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Auspuffwasser trinken? WIRED testet den Toyota Mirai

Jeremy White 31.10.2016

Null Emissionen durch Wasserstoffantrieb. Das verspricht der Toyota Mirai. Dann muss das ausgestoßene Wasser ja auch so rein sein, dass man es trinken kann, oder? WIRED-Autor Jeremy White hat es probiert.

Toyota arbeitet am Zero Emission Vehicle, der Weiterentwicklung des Brennstoffzellenantriebs. Der Toyota Mirai stößt lediglich Wasser aus, er ist das sparsamste Serien-Brennstoffzellenfahrzeug und gewinnt viele Preise. Für die Entwicklung nimmt der japanische Autohersteller vermutlich Millionenverlusten hin, doch daran ist man bereits gewöhnt. Mit dem Prius war es zu dessen Verkaufsstart 1997 nicht anders: Die Investitionen ins erste Serien-Hybrid-Fahrzeug waren hoch, doch die Hybrid-Technologie konnte sich zunächst nicht durchsetzen. Heute ist bereits die vierte Prius-Generation auf dem Markt.

Nun ist es möglich, dass Toyota diese Geschichte wiederholen möchte. Der Mirai (auf Deutsch: Zukunft) basiert auf Toyotas Modell des Fuel Cell Vehicle (FCV), das schon 2013 auf der Tokyo Motor Show vorgestellt wurde. Statt einer den Elektromotor antreibenden Batterie nutzt der Wagen eine Brennstoffzelle sowie Sauerstoff aus der Luft und komprimierten Wasserstoff, um Strom zu erzeugen. Ausschließlich Wasser und Wärme entweichen in die Luft. Die FCVs werden als Null-Emissions-Fahrzeuge vermarktet.

73.000 Euro kostet so ein innovatives Auto. Ein enormer Preis. Toyota selbst gibt offen zu, dass man nicht erwarte, FCVs in den nächsten 15 Jahren zum Massenprodukt machen zu können. In Großbritannien sind beispielsweise erst acht Ladestationen in Betrieb, 65 sollen es bis 2020 werden. Deswegen sind aktuell nur zwölf Mirais auf den britischen Straßen unterwegs, in vier Jahren sollen es aber schon 30.000 sein. WIRED hat einen davon getestet – auf recht ungewöhnliche Weise.

Ein Test entgegen Toyotas Empfehlungen

Doch zunächst zum Gewöhnlichen: Äußerlich besticht der Mirai durch Bescheidenheit. Man könnte denken, Toyota wolle gar nicht, dass sich das Fahrzeug zu sehr von der Masse abhebt. Mit einer Maximalgeschwindigkeit von 178 km/h, 335 Newtonmetern Drehmoment und rund 10 Sekunden von 0 auf 100 ist auch die Performance eher dürftig. Im normalen Verkehr und bei Überholmanövern läuft der Mirai aber problemlos.

Das Fahrerlebnis ist unspektakulär, fast langweilig. Toyota scheint auch damit zufrieden zu sein. Das Auto leistet nicht mehr und nicht weniger als die gängigen Hybrid-Modelle. Das auffälligste Detail der gesamten Fahrt ist die Stille. Der Mirai läuft sehr leise.

Und auch die Ausstattung des Innenraums ist erwähnenswert, weil sie die schönste ist, die WIRED von der Marke bisher gesehen hat. Das glänzende weiße Leder und die schwarzen Armaturen wirkt futuristisch. Ein Teil der Technik wurde von Lexus übernommen, dem Bruder aus dem gehobenen Preissegment.

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Ein Schalter ist dabei besonders interessant: der mit der Aufschrift H2O. Weil der Mirai nicht mehr als 0,8 Liter pures Wasser auf zehn Kilometern ausstößt, kann man mit einem Knopfdruck eingelagertes Wassers abfließen und das Auspuffsystem reinigen lassen. Eine gut durchdachte Zusatzfunktion – und für uns eine gute Möglichkeit, dieses Wasser einmal zu testen. Entgegen Toyotas Empfehlungen wohlgemerkt.

Machen wir es kurz: Wir sind nicht gestorben. Tatsächlich schmeckte das Wasser gut, ein wenig warm höchstens. Der Test zeigte jedenfalls eindeutig, wie rein diese Art des Antriebs ist. Die Motorisierung durch Wasserstoff ist allerdings noch nicht wirklich „grün“: Nur sechs Prozent des Brennstoffzellen-Treibstoffs werden aktuell durch erneuerbare Energien hergestellt.

Der Toyota Mirai ist für wohlhabende Early Adopters gedacht. Vorausgesetzt, dass sie unweit einer kompatiblen Ladestation wohnen. Doch der Zugang wird einfacher werden, die Technik kleiner und preiswerter. Wie im Falle der Hybrid-Fahrzeuge. Dann kann Toyota ganz vorne mit dabei sein.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED UK.

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