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Apple darf nicht allein von Medienkompetenz predigen

Elisabeth Oberndorfer 13.02.2017

Apple-CEO Tim Cook schlägt im Kampf gegen Falschnachrichten eine öffentliche Aufklärungskampagne vor, als würde das Problem nicht schon lange divers diskutiert. Kann eine solche Initiative jetzt noch funktionieren, und welche Rolle sollen Medien und Politik dabei einnehmen? Ein Kommentar von Elisabeth Oberndorfer.

Apples geniales Marketing überzeugt viele dazu, dass sie 400 Euro für eine Smartwatch und 159 Euro für kabellose Kopfhörer ausgeben. Und bald überzeugt Apple vielleicht auch, dass 1.000 Dollar ein angemessener Preis für ein Smartphone ist. Aber kann Apple den Menschen auch beibringen, Nachrichten zu konsumieren und nicht auf Falschmeldungen hereinzufallen?

Eine solche Idee schwebt jedenfalls CEO Tim Cook vor. Im Rahmen seiner Europareise nahm er auch zum Thema „Fake News“ Stellung und schlug als Maßnahme gegen die Verbreitung von erfundenen Nachrichten eine öffentliche Kampagne vor. Medienkompetenz müsse in den Schulen und in der Öffentlichkeit eingefleischt werden, sagte der Konzernchef gegenüber The Independent.

Dafür sei eine massive Aufklärungskampagne notwendig: „Wir brauchen eine moderne Version der öffentlichen Bekanntgabe. Das kann rasch geschehen, wenn ein Wille da ist”, erläutert Cook seine Vorstellung und zieht dabei seine Branche in die Verantwortung: „Wir Tech-Firmen müssen Tools entwickeln, die das Aufkommen von Falschnachrichten reduzieren.“

Dass die großen Player der Tech-Industrie sich trotz des Wettbewerbs für ein gesellschaftliches Anliegen zusammenschließen können, bewiesen Apple und andere Unternehmen vergangene Woche mit dem Appell gegen Donald Trumps Einwanderungspolitik. Cooks Idee einer „massiven” Aufklärungskampagne ist deshalb weniger naiv, als es zunächst den Anschein macht. Nicht zuletzt verfügt der Sektor auch über die finanziellen Ressourcen. Die Frage bleibt, von wem eine solche Initiative kommen und wie sie aussehen müsste, damit sie auch wirklich die Bürger erreicht.

Der Kampf gegen „Fake News“ in Europa kommt derzeit vor allem aus der  Politik. Der deutsche Medienmanager Matthias Döpfner äußerte sich Anfang Februar allerdings kritisch zu dieser Entwicklung: „Was Wahrheit ist, definiert keine Regierung, auch nicht Facebook.” Döpfner will stattdessen, dass traditionelle Medien den sozialen Medien bei der Verifizierung von Inhalten helfen. Das passiert zum Teil bereits: Facebook kooperiert unter anderem mit dem deutschen Recherchenetzwerk Correctiv, um Fakten zu überprüfen und falsche Behauptungen zu markieren. In Frankreich helfen Facebook und Google acht Medienhäusern bei der Faktenüberprüfung im Wahljahr.

Angesichts dieser Initiativen hat man das Gefühl, dass der Ruf nach mehr Medienkompetenz in der Bevölkerung in erster Linie aus dem Technologiebereich kommt. So ist es zwar lobenswert, dass große Plattformen wie Facebook, Twitter und Google ihre Verantwortung erkennen und wahrnehmen. Allerdings überlässt die Medienwirtschaft damit das Narrativ der Tech-Branche und läuft  Gefahr, seine Relevanz in der digitalen Welt zu verlieren.

Fakten zu überprüfen war schon immer eine Aufgabe des Journalismus, nicht erst seit Aufkommen der Social-Media-Kanäle. Dieses wichtige Detail wird im aktuellen Diskurs zu oft vergessen. Außerdem hat Tim Cook es mit seiner Forderung nach einer Kampagne für mehr Medienkompetenz einfach. Nachrichteninhalte sind für Apple abseits von der News App kaum ein Geschäft, weshalb der Konzern in der Diskussion um „Fake News“ bisher nicht in der Kritik war.

Eine öffentliche Kampagne für ein besseres Verständnis von Nachrichten und Erkennen von falschen Behauptungen macht dann Sinn, wenn sie von allen Beteiligten kommt – also von den Medien und den Plattformen, die Inhalte verbreiten. Auch die Politik könnte daran teilnehmen, wenn sie nicht den Technologieanbietern die Schuld zuschiebt. Medienkompetenz ist immerhin auch Bildungsaufgabe, wie Cook zurecht anmerkt. Mit der Marketing-Handschrift von Apple würde eine Botschaft an die Bürger jedenfalls mehr Aufmerksamkeit erregen als aus staatlicher Hand.

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