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Echte Kunst oder echt gute Fälschung? Die Plattform Verisart hilft

Marius Münstermann 08.07.2015 Lesezeit 3 Min

Fake oder echt? Diese Frage stellen sich die meisten Internetnutzer normalerweise bei Videos — wenn die Szenen aus unzugänglichen Kriegsgebieten stammen sollen oder die Aufnahme einfach Unglaubliches zeigt. Wirklich kostspielig wird es aber erst, wenn es um die Echtheit von Kunstwerken geht.

Kunst online zu kaufen, ist nicht besonders vertrauenswürdig: Laut dem aktuellen Bericht zum Online-Kunsthandel des Spezialversicherers Hiscox fürchten zwei Drittel aller Kunden, beim Online-Kauf auf Fälschungen hereinzufallen.

Kunstfälscher sind auch im Internet unterwegs.

Eigentlich sollten Echtheitszertifikate (Certificate of Authenticity, kurz: COA) die Authentizität der Werke belegen. Diese gibt es auch für online gehandelte Kunst. COAs enthalten in der Regel Angaben wie den Namen des Künstlers, den Titel des Werks sowie Verweise auf Fachjournale, in denen sich weitere Details finden.

Hiscox beziffert den internationalen Online-Kunstmarkt für 2014 auf 2,64 Milliarden Dollar, was knapp fünf Prozent des gesamten Kunstmarkts entspricht. Bis 2019 soll der Online-Markt auf schätzungsweise 6,3 Milliarden Dollar anwachsen. Bei diesen Summen verwundert es kaum, dass es neben Kunstdieben und professionellen Kunstfälschern längst auch Betrüger gibt, die sich auf die Fälschung von Echtheitszertifikaten spezialisiert haben, die auf Auktionsseiten gehandelt werden.

Sammler sind verunsichert.

Entsprechend verunsichert sind viele Kunstsammler. Deshalb fordern 80 Prozent der Kunden von Hiscox eine standadisierte Methode, um sich besser vor Kunstfälschungen im Netz schützen zu können. Letztlich geht es darum, wie sich in der Anonymität des Internets Vertrauen herstellen lässt.

Diesem Problem widmet sich nun das Startup Verisart aus Los Angeles. Verisart will ein weltweites Verzeichnis online getätigter Kunsttransaktionen erstellen, die mit Informationen aus Museumskatalogen und ähnlicher Fachliteratur verknüpft werden sollen. Dafür will Verisart ein fundamentales Prinzip der digitalen Währung Bitcoin auf den online-Kunstmartk übertragen: Blockchains. Diese digitalen Verzeichnisse bestehen aus einer Reihe von Datenblöcken, in denen jeweils eine oder mehrere Transaktionen gebündelt und mit einer Prüfsumme versehen werden. Neue Händler müssen sich die gesamte bestehende Transaktionskette herunterladen.

Neue Verkäufe werden dieser bestehenden Kette hinzugefügt, sodass sich letztlich der Weg eines Kunstwerks bis zum erstmals registrierten Verkäufer zurückverfolgen lässt. Das Vertrauen in die Authentizität der Echtheitszertifikate und somit der Kunstwerke selbst speist sich dadurch aus der Summe der beteiligten Akteure auf dem Markt.

Um das Blockchain-Prinzip auf den Kunstmarkt übertragen zu können, hat Verisart unter anderem Bitcoin-Programmierer Peter Todd an Bord geholt. Die Einführung von Blockchains soll dafür sorgen, dass einmal verifizierte Kunstwerke fortan sicherer gehandelt werden können. Bei Vertragsabschluss erhalten die Käufer eine Kopie der digitalen Signatur, die die Echtheit des Werks belegt. Diese lässt sich fortan online und in Echtzeit überprüfen. Die Blockchain erlaubt es Käufern, eine ganze Kette von Echtheitszertifikaten zu überprüfen, statt auf ein einzelnes Zertifikat des vorherigen Besitzers angewiesen zu sein.

Verisart-Gründer Robert Nelson sagte gegenüber TechCrunch: “Wir sind überzeugt, dass die verschlüsselte Währung, die wir für unsere Blockchain verwenden, den Ansprüchen an Privatssphäre und Sicherheit des Kunstmarkts genügt, indem sie die Anonymität von Käufer und Verkäufer gewährleistet.“ Bislang setze der Kunstmarkt zu sehr auf Mittelsmänner, die derartiges Vertrauen herstellen. Dem wolle Verisart ein dezentrales, weltweites Verzeichnis mit starker Verschlüsselung gegenüberstellen. „Da mehr und mehr Kunstverkäufe online getätigt werden, wächst auch der Bedarf für wirklich sichere Echtheitszertifikate“, sagt Nelson.