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Diese App verspricht nie wieder Stress beim Ticketkauf

Lina Hansen 15.02.2017

Ein gutes Produkt löst ein großes Problem, lautet eine Startup-Weisheit. WIRED stellt regelmäßig Unternehmen, Menschen und Ideen vor, die diesem Grundsatz folgen – Problem Solver eben. Diesmal: MotionTag will den Ticketkauf im öffentlichen Nahverkehr vereinfachen, indem eine App den Fahrgast während der gesamten Reise verfolgt.

Das Problem? Die Bahn fährt in einer Minute ab und man steckt noch in der Schlange am Fahrkartenautomaten fest. Hat man es dann geschafft und steht vorn, muss man noch herausfinden, welches Ticket eigentlich gebraucht wird. Tarifzonen, Ringe, Tageskarten? Für Einheimische oft ein ebenso großes Rätsel wie für Touristen. Die Tarifsysteme der Verkehrsunternehmen sind nicht immer selbsterklärend und die Automaten oft veraltet oder defekt. Hat man die richtige Fahrkarte schließlich gefunden, reicht oft der Blick ins Portmonnee, um zu merken: Ohne Bargeld geht nix.

Die Lösung? Eine App, der man nur verraten muss, wann man seine Fahrt antritt. Danach muss man sich um nichts mehr kümmern. Während der gesamten Reise registriert TicketEasy, wie weit man fährt, wo man umsteigt und in welchen Tarifzonen man sich gerade befindet. Das Fahrtende erkennt die App automatisch, ermittelt, welches Ticket das günstigste gewesen wäre – und bezahlt es. Wer während der Fahrt kontrolliert wird, zeigt einen QR-Code vor, wie bei anderen digitalen Tickets auch.

Wer steckt dahinter? Das Startup MotionTag pitchte die Idee im Rahmen des Accelerator-Programms Mindbox der Deutschen Bahn und durfte anschließend mit Unterstützung des Konzerns einen funktionsfähigen Prototyp entwickeln. Stephan Leppler und Florian Stock gründeten die Firma 2015. Der Umwelttechniker und der Mathematiker waren mit ihr auch schon Teil des EU-geförderten Climate-KIC-Programms, das Gründer fördert, die grüne Ideen vorantreiben wollen. Im Büro in Berlin-Charlottenburg arbeitet ihr Team daran, den TicketEasy-Prototyp weiterzuentwickeln und dabei etwa den Datenschutz sicherzustellen. Der wird von einem externen Datenschutzbeauftragten überwacht und entspricht laut Leppler „den höchsten Standards“.

Das MotionTag-Team um Stephan Leppler und Florian Stock (3. u. 4. v.l.)

Wer glaubt daran? Auch nach dem Mindbox-Accelerator-Programm arbeitet MotionTag noch mit der Deutschen Bahn zusammen – und spricht mit verschiedensten Verkehrsverbünden in Deutschland und ganz Europa. Und dann ist da natürlich die Suche nach Investoren, um MotionTag voranzutreiben. „Es ist ein Henne-Ei-Problem“, sagt Stephan Leppler. „Wir brauchen ein funktionierendes Produkt, um Kunden zu überzeugen und gleichzeitig können wir langfristig nur mit Hilfe der Investoren vorankommen, die aber erst investieren, wenn der erste Kunde gesignt hat“. Aber es gebe bereits sehr interessierte potenzielle Kunden, die ersten Verträge – so hofft er – würden bald unterschrieben.

Braucht man das wirklich? Öffentlicher Nahverkehr in einer fremden Stadt, am Ticketautomaten gescheitert und dann mit schlechtem Gewissen doch einfach in die Bahn gestiegen. Jeder, der das schon erlebt hat, hätte sich wohl eine einfache Alternative gewünscht. Sollte MotionTag es tatsächlich schaffen, eine massenkompatible App auf den Markt zu bringen, die Technologie vielleicht sogar in bestehende ÖPNV-Apps zu integrieren, wäre das eine echte Lösung. Allerdings: Um wirklich entspannt in die Bahn steigen zu können und sich auch um Stadt- oder Landesgrenzen keine Gedanken mehr machen zu müssen, ist ein flächendeckendes Mitmachen der Verkehrsverbünde notwendig. Diese könnten die gesammelten Daten zum Beispiel dahingehend auswerten, mit welchen Verkehrsmitteln ihre Fahrgäste unterwegs sind, wie hoch die Auslastung auf verschiedenen Streckenabschnitten und zu bestimmten Zeiten ist und wer wo umsteigt.

Wie geht es weiter? Stephan Leppler hofft, dass ab Herbst 2017 die ersten Pilotprojekte in der Deutschland, Österreich und der Schweiz gestartet werden können. Im Erfolgsfall könnte TicketEasy dann schon Mitte 2018 flächendeckend eingeführt werden. Und die Münzen im Portmonnee vielleicht lieber für Schokolade in der Kasse des Bahnhofskiosks landen als im Ticketautomaten.

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