätten, sie die Last abschrecke, sich um ein Tier zu kümmern, oder sie schlicht Angst vor Hunden hätten, erklärt Projektleiterin Cindy Bethel. Plüschtiere seien hingegen zu leblos, um von dunklen Gedanken abzulenken und ernsthaft die Aufmerksamkeit der Patienten zu binden.

Therabot hingegen bekommt sie. Er reibt die Schnauze an seinem Besitzer oder bellt und winselt, ohne dabei bedrohlich oder allergen zu sein. Der Robo-Beagle kann den Kopf bewegen, die Gelenke knicken und mit dem Schwanz wedeln. Das Fell überträgt Impulse und lässt den Hund auf Berührung reagieren. Zusätzlich weiß Therabot dank eines eingebauten Gyroskops, wann er liegt oder steht und kann entsprechend reagieren.

All das, so die Hoffnung der Entwickler, soll die Interaktion der Trauma-Patienten mit dem Roboterhund fördern. Die Forscher gehen davon aus, dass Therabot in seinen menschlichen Begleitern ähnliche Reaktionen hervorrufen kann wie ein Hund aus Fleisch und Blut.

Lange haben die Forscher in Mississippi nach eigener Aussage überlegt, welche Form ihr Therapie-Roboter annehmen soll. Zur Diskussion hätten neben dem Beagle auch Katzen, Frösche, Bären und abstrakte Formen wie ein Plüschball mit Armen und Beinen gestanden. Doch in einer Testrunde mit 1045 Patienten habe der Hund bei weitem am besten abgeschnitten.

Bislang gibt es den Beagle nur als Prototypen, therapieerprobt ist er noch nicht. Bevor er tatsächlich eingesetzt werden kann, muss Therabot eine ganze Reihe klinischer Tests überstehen und schließlich von offiziellen Behörden für den Einsatz freigegeben werden. Im Herbst sollen erste Studien beginnen. Ziel der Wissenschaftler ist es, den Plüsch-Beagle so preiswert zu machen, dass er in Zukunft Bestandteil jeder Trauma-Therapie sein kann.

Bis dahin müssen allerdings noch ein paar Mängel behoben werden. Laut seinen Entwicklern neigt Therabot derzeit wegen seiner Vielzahl an Kabeln und dem dichten Fell noch zum Überhitzen. Immerhin ein Problem, dass echte Vierbeiner nicht haben. 

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