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Russland will mit einem Atomantrieb in 45 Tagen zum Mars fliegen

Michael Förtsch 11.03.2016 Lesezeit 2 Min

Eine bemannte Mission zum Mars ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch eine zeitliche. Mehr als 225 Tage dauert allein der Hinflug im Durchschnitt. Russland will die Flugzeit nun kräftig drücken. In 45 Tagen könne man die Reise bewältigen – dank eines Nuklearantriebs.

Wer den Film „Der Marsianer“ gesehen hat, weiß, dass eine Expedition zum roten Planeten langwierig ist. Eine Crew, die den Hin- und Rückflug absolviert, würde aktuell mindestens 450 bis 500 Tage in einem Raumschiff zubringen. Eine physische und psychische Herausforderung, die eine der großen Hürden auf dem Weg zur Erforschung und Besiedlung des Mars darstellt. Russische Forscher glauben nun jedoch, diese bald verschwinden lassen zu können. Rosatom, die staatliche Agentur für Atomenergie Russlands, arbeitet nach eigenen Angaben schon seit 2010 an einem „Megawatt-Klasse-Nuklearantrieb“ für die Raumschiffe der Zukunft.

„Sie beschleunigen einmal und fliegen dann auf ihrer Bahn“, beschreibt Rosatom-Chef Sergej Kirilenko die Funktionsweise derzeitiger Triebwerke. Der neue Nuklearantrieb der solle hingegen „die 30-fache Energiereserve eines konventionellen Raumschiffs“ haben sowie hohe Manövrierbarkeit und eine dauerhaftere Beschleunigung ermöglichen. Der Antrieb könne eine Crew in 45 Tagen zum Mars fliegen und es „der Menschheit ermöglichen, Raumschiffe zu konstruieren, die allen Herausforderung des 21. Jahrhunderts gewachsen sind“. Darunter etwa die Abwehr von Asteroideneinschlägen. Welches Prinzip dieser Nuklearantrieb allerdings genau zum Vorbild hat und wie er funktioniert, das behält Rosatom bisher für sich.

Schon seit den 1950er Jahren haben jedoch sowohl die damalige Sowjetunion als auch die USA an der – für Ingenieure bis heute faszinierenden – Idee der „Nuclear thermal rocket“ geforscht. Dabei wird beispielsweise Wasserstoff durch einen Kernreaktor geschleust, erhitzt, zur Ausdehnung gebracht und so Schub erzeugt. Bei anderen Konzepten wie der US-Raumschiffvision Prometheus 1 würde ein Atomreaktor genutzt, um eine Gasturbine zu betreiben, die wiederum ein elektrisches Raketentriebwerk speist. Hanebüchen war hingegen das Projekt Orion: Dabei sollte ein Raumschiff nach und nach kleine Atomsprengsätze auswerfen, die es, geschützt durch einen dicken Stahlpanzer am Heck, durchs All gebombt hätten.

Wie auch immer der russische Atomraumschiffantrieb am Ende genau aussieht, 2018 soll ein Prototyp einen Testflug absolvieren.

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