PwC-Experte Thomas P. Offner vermittelt zwischen zwei Welten: „Corporates und Start-ups sind wie Öl und Wasser“

12.12.2017

Der gebürtige Österreicher Thomas P. Offner ist passionierter Schauspieler und Winzer, vor allem aber Entrepreneur, Accelerator und Inkubator-Profi. Mit Anfang 20 baute er sein erstes Start-up mit auf und arbeitete später als Digital-Experte unter anderem für Intel und Audi. Außerdem war Offner Mitgründer von Groupon. Perfekte Voraussetzungen also für seine Tätigkeit bei PwC, wo er etablierte Unternehmen und digitale Gründer zusammenführt. Im Interview verrät Offner, wie ihm das gelingt und warum „Quarterback“ auf seiner Visitenkarte steht.

Ihr Werdegang spricht Bände: Visionäre Projekte zählen zu Ihren Leidenschaften! Wann ist Ihnen klar geworden, dass Innovationen Sie begeistern?

Thomas P. Offner: Mir war von klein auf bewusst, dass ich grundsätzlich ein kreativer Mensch bin. Hinzu kommt: Ich habe früh einen gewissen unternehmerischen Weitblick von meiner Großmutter gelernt. Meine Oma war eine leidenschaftliche Unternehmerin. Zwar nicht in einem Weltkonzern, aber sie hat mit meinem Opa viele kleinere Sachen gestartet und zum Erfolg gebracht, weil sie immer einen guten Riecher dafür hatte, was gebraucht wird. Sie hat zur richtigen Zeit eine sehr gut gehende Frühstückspension, einen Verleih für Langlaufskier und zusätzlich eine kleine Spedition aufgebaut und gemanagt. Mir wurde dabei schon in jungen Jahren vor Augen geführt, dass man für innovative Unternehmen immer zwei Fragen im Blick behalten muss: Wie schaut die Welt von morgen aus? Und was kann ich dafür tun, diese Welt aktiv mitzugestalten?

Bei PwC arbeiten Sie genau an diesen Fragestellungen, vermitteln zwischen Konzernen und Start-ups und rücken beide Welten näher aneinander. Warum bezeichnen Sie selbst Ihre Rolle bei PwC als Quarterback?

Thomas P. Offner: Man muss kein Football-Experte sein, um zu wissen: Ein guter Quarterback behält den Überblick im Spiel nach vorn und verteilt die Bälle. Genau das versuche ich im Zusammenspiel von Corporates, also etablierten Mittelständlern und Großkonzernen, und Start-ups. Diese beiden Welten wollen miteinander arbeiten, verhalten sich aber zueinander wie Öl und Wasser. Das mischt sich kurz, separiert sich aber schnell wieder. Deshalb braucht es einen Emulgator, einen Übersetzer, einen Moderator oder einen Quarterback – wie man es auch immer nennen will. Diese Rolle fülle ich aus.

Welche Herausforderungen stellen sich Ihnen bei der Vermittlung zweier so unterschiedlicher Verhandlungspartner?

Thomas P. Offner: Es gibt mittlerweile zum Glück auf beiden Seiten nicht nur hohes Interesse, sondern auch eine große Bereitschaft für eine Zusammenarbeit. Viele Unternehmen kommen sogar auf mich zu und wollen ganz genau wissen, welche Start-ups sich für Beteiligungen lohnen oder welche sie im Zweifel sogar kaufen sollten.

Da ich im europäischen Start-up-Ökosystem gut vernetzt bin und zusätzlich auf das PwC-Netzwerk zurückgreifen kann, finden sich da natürlich immer geeignete Kandidaten.

Das Problem ist nur: Die Kontaktvermittlung allein reicht nicht aus. Lässt man Unternehmen und Start-ups nach einer erfolgreichen Vermittlung allein, heißt es nach wenigen Monaten: Danke, es war nett, aber passiert ist wenig. Wir schauen uns also in jedem einzelnen Fall an, wie die Zusammenarbeit zwischen Corporate und Start-up für beide Seiten bereichernd sein kann, und erarbeiten gemeinsam eine konkrete Strategie. Den meisten Unternehmen geht es bei der Zusammenarbeit mit Start-ups um Zugang zu neuen Technologien und digitalen Produkten oder auch um den Zugang zu neuen Kundengruppen und neuen Talenten. Viele vernachlässigen allerdings den kulturellen und strukturellen Wandel innerhalb des Unternehmens, der zwingend notwendig ist, wenn man mit Start-ups erfolgreich zusammenarbeiten will. Wir helfen in solchen Fällen, dass Selbstverständlichkeiten der Digitalisierung auch auf Corporate-Seite gelten. Dazu gehören etwa die Erweiterung der Innovation Journey, der Aufbau eines externen digitalen Portfolios und das Konzept der verlängerten Werkbank in digitaler Form.

Angesichts dieser erforderlichen Umstrukturierungen stellen sich sicherlich viele Unternehmen die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für ein Investment. Wann lohnt es sich Ihrer Meinung nach für Mittelständler, in Start-ups zu investieren?

Thomas P. Offner: Diese Frage kann ich nicht allgemeingültig beantworten. Das hängt vom Start-up, von dessen Produkt und vor allem dessen Team ab. Ist ein passendes Start-up gefunden, rate ich Unternehmen grundsätzlich dazu, schnell einzusteigen. Dies muss nicht unbedingt in finanzieller Form erfolgen, sondern kann auch als Kooperation umgesetzt werden. Veränderungen lassen sich auch on the run vollziehen. Am Ende geht es ja nie darum, die Philosophie eines etablierten und erfolgreichen Unternehmens über ein Start-up überzustülpen. Ganz im Gegenteil. Es geht um gegenseitigen Austausch, wobei das Start-up weiterhin agil arbeiten können sollte.

PwC-Experte Thomas P. Offner

Lassen Sie uns den Blick vom Mittelstand hin zu Ihrem Unternehmen richten: Wie empfinden Sie den digitalen Wandel bei PwC?

Thomas P. Offner: Angesichts der schieren Größe des Unternehmens bin ich selbst immer wieder überrascht, wie schnell und agil hier Veränderungen vollzogen werden. Natürlich geht es auch gar nicht anders. Wenn wir der Welt da draußen erklären wollen, wie man künftig unternehmerisch tätig ist und wie man in Zukunft digital agiert, dann muss man das am eigenen Leibe verinnerlicht und umgesetzt haben. Und das gelingt PwC meiner Meinung nach wirklich exzellent.

Bedrohung des Arbeitsplatzes oder eine echte Chance für die Zukunft: Wie kann die nächste Generation Ihrer Meinung nach am besten von der Digitalisierung im Beruf profitieren?

Thomas P. Offner: Das Wichtigste ist: Man sollte mutig bleiben und keine Angst haben. Angst und Kreativität haben sich noch nie gut vertragen. Die Vorstellung, wir werden alle unsere Arbeitsplätze verlieren, weil alles nur noch von Robotern erledigt wird, wird sich bald als haltlos herausstellen. Vor wenigen Jahren haben die Leute noch befürchtet, wegen der Digitalisierung würde niemand mehr Bücher lesen. Wie wir jetzt wissen: Es wurden noch nie so viele Bücher gedruckt und gelesen wie heutzutage, obwohl inzwischen alles digital ist.

Von dieser sich immer schneller wandelnden Welt benötigen sicher auch Entrepreneure öfter mal eine Pause! Wie schalten Sie am besten ab?

Thomas P. Offner: Digital Detox ist ein heikles Thema. Meine Frau hätte sehr gern, dass ich meine Handys öfters weglege. Es gelingt mir am ehesten, wenn ich rausgehe und Sport mache, beim Laufen etwa, da komme ich auch sehr gut ins Denken. Ich laufe deshalb bewusst weder mit Pulsmesser noch mit sonst irgendwelchen digitalen Gadgets und trage maximal eine Uhr. Im Winter packe ich gern meine Tourenski aus. Ja, Sport in der Natur, da kann ich entspannen und bin ganz bei mir.

Das Next Digital Leader Network von WIRED und PwC:

WIRED und die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC rufen in Kooperation ein Netzwerk-Programm für junge Studenten und Young Professionals ins Leben, um die „Next Digital Leader“ in Deutschland zu fördern. Für die ausgewählten Mitglieder des Netzwerks gibt es diverse Veranstaltungen – von Hand-On-Support durch digitale Professionals über Lunch-, Dinner- und After-Work-Events sowie verschiedene Workshop-Formate bis hin zum großen Next Digital Leader Summit, einem Konferenzformat, auf dem die ausgewählten Mitglieder des Netzwerks mit nationalen und internationalen Größen aus der deutschen Wirtschaft zusammenkommen und sich ganz direkt austauschen können.

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