UPDATE: Rumblr, der Mix aus Tinder und „Fight Club“, ist wohl nur ein Fake

Michael Förtsch 10.11.2015 Lesezeit 3 Min

Nur ein Scherz oder wirklich ernst gemeint? Das ist bei der App Rumblr anscheinend mittlerweile geklärt. Die vermeintlichen Entwickler versprachen eine Art Tinder für Prügeleien. Wer Lust auf einen Schlagabtausch hat, sollte damit binnen Minuten Gleichgesinnte treffen können. Doch das Ganze scheint nur ein Marketing-Stunt zu sein.

UPDATE 10.11.2015: Business Insider und die NY Daily News sind sich sicher: Rumblr ist nur ein Fake. Bei der vermeintlichen App handele es sich um einen Marketing-Stunt einer Agentur namens Von Hughes, schreibt die New Yorker Zeitung. Als die Rumblr-Website in der Nacht zum Dienstag live gegangen sei, hätten alle angemeldeten User nur mit einem einzigen Account mit dem Namen Dudecati chatten können. Anscheinend ein Bot, der potenzielle Kämpfe im letzten Moment immer mit den Worten abmoderierte: „Ok, im Ernst, du verschwendest hier deine Zeit.“ Was die iOS-Version von Rumblr angeht, gibt es laut Business Insider „keinerlei Beweise, dass diese je existiert hat“, auch eine angebliche Ablehnung in Apples App Store sie „Teil des Hoax“, schreibt die Nachrichtenseite. Trotz dieser Berichte sollen die Rumblr-Macher Matt Henderson und Jack Kim aber weiter auf der Echtheit ihrer App bestehen.

Tyler Durden hätte sicher seine Freude an Rumblr gehabt. Abgesehen davon, dass die Macher der Prügel-App anders als die berühmte Filmfigur durchaus über ihren „Fight Club“ reden. Wie sie ganz offen kommunizieren, sollen sich mit ihrer App schnell und einfach Verabredungen für freiwillige „Erholungskämpfe“ organisieren lassen. „Wir können den Fakt nicht ignorieren, dass Jungs, Männer, einfach alle, kämpfen wollen“, sagt Matt Henderson, einer der beiden Rumblr-Entwickler. „Warum sollen wir das dann nicht in einem effizienteren Rahmen stattfinden lassen?“

Tatsächlich scheint Rumblr von der Einfachheit und Effizienz beliebter Dating-Apps wie Tinder inspiriert zu sein. Möchtegern-Kämpfer sollen sich ein Profil mit Eckdaten wie Alter, Größe, Gewicht und Kampfsporterfahrung anlegen können und anschließend durch ein Album mit Kämpfern in ihrer Nähe blättern, die ebenfalls Lust auf Faustsport haben. Per Chat könnten sich die Prügelwilligen verabreden, Details ausmachen, oder ein paar anstachelnde Beleidigungen austauschen: „Hey, dein Gesicht kotzt mich an. Ein paar auf die Fresse?“

Wer selbst kein blaues Auge riskieren will, soll mit Rumblr auch einfach Kämpfe in seiner Umgebung entdecken können, denen er zuschauen kann. Diese lassen sich freilich auch bequem nach Interessen filtern. So stehen neben den Standardfaustgeplänkeln zwischen Männern etwa auch Frauenkämpfe oder Massenschlägereien zur Wahl.

Rechtlich gesehen betritt Rumblr eine Grauzone. Sich im gegenseitigen Einverständnis zu schlagen, ist zumindest in den USA nicht grundsätzlich eine Straftat. Jedoch, so warnen Polizeibeamte in ersten Befragungen, könnten mit der App auch Opfer für Raubüberfälle angelockt werden oder sich die Kämpfer nicht an die vorher ausgemachten Regeln halten. „Nachdem sich die Leute treffen, haben wir nichts mehr damit zu tun“, antwortet Jack Kim, der zweite Part des Entwicklerduos, auf diese Kritik. Auch würde Rumblr als Firma grundsätzlich nichts von dem rechtlich unterstützen oder befürworten, was seine Nutzer tun. Die App sei nur eine Plattform.

Dem Gerücht, dass Rumblr nur ein Scherz sei, eine Gesellschaftsparodie, widersprechen die Macher vehement. Die App existiere durchaus und sie hätte eine bodenständige Finanzierung von einem privaten Investor, der die schräge Idee unterstütze. Außerdem hätten sich schon mehr als 78.000 Interessierte für einen der 2000 Zugängen für den US-Betatest angemeldet.

Der Testlauf soll in der Nach 9. auf den 10. November gemeinsam mit einer Web-App starten. Eine iOS-Version, die allerdings noch von Apple für den AppStore durchgewunken werden muss, soll Ende November erscheinen.