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Hier seht ihr J. J. Abrams neue Serie über private Mondfahrer

Cindy Michel 17.03.2016

Moon Shot bedeutet so viel wie der Griff nach den Sternen. Und genau den  versuchen die Teilnehmer des Google Lunar XPrize: Jedes der 16 privat finanzierten Teams will als erster seinen eigenen Rover zum Mond schicken. Aber wer sind eigentlich diese Menschen, die sich trauen, groß zu denken? Dieser Frage geht die Webserie „Moon Shot“ nach, die von „Star Wars“-Regisseur J. J. Abrams produziert wurde. Ab sofort könnt ihr sie bei YouTube sehen – oder hier bei uns.

Fast neun Jahre ist es her, dass Google und die XPrize Foundation den Lunar XPrize ausgelobt haben: Privatpersonen sollen einen eigenen Rover bauen und diesen dann auf den Mond schicken. Ein Touchdown allein reicht aber noch nicht aus, um Ruhm, Ehre und Preisgeld einzustreichen. Denn ist das Vehikel auf dem Erdtrabanten gelandet, muss es noch mindestens 500 Meter zurücklegen und anschließend die dabei gesammelten Daten sowie ein HD-Video zur Erde zurück senden, alles bis Ende 2017.

Das Team, dem das zuerst gelingt, bekommt 30 Millionen Dollar. Sollte ein Teilnehmer während seiner Mondausfahrt auf Wasser oder Eis stoßen oder andere bahnbrechende Entdeckungen machen, kann er mit einer Prämie in Höhe von 10 Millionen Dollar rechnen. Ursprünglich war die Deadline für Ende 2012 gesetzt, wurde allerdings aufgrund mangelnder Ergebnisse um fünf Jahre nach hinten verschoben worden.

Doch einigen Teilnehmern könnte bereits Silvester 2016 das Aus drohen: Wer bis dahin keinen gültigen Vertrag mit einem Raketenunternehmen abgeschlossen hat, das seinen Rover zum Mond schickt, muss den Wettbewerb verlassen. Bisher können nur zwei Teams ein derartiges Dokument vorweisen: Moon Express und SpaceIL.

Auch wenn es vermutlich nur die Wenigsten überhaupt bis zum Ende schaffen werden, geschweige denn bis zum Mond: All diese Menschen, so verschieden sie und ihre Motivationen aus sein mögen, stecken all ihre Leidenschaft, Zeit und Passion in dieses eine Projekt. Und genau das steht im Fokus der neunteiligen Doku-Serie „Moon Shot“.

Weder die Fortschritte der Teams noch ihre wissenschaftlichen Herangehensweisen scheinen dabei für Regisseur Orlando von Einsiedel erzählenswert gewesen zu sein. Auch ihre Erfindungen kommen nur am Rande vor, und wenn, dann nur visuell als narrativer Moment, als charakterisierendes Element des porträtierten Menschen. Denn er ist es, der die Story trägt, um den sich in „Moon Shot“ alles dreht.

In jeder Episode steht ein anderer XPrize-Teilnehmer im Mittelpunkt, das dazugehörige Team wird über diesen Protagonisten definiert. So lernt der Zuschauer neun verschiedene Mannschaften kennen, ihre Träume und Wünsche, Geschichten, Familien und Freunde. Und ganz nebenbei erhält er eben auch einen Einblick in die Arbeit von neun der 16 Wettbewerbs-Teams.

Die sechs- bis siebenminütigen Episoden sind clean und aufgeräumt produziert, erinnern teilweise an Imagevideos. Von Einsiedel hat sich unglaublich spannende Menschen herausgesucht, mit mal skurrilen, dann wieder berührenden Geschichten. Doch leider versteift er sich etwas zu sehr auf Klischees und presst seine Protagonisten in vorgegossene Schalen, ohne ihnen den nötigen filmischen Raum zur Selbstentfaltung zuzugestehen.

Da gibt es etwa den wirren, aber genialen Mathematikprofessor Alex Dobrianski, der mit seiner Familie aus der Ukraine nach Vancouver immigriert ist. In einem kleinen Zimmerchen seiner Mietwohnung arbeitet er zusammen mit seiner Familie als Team Plan B am eigenen Beitrag zum Lunar XPrize. Seine Frau, ebenfalls Mathematikerin, bringt ihm Kaffe und animiert Angehörige und Freunde, ihren Mann weiter zu unterstützen. Obwohl sie der Kamera betrübt anvertraut: „Der Mond hat mir den Ehemann geraubt.“

Dann gibt es da noch den Familienmenschen Yariv Bash aus Israel vom Team SpaceIL, dessen Großvater den Holocaust überlebt hat. Dank ihm sei er überhaupt erst Ingenieur geworden, sagt Bash. Nun möchte er selbst zum Vorbild für junge Menschen werden und ihnen helfen, ihre Träume zu verwirklichen – um später einmal die Welt zu verändern.

Oder Deepana Gandhi vom „Team Indus“: Das Leben der jungen Inderin besteht nur aus Zahlen und Gleichungen, wie sie selbst sagt. Obwohl sie aus der indischen Provinz stammt, in der Frauen nicht annähernd die gleichen Rechte wie Männer haben, hat sie ihren Traum verwirklicht und Mathematik studiert. Ihre Vision und ihre Leidenschaft für Zahlen waren ihr Antrieb. Das und ihr großes Vorbild, die Astronautin Kalpana Chawla, die 2003 bei dem tragischen Absturz der Raumfähre Columbia ums Leben kam.

Ihr Landsmann Naveen Jaim vom Team Moon Express kam „mit nur fünf Dollar in der Tasche und einem faszinierenden Traum nach Amerika“. Der Mond habe für ihn schon immer eine große Bedeutung gehabt, sagt er: „Als ich noch arm und hungrig in Indien zu ihm aufblickte, bekam ich diese Befriedigung, dass auch die reichste Person der Welt den gleichen Mond ansieht wie ich.“

Auch Robert Böhme und seine Berliner Part-Time-Scientists werden in einer Episode vorgestellt. Erfrischend lebendig und frei kommen Böhmes O-Töne daher. So stellt er von Anfang an eines klar: „Ich bin völlig unqualifiziert, um an auch nur irgendeiner Mondmission zu arbeiten, aber das hält mich nicht davon ab.“

Alles in allem ist „Moon Shot“ eine sehenswerte Webserie geworden, die Menschen zeigt, die alles daran setzen, ihren Traum zu erfüllen. Noch besser wäre sie allerdings geworden, wenn Orlando von Einsiedel sich getraut hätte, das Klischee-Passepartout zum Mond zu schießen und den wirklich tollen Geschichten seiner Protagonisten mehr Vertrauen geschenkt hätte. 

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