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Mit der App Refunite können Flüchtlinge Familienangehörige wiederfinden

Moritz Geier 08.09.2015

Rund 20.000 Flüchtlinge sind vergangenes Wochenende in Deutschland angekommen. Viele haben auf der Flucht den Kontakt zu Familienangehörigen verloren. Die kostenlose App Refunite soll ihnen helfen, vermisste Freunde und Verwandte zu lokalisieren und zu kontaktieren. Die Macher schätzen, dass die Plattform bisher schon fast 1500 Familien wiedervereint hat.

Es ist nicht nur der Verlust der Heimat, der Flüchtlinge quält. Viele der derzeit in Deutschland ankommenden Syrer haben nicht nur ihr Land innerhalb weniger Jahre an Krieg und Zerstörung verloren, sondern auf der Flucht auch den Kontakt zu Freunden und Familie. Hoffnung gibt ihnen eine App: Refunite will Menschen zusammenbringen, die im Chaos von Flucht und Vertreibung voneinander getrennt wurden.

Heimatstadt, Lieblingsessen, Narben, Name des Lehrers — jede Kleinigkeit könnte den Ausschlag geben.

Die App ist ein Projekt der gemeinnützigen Hilfsorganisation Refugees United, die 2008 von den dänischen Brüdern David und Christopher Mikkelsen in Kopenhagen gegründet wurde. Refunite soll als Plattform dienen, auf der Flüchtlinge ihre Familienangehörigen suchen können, um im Idealfall schnell Kontakt aufzunehmen. Grundlage dafür ist eine Datenbank von mehr als 405.000 Nutzern, die sich mittlerweile auf der Plattform angemeldet haben.

In ihren Profilen geben die Flüchtlinge spezifische individuelle Informationen an, die bei der Identifikation der Gesuchten helfen sollen: Heimatstadt, Lieblingsessen, Narben oder der Name eines Lehrers — jede Kleinigkeit könnte den Ausschlag geben, damit sich voneinander ;Getrennte wiederfinden. Der Ansatz ermöglicht es den Menschen außerdem, anonym zu bleiben, weil sie sich über Insiderwissen kenntlich machen, Fremden ihre Identität aber nicht preisgeben.

Refunite checkt dann die Datenbank und informiert die Suchenden über mögliche Treffer. Die Suchhilfe können Flüchtlinge per SMS, über die Webseite oder eine angebotene Hotline wahrnehmen. Organisationen wie das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen oder das Rote Kreuz helfen Refugees United, Gestrandete in Flüchtlingscamps zu registrieren und in die Datenbank aufzunehmen.

Über fünf Millionen Suchanfragen verzeichnete die Webseite zwischen 2010 und 2014, in der gleichen Zeit wurden 5,5 Millionen SMS über die Plattform versandt. Ein Erfolg, der sich sehen lässt: Die Gründer schätzen, dass etwa 1.500 Familien durch die App wiedervereint wurden, schrieb kürzlich die Huffington Post. Jeden Monat kämen zwischen 100 und 150 weitere dazu.