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Wer sein Smartphone nicht sichert, kann gleich die Haustür offen lassen

David Pierce 10.07.2017

Warum schützt eigentlich jeder sein Hab und Gut, doch wenn es um Daten geht, werden wir nachlässig? Dabei gibt es kaum etwas Lohnenderes für Angreifer, als in unser Smartphone einzudringen. 

Die Haustür schließt man natürlich immer ab. Man drückt auch auf den Autoschlüssel, bis das Piepzeichen anzeigt, dass das Auto verschlossen ist. Man nimmt sogar in Kauf, dass der eigene Computer langsamer läuft, nur damit die Antivirus-Software ihren Dienst tun kann. Aber was ist mit dem Smartphone? Warum denkt man so selten darüber nach, wer dort gerade einbrechen könnte?

Dabei sollte der Schutz unseres Telefons zu unseren wichtigsten Anliegen gehören: Was für eine Fülle von Daten, Passwörtern und anderen Geheimnissen ist dort zu finden – zwar alles hinter einem Vier-Zeichen-Passcode oder einem Fingerabdruck-Scan, aber das sind Sperren, die mit den richtigen Werkzeugen leicht aufgehoben werden können. „Wenn die gesamte US-Regierung dein Smartphone hacken will”, sagt Alex Thurber, General Manager für Mobile Solutions bei Blackberry, „wird sie es schaffen.“

Kein Smartphone ist letztlich unhackbar, nicht jedes ist aber gleichermaßen leicht zu knacken. Viele Unternehmen arbeiten an Geräten, die ein Ausspähen erschweren. Startups wie Sirin Labs, das ein Smartphone mit dem Namen Solarin entwickelt hat, nutzen eine AES-256-Bit-Verschlüsselung auf Chip-Ebene (Das bedeutet: Verwirrung auf Geheimdienst-Niveau) als Schutz gegen Einbrüche. Das Solarin hat außerdem einen Knopf zum Aktivieren einer „sicheren Zone“, die jede Funktion außer verschlüsselte Anrufe und Textnachrichten deaktiviert. Das Blackphone von Silent Circle hat ein ähnliches Feature namens „Spaces“, das Persönliches vom beruflichen Leben und Überwachung fern hält. Turing Robotic Industries arbeitet mit bekannten Sicherheitsanbietern daran, Sicherheitssoftware, die Android-Geräte weniger durchdringbar macht, vorzuinstallieren.

Und nun zu denen, die abseits des Mainstream existieren: Das Boeing Black, ein hochsicheres Smartphone für die Verteidigung, nutzt eine Virtual-Desktop-Software, die alle Daten auf dem Gerät auf einem anderen Rechner speichert – sodass dort nichts zu finden ist, selbst wenn jemand in das Black eindringt. Das Smartphone hat sogar einen Selbstzerstörungs-Modus, der sich aktiviert, sobald jemand einen Hack versucht.

Das einzige Problem bei all diesen Geräten: Sichere Smartphones sind langweilig. Sie laufen häufig auf älteren Prozessoren, nutzen die Software aus dem Vorjahr, und das User-Interface wirkt selbst für Hacker undurchschaubar. Syl Chao, CEO bei Turing Robotic Industries, sagt, die wahre Herausforderung sei es, hochsichere Smartphones cool genug zu machen, dass Kunden sie wollen. „Die Leute finden Sicherheit wichtig“, sagt er, „aber sie haben auch andere Dinge um die Ohren. Sie wollen nicht über Sicherheit nachdenken.“ 

Hier ein paar Tipps für die, die es dennoch tun: Am wichtigsten ist, das Smartphone und die Apps auf dem aktuellen Stand zu halten. Google, Apple und App-Entwickler veröffentlichen häufig neuen Code, um Exploits abzuwehren. Zudem sollte jeder darüber Bescheid wissen, wie das eigene Smartphone grob funktioniert. Geräte wie das Blackphone können sagen, welche Apps Sensoren und Funk nutzen. Bei Android-Geräten machen Apps wie „DCentral1” Ähnliches, wenn auch nicht so gründlich.

Last but not least: Nie auf merkwürdige Links klicken, das Smartphone niemals einem Fremden in die Hand drücken und öffentliche Hotspots meiden. Je schwieriger und aufwändiger es für Störer ist, in ein Telefon einzudringen, desto eher ziehen potenzielle Angreifer weiter. Es gilt hier wie überall die Lebensweisheit: Dein Haus muss nicht perfekt abgesichert sein. Es muss nur schwerer auszurauben sein als das des Nachbarn.  

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED.com.
Das Original lest ihr hier.

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