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Bis 2030 sind wir alle Mensch-Maschine-Wesen

Michael Förtsch 05.06.2015 Lesezeit 2 Min

Der amerikanische Futurist und Google-Ingenieur Ray Kurzweil gilt als einer der großen Vordenker unserer Zeit. Glaubt man ihm, haben wir uns bis 2030 alle in Mensch-Maschine-Hybriden verwandelt. Unsere Gehirne sollen dann ständig mit dem Netz verbunden sein, die Cloud soll uns beim Denken helfen.

Auf der Exponential Finance Conference in New York hat Ray Kurzweil einen Blick auf seine Vorstellung von der Zukunft des Menschen gewährt, die stark vom Gedanken des Transhumanismus geprägt ist. Der schon jetzt vorhandene Selbstverbesserungsdrang der Gesellschaft wird sich nach seiner Prognose in den kommenden Jahren rapide beschleunigen. Implantate sollen unsere Körper aufrüsten, uns mit dem weltweiten Netz verbinden und einen direkten Zugang zu Informationen ermöglichen, ohne Umwege wie etwa Smartphones und Tablets nutzen zu müssen. „Wir werden Zugänge zur Cloud direkt in unsere Gehirne verpflanzen“, glaubt Kurzweil.

Wir überschreiten unsere eigene Begrenztheit.

Ray Kurzweil

Aus menschlicher DNA gezüchtete Nano-Bots könnten unsere Körper gar in ein homogenes Mensch-Maschine-Wesen transformieren, das ganz natürlich digitale Informationen empfängt und verarbeitet. „In meinen Augen ist das die Natur des Menschen“, erklärt der aktuell bei Google als Director of Engineering arbeitende Erfinder. „Wir überschreiten unsere eigene Begrenztheit.“ Schon in den nächsten 15 Jahren werde unser „Verstand ein Hybrid aus biologischer und nicht-biologischer Intelligenz“, was uns zu klügeren, besseren und komplexeren Wesen machen würde. Denn mit jeder neuen Eingebung würde auch die Cloud wachsen. Nur zehn Jahre darauf, im Jahr 2040, könnten heutige menschliche nahezu gänzlich non-biologischen Denkprozessen gewichen sein — wie auch immer diese genau aussehen.

Ray Kurzweil glaubt, dass wir bald klügere, bessere Wesen sind.

Ray Kurzweil, der unter anderem frühe Sprachsynthesizer und Texterkennungsverfahren entwickelt hat, sieht diese hypothetische Zukunft grundsätzlich positiv, warnt aber auch vor kopfloser Euphorie. Die Entwicklungen würden auch große und bisher unabsehbare Umwälzungen in der Gesellschaft verursachen und uns vor ungekannte Herausforderungen stellen. „Wie ich schon vor 20 Jahren schrieb, ist Technologie ein zweischneidiges Schwert“, sagt Kurzweil. „Feuer hielt uns warm, half uns beim Kochen von Essen, aber es brannte auch unsere Häuser nieder. Jede Technologie hat ihre Vorzüge und ihre Tücken.“