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Mit diesem Wearable können Menschen ohne Hände wieder klicken

Marlene Ronstedt 03.05.2017

Für Menschen mit Handprothesen ist es oft schwer, einen Computer zu bedienen. Drei Designer aus Berlin haben deswegen das Wearable Shortcut entworfen, das es seinen Trägern erlaubt, wieder zu klicken und zu scrollen. Interaction-Design muss eben nicht immer eine VR-Brille beinhalten.

Wer durch einen Unfall seine Hand verliert und eine Prothese bekommt, kann danach oft nicht ohne weiteres in seinen alten Beruf zurück, vor allem wenn dieser viel mit manueller Arbeit zu tun hatte. Ein Wearable aus Berlin soll es Betroffenen nun erleichtern, den Wechsel in einen neuen Job zu meistern.

Entwickelt wurde Shortcut von den drei Design-Studenten David Kaltenbach, Maximilian Mahal und Lucas Rex. An der Kunsthochschule Berlin-Weißensee haben sie in Kooperation mit dem Fab Lab Berlin und dem Prothesen-Hersteller Ottobock die ersten Prototypen entwickelt.

Bei herkömmlichen Handprothesen haben die Träger zwei Greifbewegungen zur Auswahl. Zu reduziert, um damit eine Maus zu bedienen – klicken und scrollen geht nicht. Zwar gibt es Workarounds, mit denen Menschen ohne Hände zum Beispiel einen Tablet-Stift in ihre Prothese klemmen können. Allerdings hätten diese, sagt Mahal, „keine gute Interaktions-Qualität“. Sie seien „zu langsam, träge und für Fehler anfällig“.

Mahal erklärt WIRED, wie Shortcut seinen Trägern mehr Handlungsspielraum ermöglicht: „Nach einer Amputation verbleibt noch eine sogenannte Phantom-Hand.“ Das bedeute, dass das Gehirn immer noch neuro-muskuläre Muster gespeichert hat. Um zum Beispiel den Zeigefinger zu strecken, zu schnipsen oder eine Faust zu machen, ergibt sich auch ohne Hand das jeweilige neuro-muskuläre Muster im Unterarm. Dieses macht sich Shortcut zunutze, indem es mit sogenannten Miyo-Elektro-Sensoren, die auf der Haut aufliegen, kleinste Stromschläge misst. Mithilfe einer Künstlichen Intelligenz werden diese ausgewertet. So haben die Träger von Shortcut die Möglichkeit, mehr am Computer zu tun, als die zwei Bewegungen ihrer Prothese zulassen würden.

In der Entwicklungsphase von Shortcut versuchte die drei Designer, sich so gut wie möglich in den Alltag von Menschen mit Handprothese hineinzuversetzen. „Wir haben uns gefragt: Was für Probleme haben diese Menschen eigentlich wirklich?“, sagt Mahal. Dazu führten sie Interviews mit Betroffenen, um deren Bedürfnisse kennenzulernen. Bisher gibt es nur drei Prototypen von Shortcut, doch sobald die drei ihr Studium abgeschlossen haben, werden sie in Kooperation mit Ottobock an den Designs weiterarbeiten.

Maximilian Mahal beim Test von Shortcut im Berliner Fab Lab

Trotz seines schlichten Designs kann Shortcut mehr als nur gut aussehen. Wearables können echte Probleme lösen und Menschen Aufgaben im Alltag erleichtern.  Mahal sagt: „Shortcut ist nicht das neue Interaction-Spektakel, wie etwa eine VR-Brille. Wir verfolgen das Ziel, ein relativ zuverlässiges Werkzeug zu haben, das im besten Fall so gut funktioniert, dass die Nutzer es gar nicht bemerken.“

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