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Faraday Future FFZero1: Das kann der Tesla-Konkurrent

James Temperton 05.01.2016

Ob Batman jetzt neidisch wird? Der E-Auto-Neuling Faraday Future hat seinen mit Spannung erwarteten Elektro-Sportwagen FFZero1 vorgestellt, ein Konzeptmodell, das die Firma als „Tablet auf Rädern“ beschreibt. Der FFZero1 kann mit 1000 Pferdestärken in weniger als drei Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 Stundenkilometern.

Das Auto beherrscht auch autonomes Fahren und nutzt Augmented Reality, um Informationen in das Sichtfeld vor der Windschutzscheibe einzublenden — etwa Warnhinweise für den Menschen am Steuer. An der Lenksäule findet sich ein Smartphone-Anschluss, der es theoretisch erlauben könnte, dem Auto zu sagen, wohin die Reise gehen soll, ehe man sich zurücklehnt, um das eigentliche Fahren dem smarten E-Mobil zu überlassen.

Die Carbonfaser-Karosserie ist so geformt, dass kühlende Luft um Motor und Akkus strömt.

Faraday-Chefdesigner Richard Kim beschrieb den FFZero1 bei der Vorstellung des Autos auf der CES in Las Vegas als „extreme Testplattform“ zur Entwicklung künftiger E-Mobile des Unternehmens. Zu kaufen sein wird der futuristische Rennwagen also vermutlich nie — wie üblich bei solchen Konzeptstudien. Entsprechend konnten die Entwickler ihrer Fantasie freien Lauf lassen und entwarfen zum Beispiel einen Fahrersitz, der um 45 Grad geneigt ist und sich bei der Formgebung an Schwerelosigkeits-Forschung der NASA orientiert. Wer mit Helm fährt, kann sich beim Zurücklehnen mit Wasser und Sauerstoff versorgen lassen: Die Zufuhr ist die Kopfstütze eingebaut.

Der FFZero1 basiert auf Faradays „Variable Platform Architecture“ — einem System, das es der Firma nach eigenen Angaben erlaubt, deutlich schneller neue Modelle zu entwickeln als seine Konkurrenten. Konsequente Nutzung von Digitaltechnik helfe zudem, die Kosten zu reduzieren. Dazu gehöre etwa, Virtual-Reality-Technik für Entwürfe zu nutzen. Die kalifornische Firma, die unter anderem vom chinesischen Internet-Milliardär Jia Yueting finanziert wird, habe sich nichts weniger vorgenommen, als „das Wesen von Automobilen“ neu zu definieren, erklärt Faraday-Vizepräsident Nick Sampson. Schlüssel dazu sei es, die Startup-Mentalität der Technikszene auf die Entwicklung und Herstellung der Autowelt zu übertragen.

Bahn frei für das Staunen: Auf der CES in Las Vegas enthüllt Faraday Future den FFZero1.

Allerdings: So schlagzeilenträchtig der FFZero1 mit seiner Mischung aus Hollywood und Formel 1 sein mag, am Ende werden alltagstaugliche Modelle darüber entscheiden, ob Faraday Future mit etablierten Konkurrenten mithalten kann — allen voran Tesla Motors, dem E-Auto-Pionier, von dem ein Großteil des Faraday-Topmanagements ursprünglich stammt. Details zu Modellen, die in naher Zukunft tatsächlich zu kaufen sein könnten, waren auf der lang erwarteten CES-Pressekonferenz allerdings nicht zu erfahren.

Faraday Future, vor 18 Monaten gegründet, beschäftigt weltweit etwa 750 Mitarbeiter. In Kürze will die Firma in Nevada — unweit von Las Vegas — für knapp eine Milliarde Dollar eine eigene Fabrik bauen. „Sehr schnell“ zu sein sehe Faraday als entscheidenden Wettbewerbsvorteil, sagt Sampson. Das erste eigene Auto solle dann „innerhalb von ein paar Jahren“ auf den Markt kommen.

Blick ins Cockpit: Fahrersitz von der NASA inspiriert, Lenkrad mit Smartphone-Anschluss.

Als strategischen Partner präsentierte Faraday auf der CES den Entertainment-Riesen LeTV, der zu Chinas größten Online-Videoanbietern gehört. Künftige Faraday-Fahrzeuge könnten sich damit direkt ins Unterhaltungsprogramm einklinken, stellte LeTV-Mitgründer Ding Lei in Aussicht. Nick Sampson verspricht sich von der Partnerschaft Hilfe dabei, den „bedeutsamen“ chinesischen Markt zu erobern: Die wachsende Mittelschicht macht China seit Jahren zu einem der größten Boomländer der Autowirtschaft. Zugleich aber zwingt die dramatische Luftverschmutzung die chinesische Regierung, immer schärfere Emissionsrichtlinien zu verabschieden. Perfekte Bedingungen also für kleine Elektroauto-Startups mit großen Ambitionen.

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